Dach der Kaierpfalz in Paderborn wird erneuert

LWL-Museum bleibt trotz Sanierungsarbeiten geöffnet

Informierten über die notwendige Sanierung der Kaiserpfalz und die dennoch stattfindende Ausstellung: (v.l.n.r.) Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Museumsdirektor Dr. Martin Kroker, Dompropst Monsignore Joachim Göbel.pdp / Thomas ThroenlePaderborn, 7. März 2017. Das Dach der Paderborner Kaiserpfalz ist undicht und bei Niederschlag regnet es in das markante Gebäude neben dem Hohen Dom. Deshalb sind am Dach der Kaiserpfalz umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig: Das gesamte Bleidach soll aufgrund des ganzflächigen Zersetzungsschadens mit daraus folgendem Feuchtigkeitseintritt durch die Dachflächen erneuert werden. Trotz dieser Arbeiten wird der Museumsbetrieb im Untergeschoss und im Foyer der Kaiserpfalz weiterlaufen: In der neuen Ausstellung „Der König baut!“ wird mit interaktiven Elementen die Baumaßnahme begleitet und das Bauen im Mittelalter präsentiert. In einem Themenjahr erscheint die Dauerausstellung zudem in neuem Licht durch zusätzliche Erklärungen und zahlreiche Mitmachstationen für Groß und Klein. Bei einem Pressegespräch am Dienstag wurden die Planungen des Paderborner Metropolitankapitels und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe vorgestellt.      

Es ist nicht überliefert, mit welchem Material die ursprüngliche Kaiserpfalz eingedeckt war. Belegt ist allerdings, dass der Paderborner Dom im 11. Jahrhundert ein Bleidach besaß, so dass dies auch für die Kaiserpfalz vermutet werden kann. Dies war der Grund, die Rekonstruktion der Kaiserpfalz Ende der 70er-Jahre ebenfalls mit einer Bleieindeckung zu versehen. Diese Bleieindeckung sei mittlerweile ein wesentliches Gestaltungselement dieses besonderen Gebäudes geworden, sagte Dompropst Monsignore Joachim Göbel im Pressegespräch in der Kaiserpfalz. „Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, dass die vorhandene schadhafte Bleieindeckung wieder durch Blei in der gleichen Eindeckungstechnik (Hohlwulst) ersetzt werden soll.“  

Es sei Ende der 70er-Jahre noch nicht bekannt gewesen, dass das damals gängige eingesetzte Holzschutzmittel der Dachunterkonstruktion zu einer Korrosion der Bleiflächen von innen führen werde, führte Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca aus. Aufgefallen ist dies, als es 2011 zum ersten Mal in den Innenraum der Kaiserpfalz geregnet habe. Die undichten Stellen seien bisher immer notdürftig geflickt worden. Nachdem immer wieder Undichtigkeiten aufgetreten seien, habe man das Dach an verschiedenen Stellen geprüft und schließlich festgestellt, dass die Eindeckung flächig massiv geschädigt ist. „Da durch diesen Schaden auch die Funktionstüchtigkeit des Museums in der Kaiserpfalz beeinträchtigt wurde, entschied man sich für einen Austausch der gesamten Dacheindeckung.“  

Die notwendige Sanierung des Dachs soll in zwei Bauabschnitten erfolgen: von März bis September 2017 wird das Dach der Aula der Kaiserpfalz erneuert, von September 2017 bis Januar 2018 die Dacheindeckung der restlichen Gebäudebereiche. Im Bodenbereich werden zwei Filteranlagen eingebaut, die das abfließende Niederschlagswasser von angereicherten Blei-Ionen befreien. Auch eine Schutzeinhausung der historischen Mauerfragmente der Karolingischen Pfalz wird erfolgen, um die historische Substanz zu sichern. Danach wird mit der Erneuerung der gesamten Bleieindeckung begonnen. Dabei handelt es sich um 1.600 Quadratmeter Dachfläche. Auch die Holzunterkonstruktion, Wärmedämmung, die Fallrohre und Dachrinnen werden erneuert. Die Dachsanierung der Kaiserpfalz, deren Eigentümer das Paderborner Metropolitankapitel ist, wird insgesamt rund 1,6 Millionen Euro kosten.  

Landesrätin und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale lobte die vertrauensvolle und bewährte Zusammenarbeit zwischen dem Paderborner Metropolitiankapitel und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe: „Wir sind sehr froh darüber, dass alle Beteiligten so gut kooperieren und eine Schließung des Museums nicht nötig war.“ Ein besonderes Themenjahr nimmt die Sanierungsarbeiten zum Anlass, sich ab dem 3. März unter dem Leitwort „Der König baut!“ in der Ausstellung der Kaiserpfalz mit dem Bauen im Mittelalter zu beschäftigen, zu präsentieren, wer die Paderborner Pfalzen erbaut hat und wie dies geschehen ist.  

Wer sich die Mühe und Anstrengung einer Bautätigkeit im Mittelalter nicht nur vorstellen, vielmehr sie selbst auch erleben wolle, dem empfehle sich ein Besuch der Dauerausstellung im Museum in der Kaiserpfalz, so Museumsleiter Dr. Martin Kroker. Diese habe sich an sich nicht verändert, sie halte aber einige neue Elemente bereit und ermögliche einen spannenden Blick auf den eigenen Ausstellungsort. So gewährt weiterhin ein Rundgang durch das Foyer, die kleine Aula und das Untergeschoss einen Blick auf die Geschichte der Palastanlagen und die einzigartigen archäologischen Funde aus Paderborn und Westfalen vom 6. bis 12. Jahrhundert. „Es sind alle Bereiche der Ausstellung weiterhin zu sehen, sie wurden nur neu erschlossen. Und das zu ihrem Vorteil, denn in jedem Ausstellungsbereich befindet sich nun neben Erläuterungen zum mittelalterlichen Bauen eine Mitmachstation, die den Besuchern das Bauen dieser Zeit anschaulich macht“, erklärte Museumsleiter Dr. Kroker. So steht im Foyer ein vorgeschichtlicher Hebekrahn, auch Galgen genannt, an dem die Besucher Gewichte per Flaschenzug anheben können – ganz wie es die Bauarbeiter im Mittelalter taten, als sie die Paderborner Königspfalzen bauten. An weiteren Mitmachstationen können Fenster mit Glasbausteinen gelegt, ein Dach gedeckt oder Steinmetzarbeiten ausprobiert werden.  

Das Themenjahr „Der König baut!“ begleitet den gesamten Umbau bis Dezember 2017. Dabei wird die Ausstellung immer wieder durch neue Verweise auf das mittelalterliche Bauen ergänzt. Auch die Führungen an jedem Sonntag greifen das Themenjahr „Der König baut!“ auf.