„Ostern lädt zum Traum vom Leben ein“

Erzbischof Hans-Josef Becker feiert Pontifikalamt am Ostersonntag

Schlussstein mit Osterlamm im Gewölbe des Hohen Dom zu PaderbornFoto: pdpPaderborn, 16. April 2017. Am Ostersonntag feierte Erzbischof Hans-Josef Becker mit zahlreichen Gläubigen im Hohen Dom zu Paderborn ein festliches Pontifikalamt. „Wir ehren an Ostern nicht den Starken, sondern den, der ganz schwach gestorben ist und sich das Leben schenken ließ. Das ist die grundlegende Botschaft von Ostern: dass Du das Leben nicht alleine schaffen musst. Es ist die Botschaft, dass Du zustimmen darfst, zum Leben getragen zu werden“, sagte der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt.      

„Der Ausgangspunkt eines jeden österlichen Weges heißt: Jesus von Nazareth ist tot. Ihn hat das gleiche Schicksal erreicht wie Millionen Menschen vor ihm und Milliarden nach ihm. Der Tod ist eine Tatsache, die wie ein Stein auf dem Leben eines jeden einzelnen Menschen lastet“, hielt Erzbischof Becker zu Beginn seiner Predigt fest. Die Unumstößlichkeit des Todes könne zum „Weglaufen“ verleiten, wie es von Maria von Magdala im Osterevangelium erzählt werde, so der Paderborner Erzbischof weiter. „Wir müssen an den Punkt kommen, wo wir die Frage des Widerspruchs wagen: ‚Ist das alles, was als Botschaft für den Menschen übrigbleibt?‘ Und wenn das nicht alles ist: ‚Wie geht es dann weiter?‘, fragte Erzbischof Becker.  

Nicht nur der Verstand gebe dem Menschen Antworten, vielmehr auch dessen Sinne. Sie würden „Botschaften des Lebens“ wahrnehmen, so der Paderborner Oberhirte weiter. „Die Osternachtfeier hat diese Botschaft des Lebens an die Sinne weitergegeben: Das Feuer hat Erstarrtes erwärmt, das Licht hat die Dunkelheit durchdrungen, das Wasser wurde gesegnet, damit es Vertrocknetes belebt. Ein Hymnus der Hoffnung ist die Osternacht, jener Hoffnung, dass das Leben Recht behält“, sagte Erzbischof Becker. Dieser Hymnus werde am Ostermorgen fortgesetzt: „All das feiert die unumstößliche Tatsache, dass es den Tod gibt und wir gerade deshalb nach der Zukunft fragen, weil wir nach dem Leben fragen.“  

Erzbischof Hans-Josef BeckerFoto: pdpMenschen würden sich oftmals gegen die unausweichliche Tatsache des Todes wehren, erklärte Erzbischof Hans-Josef Becker. „Kann ein Mensch, der dauernd danach Ausschau halten muss, wie er sich des Todes erwehren kann, überhaupt noch richtig leben? Wird sein Leben nicht immer enger? Eingeschnürt von der Angst, dass er es verlieren könnte?“, fragte er. Die österliche Botschaft vom Leben setze bei Jesus von Nazareth an. „Wenn wir danach fragen, welche Zukunft wir für unser Leben haben, dann verweist er uns auf sein Leben. Er hat dieses Leben mit leeren Händen geführt, mit leeren Händen wurde er ins Grab gelegt, sein Leben und Sterben war zutiefst Ausdruck des Vertrauens in Gott“, erläuterte der Paderborner Erzbischof.  

Ostern eröffne einen Blick, der den Horizont des Tages übersteige. „Der ewige Gott legt in der Auferstehung Jesu Widerspruch gegen den Tod ein“, stellte Erzbischof Becker fest. Dieser Widerspruch Gottes setze ganz konkret an: „in den aktuellen Herausforderungen und auch in den aktuellen Warnungen unsere Tage. Ostern lädt zum Träumen ein, zum Traum vom Leben. Es geht um ein Leben, das angstfrei sein soll, in dem kein Mensch mehr sich vor den Menschen zu verstecken braucht. Und wo niemand mehr gegeißelt und durchbohrt wird, weder von bösen Blicken noch von irgendwelcher Gewalt“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Predigt.  

Der Paderborner Domchor, die Domkantorei, Solisten und das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning gestalten das Pontifikalamt musikalisch. Die Musiker führten Franz Schuberts „Missa in B“ (D 324), das „Halleluja“ von Georg Friedrich Händel aus dem Oratorium „Der Messias“ und ein Gregorianisches Proprium mit Introitus, Alleluja und Communio auf. An der Orgel spielte Domorganist Tobias Aehlig, der unter anderem ein Postlude improvisé vortrug.