Liborius und Kilian werden restauriert

Die fast 800 Jahre alten Bischofsfiguren im Paradiesportal verlassen nach über 200 Jahren zum ersten Mal ihren Platz

Menschen mit Holzfigur Die hölzerne Figur des heiligen Liborius ist nach über 200 Jahren zum vermutlich ersten Mal aus dem Paradiesportal entfernt worden. Restaurator Matthias Rüenauver von ars colendi, Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca (v.l.) begutachten die über zwei Meter große Figur.pdp / Lena Reiher Paderborn, 25. April 2017. Seit 1815 hängen sie nachweislich auf der Holzverkleidung oberhalb der Portaltüren des Paradiesportals im Hohen Dom zu Paderborn: Die hölzernen Bischofsfiguren des heiligen Liborius und des heiligen Kilian wurden heute zum wahrscheinlich ersten Mal nach über 200 Jahren von ihrem angestammten Platz entfernt. Nun befinden sie sich zum Zweck der Restaurierung in der ars colendi Fachwerkstatt zur Denkmalpflege. Dort werden sie intensiv begutachtet, wird der Versuch unternommen, das Alter der Figuren genauer zu datieren und sie werden nach Bedarf restauriert.

Das Paradiesportal des Hohen Doms entstand in der Mitte beziehungsweise der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Entstehung der beiden Bischofsfiguren wird daher auch in dieser Zeit, vielleicht sogar etwas vor Beginn des 12. Jahrhunderts, vermutet. Die Attribute der beiden hölzernen Dompatrone sprechen ebenfalls dafür. „Die Figuren sind aus einem Stamm gehauen, leicht ausgehöhlt, etwa drei bis acht Zentimeter dick, 2,03 Meter groß und circa 80 Kilogramm schwer“, beschreibt sie Restaurator Matthias Rüenauver von ars colendi. „Wir erhoffen uns, in den Gewandfalten Fassungsreste zu entdecken, also alte Farbrückstände, anhand derer wir das Alter der Figuren besser datieren können.“

Die Abnahme der Figuren gestaltete sich schwieriger als erwartet, denn neben zahlreichen Schrauben, mit denen sie oberhalb der Portaltüren befestigt waren, war zudem ein versteckter Winkel angebracht, der die Dompatrone stütze. Nachdem dieser gefunden war, konnte zuerst die Figur des heiligen Liborius abgenommen werden. Beim Herunterheben fielen auch sofort einige hinter der Figur verborgene Schriftstücke zu Boden. Diese erwiesen sich jedoch als Opfertütchen aus dem Jahr 1968, die vermutlich bei früheren Arbeiten hinter die Figuren geschoben wurden.

Männer heben Holzfigur Die geschätzt 80 Kilogramm schwere Holzfigur erfordert den vollen Krafteinsatz der Mitarbeiter von ars colendi.pdp / Lena Reiher„Dass die Holzfiguren ihren angestammten Platz vorübergehend verlassen, geschieht im Zuge der Umgestaltung des Paradiesportals des Hohen Doms“, erklärte Dompropst Monsignore Joachim Göbel. Das Portal wird künftig stufenlos und somit barrierefrei erreichbar sein: Über eine Rampe, die die gesamte Breite des Paradiesportals umspannt, werden Fußgänger wie Rollstuhlfahrer die Paderborner Bischofskirche gleichermaßen bequem erreichen können. Bis jetzt ist die Paderborner Bischofskirche an allen Eingängen nur über Stufen zu betreten.

 „Die Umgestaltung sieht zudem vor, dass sich eine der Portaltüren automatisch öffnen lässt und die beiden hölzernen Windfänge im Innern des Domes durch gläserne ersetzt werden. Zudem wird das Paradiesportal in Zukunft mit einem Gitter zu verschließen sein, damit die Figuren vor allem in der Nacht sicher sind“, sagte Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca. Das Besondere des Paradiesportals ist, dass es den Hohen Dom zur Stadt hin öffnet. Ehemals war die Paderborner Bischofskirche nur von Westen zu betreten, mit der Entstehung des Paradiesportals wurde es ein Gotteshaus für die Bürger Paderborns.

Ob die Heiligenfiguren neue Erkenntnisse in sich bergen, werden die weiteren restauratorischen Untersuchungen zeigen. „Wir sind gespannt, welche Geheimnisse Liborius und Kilian uns noch offenbaren werden“, zeigt sich Diözesanbaumeisterin von Branca neugierig.