Fastenzeit schafft Platz für Gott

Zahlreiche Gläubige empfangen am Aschermittwoch im Hohen Dom das Aschekreuz

Nachdem Generalvikar Alfons Hardt am Aschermittwoch im Hohen Dom die aus den geweihten Palmzweigen gewonnene Asche gesegnet hatte, zeichnete er Erzbischof Hans-Josef Becker das Aschekreuz auf die Stirn.Foto: pdp/Thomas ThroenlePaderborn, 1. März 2017. Nach den Karnevalstagen beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Traditionell empfangen Gläubige am Anfang dieser Zeit der Vorbereitung auf das Ostertriduum das Aschekreuz – wie auch heute zahlreiche Gottesdienstbesucher im Hohen Dom zu Paderborn. Generalvikar Alfons Hardt feierte als Domdechant in Vertretung von Dompropst Monsignore Joachim Göbel den Gottesdienst zum Aschermittwoch und trug dessen Predigt vor: „Ich faste, weil ich spüren will, dass ich alles von Gott erwarte, nichts aber von mir und meinen kleinen Maßeinheiten“, zitierte Generalvikar Hardt den Dompropst.      

Das Symbol des Aschekreuzes drückt die Vergänglichkeit des Menschen und alles Irdischen aus. Der Priester zeichnet den Gläubigen mit Asche ein Kreuz auf die Stirn und spricht dazu die Worte „Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehren wirst“. „Asche aufs Haupt, Hand aufs Herz – diese Worte machen den Sinn der vierzig Tag vor Ostern deutlich, die heute beginnen. Es sind Tage der Einkehr und Umkehr. Das äußere Zeichen der Asche soll sich nach innen fortsetzen und uns zeigen: Wandlung ist nötig und möglich“, sagte Generalvikar Alfons Hardt zu Beginn der Heiligen Messe.  

Generalvikar Alfons Hardt feierte als Domdechant am Aschermittwoch im Hohen Dom mit zahlreichen Gläubigen die Eucharistie.Foto: pdp/Thomas ThroenleIn der Predigt führte Domdechant Hardt die Gedanken von Dompropst Msgr. Göbel aus. Oft werde vom Menschen der Körper zum Maßstab gemacht: Aussehen, Fitness oder Attraktivität seien vielfach die Größen, mit denen nach menschlichem Ermessen das Erscheinungsbild eines Gegenübers bewertet werde, trotz aller nach außen zur Schau getragenen Toleranz. Jedes Fasten, das damit zu tun habe, den Körper in Form zu bringen nach dem Maßstab der anderen, habe mit Gott nichts zu tun, erläuterte Generalvikar Hardt. „Biblisches Fasten will Gott und Mensch wieder in die richtige Beziehung zueinander bringen. Gott ist das Maß aller Dinge, nicht der Mensch. Und im Verzicht soll uns das leibhaftig bewusst werden. Fasten ist leibhaftiger Glaube.“ Die Fastenzeit diene dazu, Platz für Gott zu schaffen. „Ich mache Platz für ihn, verzichte auf Überflüssiges und spüre am eigenen Leib, wie sehr ich ihn brauche und nicht dies und das.“  

Das Aschekreuz unterstreiche einen besonderen Aspekt in der Beziehung von Gott und Mensch, fuhr Generalvikar Alfons Hardt fort: Der Mensch sei sterblich und vergänglich, Gott hingegen sei ewig. „Deshalb brauchen wir Gott – um nicht das rechte Maß zu verlieren. Deshalb werden wir heute klein und demütig – damit er uns aufrichtet, uns unsere wahre Größe zurückschenkt. Fasten ist kein Selbstzweck, es bereitet uns auf Ostern vor“, so Generalvikar Hardt Dompropst zum Abschluss der Predigt.   Anschließend segnete Generalvikar Alfons Hardt die Asche, die aus den geweihten Palmzweigen des letzten Palmsonntags gewonnen worden war. Mit der Asche zeichneten Generalvikar Hardt, Erzbischof Hans-Josef Becker, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB und Weihbischof Hubert Berenbrinker den Gläubigen das Aschekreuz auf die Stirn. Im Anschluss feierte Generalvikar Hardt die Eucharistie.      

„Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehren wirst“ – diese Worte spricht der Priester beim Austeilen des Aschekreuzes.Foto: pdp/Thomas ThroenleHintergrund: Aschermittwoch  
Die an Aschermittwoch ausgeteilte Asche wird aus geweihten Palmzweigen des letzten Jahres gewonnen und gilt als Zeichen für Trauer und Buße. Der Aschermittwoch markiert den Beginn der 40 Tage dauernden Fastenzeit, die auch österliche Bußzeit genannt wird und als Vorbereitung auf die drei heiligen Tage von Karfreitag bis Ostern (Ostertriduum) dient. Deshalb ist diese Zeit der Buße zugleich von der Hoffnung auf Auferstehung erfüllt. Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastenzeit ab, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm.