Ein Stück Erinnerung

Domkapitular Dr. Thomas Witt segnet am Barmherzigkeitssonntag das Reliquiar mit der Blutreliquie von Papst Johannes Paul II.

Domkapitular Dr. Thomas Witt segnete das Reliquiar für die Blutreliquie von Papst Johannes Paul II., die damit der Verehrung durch die Gläubigen übergeben wurde.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 23. April 2017. Zahlreiche Gläubige haben den Wunsch nach einer Reliquie des heiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. geäußert – dem Papst, der 1996 Paderborn  besucht hat und der den ehemaligen Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt 2001 zum Kardinal ernannte. Dieser Wunsch ist jetzt wahr geworden: Am Barmherzigkeitssonntag feierte Domkapitular Dr. Thomas Witt um 10 Uhr das Kapitelsamt im Hohen Dom und segnete dabei das Reliquiar für die vom Erzbistum erworbene Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. Zahlreiche Gläubige nutzten anschließend die Möglichkeit zur Verehrung der Reliquie.      

Das Reliquiar ist ein vergoldetes Kreuz aus mehreren Quadraten. In der Mitte birgt eine Pyramide aus Bergkristall die Reliquienkapsel.Foto: pdp/Maria Aßhauer Der Zeitpunkt für die Segnung des Reliquiars am „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“, der jedes Jahr am zweiten Sonntag der Osterzeit gefeiert wird, ist kein Zufall: Der „Barmherzigkeitssonntag“ wurde am 30. April 2000 von Papst Johannes Paul II. bei der Heiligsprechung der polnischen Schwester Faustyna Kowalska als liturgisches Fest eingeführt. Papst Johannes Paul II. wurde am 27. April 2014 heiliggesprochen – ebenfalls am Barmherzigkeitssonntag. Nun wurde das Reliquiar für die Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. an diesem Festtag im Hohen Dom gesegnet und die Reliquie somit der Verehrung durch die Gläubigen übergeben.  

Erzbischof Hans-Josef Becker hat im Jahr 2016 – 20 Jahre nach dem Besuch von Papst Johannes Paul II. in Paderborn – beim Vatikan offiziell nach einer Reliquie des heiliggesprochenen Papstes angefragt. Noch im selben Jahr erhielt das Erzbistum die Reliquie. Es handelt sich um einen Blutstropfen auf einem Stück Stoff. Aufbewahrt wird die Reliquie künftig in einem Reliquiar in Form eines vergoldeten Kreuzes. Mittig befindet sich eine Bergkristallpyramide, die die Reliquienkapsel umschließt. Auf dem Kreuz sind außerdem vier kleinere Kristallpyramiden angebracht sowie in hervorgehobener lateinischer Sprache Name, Geburts- und Todesjahr des Papstes.  

Vor der Segnung des Reliquiars sprach Domkapitular Dr. Thomas Witt ein Gebet des heiligen Papstes Johannes Paul II.Foto: pdp/Maria Aßhauer „Papst Johannes Paul II. hat die Botschaft der Barmherzigkeit in alle Welt getragen und bezeugt“, sagte  Domkapitular Dr. Thomas Witt in seiner Einführung im Kapitelsamt im Hohen Dom. Er begrüßte als Konzelebranten Ehrendomherr Pfarrer Dr. Franz Weidemann aus Dortmund, der neben anderen Gläubigen die Anregung für den Erwerb der Reliquie gegeben hatte.

Auch in seiner Predigt machte Domkapitular Dr. Witt die Barmherzigkeit zum Thema. „Gottes Antwort auf den gefallenen Menschen ist immer die vollkommene Liebe“, so der Domkapitular. Die Barmherzigkeit Gottes zu verkündigen sei der tiefste Inhalt des Lebens Johannes Pauls II. gewesen. „Aus dieser Gewissheit von Gottes Barmherzigkeit konnte er schon in seiner ersten Predigt als Papst der ganzen Welt zurufen: ‚Habt keine Angst!‘. Die Reliquie dieses großen Papstes in unserem Dom mag uns anspornen, die Angst hinter uns zu lassen: Die Angst vor der Zukunft – der eigenen und der Kirche“, sagte Domkapitular Dr. Thomas Witt zum Abschluss der Predigt.  

Diakon Bernhard Liekmeier hatte das Reliquiar enthüllt.Foto: pdp/Maria Aßhauer Für die Reliquie wurde ein passender Ort im Paderborner Dom gefunden: Das Reliquiar ist an der Nordseite des Doms zwischen Engel- und Dreifaltigkeitskapelle angebracht, unterhalb der Bronzeplastik von Papst Johannes Paul II., die an seinen Besuch in Paderborn erinnert. Die Kirchenbank unterhalb des Reliquiars ist entfernt worden, um Kerzen und Blumen abstellen zu können. In einer Prozession zog Domkapitular Dr. Thomas Witt mit Konzelebrant Pfarrer Dr. Franz Weidemann, Diakon Bernhard Liekmeier aus Delbrück, weiteren Mitgliedern des Metropolitankapitels und vielen Gläubigen zum noch verhüllten Reliquiar. Diakon Liekmeier nahm die von den Gläubigen gespannt erwartete Enthüllung des Reliquiars vor, bevor Domkapitular ein Gebet des heiligen Papstes Johannes Paul II. sprach und das Reliquiar anschließend segnete, mit Weihwasser besprengte und mit Weihrauch inzensierte.  

Direkt nach der Heiligen Messe versammelten sich viele Gottesdienstbesucher vor der Reliquie, um diese zu verehren und zu berühren. Auch Gabriela und Norbert Passon aus Schloß Neuhaus, beide in Schlesien geboren, waren mit Sohn Rene gekommen. Er empfängt am kommenden Sonntag die erste heilige Kommunion. „Es ist schon ein besonderes Gefühl, mit dieser Reliquie ein ‚Stück Heimat‘ hier im Dom zu haben. Ich werde auf jeden Fall auch mit meinen Eltern herkommen, wenn diese nächste Woche zur Kommunionfeier aus Polen zu Besuch kommen“, freut sich Gabriela Passon.  

Gabriela und Norbert Passon waren mit ihrem Sohn Rene zum Kapitelsamt in den Hohen Dom gekommen und zählten mit zu den ersten Gläubigen, die die Reliquie verehrten.Foto: pdp/Maria Aßhauer Hintergrund: Das Reliquiar für die Blutreliquie von Papst Johannes Paul II.  
Gestaltet wurde das Reliquiar für die Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. vom Gold- und Silberschmied Matthias Engert aus Zell bei Würzburg. Er hat bereits das Reliquiar für die Reliquie der seligen Mutter Maria Theresia Bonzel gefertigt, das sich in der Konrad-Martin-Kapelle im Hohen Dom befindet. Der Künstler hatte freie Hand bei Gestaltung. Seine geometrische Arbeit ist ein Quadrat, das sich mit verschiedenen Quadraten zu einem Kreuz weiterentwickelt. Für die Einfassung der Reliquienkapsel wurde ein naturbelassener Bergkristall gewählt: „Er steht für Reinheit, Klarheit und Transzendenz“, erklärt der Goldschmied. Welche Bedeutung kann eine Reliquie heute noch haben? „Jeder Mensch braucht letztlich eine Anlaufstelle, um inne zu halten, ob dies in der Natur ist, beim Meditieren oder eben in einer Kirche. Und eine solche Anlaufstelle kann auch eine Reliquie sein“, ist Matthias Engert überzeugt.      

Hintergrund: Segnung eines Reliquiars und Reliquienverehrung  
Bei der Segnung eines Reliquiars wird das Reliquiar als Gefäß gesegnet und nicht die  Reliquie selbst, denn sie bedarf als Teil eines selig- oder heiliggesprochenen Menschen keines weiteren Segens. Ein Reliquiar wird durch den Segen seiner Funktion übergeben, nämlich eine bestimmte Reliquie in sich zu tragen. Damit wird das Reliquiar als Gefäß jeder anderen  Alltagsfunktion "entzogen", kann also nicht für etwas anderes genutzt werden. Ähnlich verhält es sich mit einem Kelch, der nur in der Messfeier und nicht als alltägliches Trinkgefäß benutzt werden kann.   Eine Reliquie soll an die Person einer oder eines Heiligen oder Seligen erinnern. Die Verehrung der Reliquie ist ein Angebot, über die Person des Heiligen zu Gott zu finden. Wichtig ist der Unterschied zwischen Verehrung und Anbetung: Während eine Reliquie verehrt werden kann, ist Anbetung alleine Gott gegenüber möglich.