Die neue Lebensordnung Gottes

Erzbischof Hans-Josef Becker feiert Heilige Messe am Abend des Gründonnerstags mit Abendmahl und Fußwaschung

Altarbildnis des letzten Abendmahls Das Abbild des letzten Abendmahls im Altar der Kapuzinerkirche.pdp / Erzbistum PaderbornPaderborn, 13. April 2017. Am Abend des Gründonnerstags feierte Erzbischof Hans-Josef Becker im Hohen Dom zu Paderborn die traditionelle Messe vom Letzten Abendmahl. Nach seiner Predigt wusch er zwölf Männern die Füße. „Das, was Jesus im Dienst der Fußwaschung ausdrückt, kennzeichnet sein ganzes Leben. Hat er sich nicht schon immer gerade den Ungeachteten, den Sündern, den Zöllnern ganz zugewandt? Hat er nicht alles dafür getan, dass diese sich wieder aufrichten und aufatmen und Mut fassen können?“, fragte der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt. Am Karfreitag leitet Weihbischof Dominicus Meier OSB im Hohen Dom zu Paderborn um 15 Uhr die Karfreitagsliturgie, die Feier vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Bereits um 10 Uhr betet Weihbischof Hubert Berenbrinker den Kreuzweg im Kreuzgang des Paderborner Domes.

„In unserem Evangelium zum Gründonnerstag wird uns ein Alltagsgeschehen geschildert“, begann Erzbischof Becker seine Predigt im Abendmahlsamt am heutigen Gründonnerstag. Es gehe bei diesem Geschehen nicht um eine sakrale Abwicklung, nicht um ein liturgisches Ritual, sondern um etwas, was alltäglich in jüdischen Häusern geschieht. „Aber das ist das Überraschende, das Besondere, mitten in der Alltäglichkeit: Es ist Jesus, der die Aufgabe des Dieners, des Sklaven übernimmt“, führte Erzbischof Becker weiter aus.

„Da meldet sich mitten im Alltäglichen eine neue Lebensordnung an. Im Zeichen der Fußwaschung übersetzt Jesus das, was ihn in seiner Lebenshaltung zuinnerst treibt und leitet“, so der Paderborner Oberhirte. „Wer sich davon anstecken lässt, wird befreit aus der Gefangenschaft des Immer-mehr, des Immer-höher-hinaus, des Immer-perfekter-werdens. Der Weg, zu dem Gott durch Christus einlädt, geht anders: sich zurücknehmen, sich verschenken, für andere eintreten, auch wenn es etwas kostet, den anderen zum Zuge kommen zu lassen.“

Beim Ritus der Fußwaschung, der traditionell in der Messe vom Letzten Abendmahl an Gründonnerstag begangen wird, wusch Erzbischof Hans-Josef Becker im Altarraum des Hohen Domes nach der Predigt zwölf Männern die Füße. Nach dem Gottesdienst wurden sämtliche Decken und Schmuck vom Altar entfernt und das Allerheiligste in die Krypta des Hohen Domes getragen. Dort betete Erzbischof Becker mit den Mitgliedern des Metropolitankapitels und zahlreichen Gläubigen die Komplet. Im Anschluss fanden in der Krypta bis 24 Uhr Betstunden statt.

Mit der Feier des traditionellen Gottesdienstes am Abend des Gründonnerstages tritt die Kirche in das österliche Triduum ein. Das sogenannte Triduum erstreckt sich über drei Tage, vom Abend des Gründonnerstages bis zum Ostersonntag. Es entfaltet in einer einzigen großen Feier Tod und Auferstehung Jesu Christi, die Mitte des christlichen Glaubens. Der Gründonnerstagsgottesdienst wurde ohne die gewohnten Schlussriten beendet, wodurch deutlich wird, dass die Feier des österlichen Triduums eine Feier ist, die sich vom Abend des Gründonnerstags bis zum Ostersonntag erstreckt.

Die von Weihbischof Dominicus Meier geleitete Karfreitagsliturgie um 15 Uhr im Hohen Dom zu Paderborn wird deshalb ohne die gewohnten Eröffnungsriten eröffnet und ohne Schlussriten beendet werden. In der Todesstunde Jesu gedenkt die Kirche seines Leidens und Sterbens. In diesem Gottesdienst wird als Evangelium die Passion Jesu vorgelesen und die Gläubigen haben die Möglichkeit zur Verehrung des Kreuzes. Nach der Kommunionfeier wird das heilige Kreuz in die Krypta übertragen.