„Christliche Sendung und kirchlicher Auftrag“

Hirtenbrief von Erzbischof Hans-Josef Becker zur Fastenzeit 2017

Erzbischof Hans-Josef BeckerpdpPaderborn, 4. März 2017. In insgesamt drei unterschiedlichen Ausblicken: die persönliche Beziehung zum dreieinigen Gott, den Bezug katholischer Christen zu anderen christlichen Konfessionen und die Bedeutung der Kirche in der pluralistischen Gesellschaft präsentiert Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 2017 eine christlich-katholische Standortbestimmung. Der Paderborner Erzbischof führt in seinem Hirtenwort mit dem Titel „Christliche Sendung und kirchlicher Auftrag – Ausblicke zu den Zeichen der Zeit“ aus, die Fastenzeit lade Christen dazu ein, geistlich innezuhalten und sich prüfend auf das Leben vor Gott und in der Welt zu besinnen. Das an Aschermittwoch auf die Stirn gezeichnete Aschenkreuz mahne zur Selbstprüfung, zu Umkehr, zur kritischen Bilanz: Wo stehe ich als Christ? Wo stehen wir in der Gemeinschaft der Kirche in unserer Zeit? Der Hirtenbrief von Erzbischof Becker wird am ersten Fastensonntag in allen Gemeinden des Erzbistums Paderborn verlesen und steht als Broschüre zur Verfügung.      

„Da ist zum Ersten der Blick auf unsere persönliche Beziehung zum dreieinigen Gott der Liebe: zum Vater, der uns trägt und geschaffen hat, zum Sohn, der unseren Lebensweg begleitet und uns zur Nachfolge aufruft, zum Heiligen Geist, der uns führt und leitet, der uns tröstet und zwischen Gut und Böse unterscheiden lehrt, der uns ermutigt zur Frage, wo wir stehen“, so Erzbischof Becker. Nach der Lebendigkeit der Beziehung zu Gott sei zu fragen, ebenso wie nach der Bedeutung des Gebetes und nach der Bereitschaft zum Verzicht, zum Teilen mit anderen.  

Als zweiten Ausblick für eine Standortbestimmung benennt der Paderborner Oberhirte den Bezug katholischer Christen auf die anderen christlichen Konfessionen. „Zum ersten Mal wird das Reformationsgedenken im ökumenischen Dialog gemeinschaftlich bedacht“, führt Erzbischof Becker im Hinblick den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 aus. Der geschichtliche Rückblick auf die blutigen Glaubenskriege im 16. und 17. Jahrhundert und die konfessionellen Streitigkeiten in den letzten Jahrhunderten mahne sowohl die katholischen als auch die evangelischen Christen zur Buße und Neubesinnung. Gleichzeitig gebe das Reformationsgedenken Anlass, dankbar für die bisher erreichten Erfolge im ökumenischen Dialog zu sein. „Die Einheit der Gläubigen ist für die Welt das Erkennungszeichen, dass Jesus der von Gott gesandte Sohn ist, dem wir Christen in seiner Kirche nachfolgen“, so Erzbischof Becker. Die kritische Standortbestimmung anlässlich des Reformationsgedenkens im Jahr 2017 rege dazu an, an der Überwindung der Glaubensspaltung mitzuarbeiten.  

Die Bedeutung der Kirche in der pluralistischen Gesellschaft thematisiert Erzbischof Becker als dritten Ausblick einer christlich-katholischen Standortbestimmung. Der christliche Glaube habe grundsätzlich einen öffentlichen Anspruch und verharre nicht im privat-persönlichen Bereich, erklärt der Paderborner Erzbischof. Bereits in der frühen Kirche hätten sich Christen zu politisch-sozialen Fragen geäußert und sich karitativ zum Wohl der Nächsten in ihrem Gemeinwesen eingesetzt. Auch wenn Glaube und Politik getrennt seien, habe das Christentum eine öffentliche und politische Sendung. Gottes Heilswille beziehe sich nicht allein auf Christen, vielmehr auf alle Menschen. „In der Nachfolge Jesu sollen wir Christen das Leben in unserer Gesellschaft ‚schmackhaft‘ und menschlich machen, uns einsetzen für das Gute und die Nöte unserer Zeit. So engagieren sich zahlreiche Christen in beeindruckender Weise für das Wohl von Flüchtlingen und Armen in unserer Gesellschaft“, konkretisiert Erzbischof Becker.  

Im Hinblick auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (14.5.2017) und die Bundestagswahl (24.9.2017) führt der Paderborner Erzbischof aus: „Im Zusammenhang der politischen Herausforderungen der letzten Jahre – Europakrise, Migration und Terrorismus – hat sich das politische Klima in unserer Gesellschaft spürbar verschärft: Die konstruktive und sachliche politische Auseinandersetzung droht immer mehr von Polemik, vordergründigen Polarisierungen und wechselseitigen Verdächtigungen überlagert zu werden.“ Aufgabe der Kirche sei es hier, mäßigend und verbindend im politischen und zivilgesellschaftlichen Diskurs zu wirken. Dies bedeute für Christen zugleich, sich in das politische Gemeinwesen als Staatsbürger einzubringen, in kluger Abwägung vom aktiven Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Unser Glaube fördert ein Ethos der Gemeinschaft, der Mitmenschlichkeit und Solidarität gerade mit den Menschen am Rande der Gesellschaft“, erinnert Erzbischof Becker zum Abschluss seines Hirtenbriefes.     

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