Den Dom für neue Zielgruppen öffnen

Metropolitankapitel erarbeitet spezielle Domführungen für Menschen mit Beeinträchtigungen

Die Gruppe mit Domführer Klaus Meilwes (l.) vor dem Keramikmodell des Paderborner Doms.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 29. April 2017 . Führungen durch den Hohen Dom zu Paderborn werden von vielen Menschen gern wahrgenommen, um mehr über die Geschichte, die Bedeutung oder die Kunst der Paderborner Bischofskirche zu erfahren. Das Paderborner Metropolitankapitel möchte dies auch Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen. Seit Mitte 2016 wurden deshalb spezielle Domführungen für Menschen mit Beeinträchtigungen entwickelt, zwei davon sind bereits im Angebot. Ein Praxis-Test wurde jetzt mit einer zusätzlichen Führung für blinde und sehgeschädigte Menschen gemacht, bei der diese den Dom „ertasten“ konnten. Nach einem positiven Fazit geht das Angebot jetzt ebenfalls an den Start.      

Im Angebot verfügbar waren bereits Domführungen für Menschen mit Demenz und Orgelführungen für gehörlose und hörgeschädigte Menschen. Das dritte Angebot richtet sich an blinde und sehgeschädigte Menschen. Um das Konzept in der Praxis und von der Zielgruppe bewerten zu lassen, hat das Metropolitankapitel eine Test-Führung mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Paderborn im BSV Westfalen e.V. durchgeführt.  

An vielen Stationen wie hier an der Taufschranke konnten die Teilnehmer der Führung den Hohen Dom tastend erkunden.Fotos: pdp/Maria Aßhauer Domführer Klaus Meilwes lud die Teilnehmer zu Beginn ein, sich anhand eines abtastbaren Keramikmodells ein Bild vom Dom zu machen. Eine mit Glaspapier beklebte Platte machte dabei auch die Dom-Umgebung mit Kreuzgang, Bartholomäuskapelle und Kaiserpfalz greifbar. Nach einer Einführung in den Dom als Ganzem stellte Klaus Meilwes der Gruppe das alte Chorgitter und die Taufschranke vor. „Die sind ja unheimlich fein gearbeitet!“, so der begeisterte Kommentar eines Teilnehmers beim Ertasten der Apostelfiguren an der Taufschranke. Weitere Stationen waren unter anderem das Fürstenberggrabmal, die Kanzel, das Lesepult sowie die Konrad-Martin-Kapelle, in der die Reliquien der seligen Schwester Pauline von Mallinckrodt aufbewahrt werden. Die Ordensfrau war im 19. Jahrhundert eine Protagonistin der Blindenfürsorge. Indem er die Kunstwerke anschaulich schilderte und immer wieder abtasten ließ, versuchte Klaus Meilwes, den Dom der Gruppe barrierefrei zu erschließen.  

Das einhellig positive Fazit der Besucher brachte ein Teilnehmer auf den Punkt:  „Ihnen ist ein sehr ansprechendes Angebot gelungen.“ Auch konstruktive Anregungen kamen von der Gruppe: So würde zum Beispiel die Benennung von Größenangaben helfen, sich ein noch besseres Bild vom Dom zu machen. „Und seien Sie ruhig ein wenig autoritärer und sorgen Sie ruhig auch mal für Ruhe“, empfahl außerdem ein Teilnehmer schmunzelnd vor dem Hintergrund, dass sehgeschädigte Menschen sich mehr auf ihr Gehör verlassen müssen. So gingen die Besucher des Blinden- und Sehbehindertenvereins nach anderthalb Stunden voller Eindrücke nach Hause.      

Hintergrund: Spezielle Domführungen für Menschen mit Beeinträchtigungen  
Neben dem Angebot für blinde und sehgeschädigte Menschen gibt es auch spezielle Domführungen für demente Menschen und Orgelführungen für Hörgeschädigte und Gehörlose:      

Domführungen für demente Menschen  
Sieben Domführer haben sich für Führungen mit dementen Menschen geschult. Kleine Gruppen von Dementen und ihren Begleitern werden dabei zu besonders ansprechenden Stationen im Dom geführt. Die Domführer greifen Erinnerungen der Teilnehmer an die Bischofskirche auf und verwenden eine einfache Sprache.      

Orgelführungen für Hörgeschädigte und Gehörlose  
Domorganist Tobias Aehlig bietet Orgelführungen speziell für Hörgeschädigte und Gehörlose an. Er erläutert Geschichte und Aufbau der Paderborner Domorgel und spielt einige Stücke auf der „Königin der Instrumente“. Durch die spürbaren Vibrationen können die Teilnehmer den Klang und die Kraft der Orgel eindrucksvoll erleben. Es ist erforderlich, einen Gebärdendolmetscher mitzubringen.

Link: Alle Infos u. Anmeldung zu Führungen im Hohen Dom zu Paderborn