Feuer und Flamme für Gott und den Menschen

Erzbischof Hans-Josef Becker predigt in der Osternacht über das Weitertragen des „österlichen Funkens“ in den Lebensalltag

Erzbischof Hans-Josef Becker entzündete zu Beginn der Feier der Osternacht im Hohen Dom zu Paderborn im Paradiesportal des Domes die Osterkerze.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 15. April 2017. Zu Beginn der Osternacht wird in der katholischen Kirche das „Licht Christi“ in die Gotteshäuser getragen und von den Gläubigen weitergegeben. Auch Erzbischof Hans-Josef Becker entzündete am späten Abend des Karsamstags vor dem Paradiesportal des Hohen Doms zu Paderborn die Osterkerze und eröffnete damit die Feier der Osternacht, zu der zahlreiche Gläubige in die Paderborner Bischofskirche gekommen waren. „In dieser Nacht feiern wir die größte ‚Nacht der Lichter‘ aller Zeiten. Wir feiern das auferstandene Schöpfungslicht, das den Namen Jesus Christus trägt“, sagte der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt.      

Das Leben eines jeden Menschen verlaufe im Spannungsfeld von Licht und Dunkel, so Erzbischof Becker. Das Licht der Osternacht habe eine besondere Strahlkraft: „Jedem Menschen will dieses gott-menschliche Licht in den eigenen Dunkelheiten und Nebelzeiten leuchten. Es will herausführen aus so manchem Zwiespältigen hinein in eine neue Klarheit“, verdeutlichte der Paderborner Oberhirte in seiner Predigt.  

Vor der Verkündung des Osterevangeliums wurde das mit einem Kranz geschmückte Kreuz in den Altarraum getragen und dort aufgestellt.Foto: pdp/Maria Aßhauer Die Lesungstexte der Osternacht würden in jedem Jahr Gottes Treue und seine liebevolle Zuwendung zu den Menschen ausdrücken. „Und wir haben die Osterbotschaft gehört, wie sie uns Matthäus erzählt. Eine Ostergeschichte, die es in sich hat“, zeigte sich Erzbischof Becker überzeugt. Das Matthäus-Evangelium verwende für die Osterbotschaft „starke Bilder, die darauf hinweisen, um welch eine überwältigende und erschütternde Botschaft es da geht“, erläuterte Erzbischof Becker.  

Ostern ermutige dazu, dem Auferstandenen im eigenen Lebensalltag zu begegnen und dessen Botschaft weiterzutragen: „Das kann sehr unspektakulär geschehen in einem Wort des Trostes und der Ermutigung oder im stillen Anteilnehmen an der Sorge oder der Trauer eines anderen Menschen. Das kann geschehen durch den ehrenamtlichen Einsatz überall dort, wo es darum geht, sich für das Leben einzusetzen“, veranschaulichte der Paderborner Erzbischof.  

Die Kerzen der Osternacht würden an die Taufe jedes einzelnen Christen erinnern: „Ihre Taufkerze wurde damals an der Osterkerze entzündet, damit das göttliche Liebesfeuer in Ihnen brennt. Wenn es abgebrannt ist oder vielleicht nur noch ein bisschen Glut in der Asche ist, soll der österliche Funke neu überspringen, damit Sie tief in Ihrem Herzen wieder Feuer und Flamme werden können für Gott und die Menschen“, wünschte Erzbischof Hans-Josef Becker den Gläubigen zum Abschluss seiner Predigt.  

Erzbischof Hans-Josef Becker senkte die Osterkerze bei der Tauffeier dreimal in das Taufwasser ein. So wird die besondere Verbindung des Taufwassers mit der Osterkerze als Symbol des Getauften mit dem auferstandenen Jesus bekräftigt.Foto: pdp/Maria Aßhauer Musikalisch gestaltete der Chor der Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning die Feier der Osternacht im Hohen Dom. Die Sängerinnen und Sänger brachten das „Benedictus“ der Osterlaudes von Ignaz Mitterer, das „Christ ist erstanden“ von Enjott Schneider, das „Dextera Domini“ von Cesar Franck sowie Antwortpsalmen zur Osternacht von Thomas Berning zu Gehör. An der Orgel spielte Domorganist Tobias Aehlig unter anderem die „Incantation pour un jour Saint“ von Jean Langlais.      

Hintergrund: Liturgischer Ablauf der Osternacht  
Die Feier der Osternacht gliedert sich in vier Haupteile. Im ersten Teil, der Lichtfeier, wird das Licht der Osterkerze in die Kirche getragen und dort von den Gläubigen weiter gegeben. Teil der Lichtfeier ist das Singen des „Osterlobs“ (Exsultet). Im zweiten Teil der Osternacht schließt sich der Wortgottesdienst an, bei dem Texte aus dem Alten und Neuen Testament vorgetragen werden. Im dritten Hauptteil, der Tauffeier, wird das Taufwasser geweiht und die Gläubigen erneuern ihr Taufversprechen. Als vierter Teil folgt die Feier der Eucharistie.