„Beten bewirkt oft mehr als mühsames Abrackern“

160 Geistliche erneuern in der Chrisammesse beim Frühjahrspriestertreffen ihr Weiheversprechen

Erzbischof Hans-Josef Becker weihte in der Chrisammesse die Heiligen Öle im Hochchor des Hohen Domes zu Paderborn.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 10. April 2017. 160 Geistliche aus dem ganzen Erzbistum Paderborn kamen am Montag der Karwoche zum Frühjahrspriestertreffen in Paderborn zusammen. Im Hohen Dom feierte Erzbischof Hans-Josef Becker die Chrisammesse mit den Geistlichen, bei der diese traditionell ihr Weiheversprechen erneuerten. Vor der Feier der Chrisammesse hielt Abt Aloysius Althaus OSB, Abt der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede, einen geistlichen Impuls zum Thema „Zuwendung“ in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche.      

In seiner Predigt stellte Erzbischof Hans-Josef Becker das Gebet ins Zentrum seiner Ausführungen: „Wir haben bei unserer Weihe versprochen, betende Menschen zu sein“, sagte der Paderborner Erzbischof und ermutigte zum persönlichen Gebet. „Unser Alltag ist oftmals so laut und hektisch, dass es dringend Not tut, die vielen Stimmen verstummen zu lassen, um für Gottes Stimme hellhörig zu sein“, erklärte Erzbischof Becker.  

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am Montag der Karwoche die Chrisammesse, in der die anwesenden Priester ihr Weiheversprechen erneuerten und die Heiligen Öle geweiht wurden.pdp / Thomas Throenle Priesterliches Beten sei immer auch fürbittendes Gebet für die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten, fuhr der Paderborner Oberhirte fort. „Unserem Beten wohnt eine tiefe apostolische Fruchtbarkeit inne. Sie bewirkt oft mehr als manches hektische Mühen und Abrackern“, zeigte sich Erzbischof Becker überzeugt. Im Stundengebet der Kirche wisse er sich immer neu mit seinen Mitbrüdern verbunden.  

Es könne für einen Priester angesichts der zunehmenden Arbeitsbelastung nicht darum gehen, immer noch mehr zu tun. „Es geht vielmehr darum, im priesterlichen Alltag die richtigen Prioritäten zu finden und zu setzen. Und da müssen wir dem Gebet, dem geistlichen Leben, eine klare Priorität einräumen“, betonte Erzbischof Becker. „Wir sollen uns demütig bewusst machen, dass es Christus ist, der mit unseren Händen segnet, der mit unserem Mund das befreiende Wort der Lossprechung spricht, der in unseren Rückschlägen und Enttäuschungen den Weg des Kreuzes geht. In einer solchen Haltung wird unser seelsorgliches Wirken als Priester zum Gebet“, fasste Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt zusammen.  

Priester des Erzbistums Paderborn trugen die Heiligen Öle in den Altarraum des Paderborner Domes, wo sie von Erzbischof Becker entgegengenommen wurden.pdp / Thomas Throenle Im Anschluss erneuerten die anwesenden Priester ihre bei der Priesterweihe abgelegte Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst. Erzbischof Becker sprach die Priester an: „Seid ihr bereit, das Priesteramt als getreue Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Herde Christi gewissenhaft zu leiten?“. So wie am Tag ihrer Priesterweihe antworteten die Priester mit „Ich bin bereit“.  

Ein besonderes Element der Chrisammesse ist traditionell die Weihe der Heiligen Öle, die das Jahr hindurch zu Weihen und zur Spendung von Sakramenten verwendet werden: das Katechumenenöl für die Salbung der Taufbewerber, das Chrisam für die Salbung bei der Taufe, der Firmung und der Weihe, sowie das Heilige Öl für die Krankensalbung. Priester und Diakone aus dem Erzbistum Paderborn trugen die Gefäße mit den Heiligen Ölen in den Altarraum und überreichten sie dort Erzbischof Hans-Josef Becker. Flüchtlinge aus dem Irak, die sich in einem Katechumenat auf den Empfang des Sakramentes der Taufe vorbereiten, trugen das Katechumenenöl in den Altarraum des Paderborner Domes.  

In der Marienkapelle des Paderborner Domes wurden die geweihten Heiligen Öle aufgestellt und Erzbischof Hans-Josef Becker inzensierte sie dort mit Weihrauch.pdp / Thomas Throenle Erzbischof Becker feierte den Gottesdienst in Konzelebration mit Weihbischof Matthias König, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Weihbischof Manfred Grothe, Generalvikar Alfons Hardt, Pfarrer DDr. Markus Jacobs (Bielefeld), Pfarrer Ludger Hojenski (Dortmund) sowie Pastor Dirk Salzmann (Gütersloh) als Vorstandsmitglieder des Priesterrates des Erzbistums Paderborn und Domvikar Dr. Rainer Hohmann als Leiter der Fortbildung und Personalentwicklung des Pastoralen Personals im Erzbistum Paderborn und weiteren anwesenden Priestern.  

An der Chrisammesse nahmen auch Jugendliche teil, die in diesem Jahr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von der Mädchenkantorei am Hohen Dom zu Paderborn unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle und von Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel.  

„Wir müssen mit unserem Verhalten Auskunft darüber geben, was wir glauben und was uns trägt“, sagte Abt Aloysius Althaus OSB in seinem geistlichen Impuls in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche.pdp / Thomas Throenle Vor der Chrisammesse trafen sich die Priester zu einem geistlichen Impuls und einer stillen Anbetung des Allerheiligsten in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche. Domvikar Dr. Rainer Hohmann begrüßte als Leiter der Fortbildung und Personalentwicklung des Pastoralen Personals im Erzbistum Paderborn die Geistlichen. Abt Aloysius Althaus OSB, seit 2013 Abt der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede, sprach in seinem geistlichen Impuls über „Zuwendung“. Gott wende sich dem Menschen immer wieder neu zu, so der Benediktinerabt. „Und der Mensch wendet sich Gott und seinem Nächsten und hoffentlich auch sich selbst zu. Zuwendung heißt letztlich auch, alle Sorgen an Jesus zu zerschmettern.“ Die Hinwendung zu Gott mache frei: „Gott wohnt in mir, er hat sich die Seele jedes Menschen als Heimat erwählt. In jedem einzelnen Menschen will Gott seine Bleibe haben. Die Liebesbeziehung zwischen Gott und mir ist die Quelle der Liebe zu den Menschen“, erläuterte Abt Aloysius. Daraus ergebe sich eine Reihe von Fragen: „Bin ich bereit, den Menschen nachzugehen wie Jesus? Bin ich bereit, Verkünder der Botschaft Jesu zu sein? Nehme ich als Seelsorger den Menschen wahr und bringe ich Mitgefühl auf? Wir müssen mit unserem Verhalten Auskunft darüber geben, was wir glauben und was uns trägt. Dann werden sich die Menschen auch uns zuwenden“, schloss Abt Aloysius Althaus OSB seinen Impuls.