„Ein Ort, über dem der Stern stehenbleibt“

Erzbischof Becker weiht die neu gestaltete Jugendkirche in Hardehausen

Lichtdurchflutet und von den Vorstellungen, wie Jugendliche sich ein modernes Gotteshaus vorstellen, inspiriert, ist die neu gestaltete Jugendkirche in Hardehausen. Erzbischof Becker konsekrierte die Kirche am Sonntag.pdp / Thomas Throenle Paderborn / Hardehausen, 6. Februar 2017. Für Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker war die Weihe der neuen Kirche in Hardehausen etwas ganz Besonderes: erst zum zweiten Mal in seiner 15-jährigen Amtszeit als Erzbischof hat er eine Kirche konsekriert und damit einem neuen Gotteshaus seinen Segen gegeben. Die gänzlich neu gestaltete Kirche des Jugendhauses und der Landvolkshochschule „Anton Heinen“ in Hardehausen soll nun als „Kirche der Annäherung“ insbesondere jungen Menschen neue Glaubenswege eröffnen. „Mit großer Freude übergebe ich Euch heute diese Kirche als Euren Ort der Gottesbegegnung. Eure Gedanken, Überlegungen und Wünsche sind in den Bau dieser Kirche miteingegangen“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt.      

Nach dem acht Jahre andauernden Prozess der Neugestaltung des Gotteshauses und einem Jahr Bauzeit wurde die neue und architektonisch innovative Kirche nun feierlich von Erzbischof Hans-Josef Becker geweiht. Zur Beginn des feierlichen Gottesdienstes klopfte Erzbischof Becker dreimal mit seinem Bischofsstab an das Kirchenportal und zeichnete ein Kreuz auf die Schwelle zur Kirche. Dann zog er, gefolgt von zahlreichen Konzelebranten, beispielsweise dem neuen Rektor der Kirche und Leiter des Jugendhauses, Jugendpfarrer Stephan Schröder, Direktor Uwe Wischkony (Leiter der Landvolkshochschule), Prälat Thomas Dornseifer (Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat), Generalvikar Alfons Hardt und mehreren hundert Gästen, in die Kirche ein.  

Erzbischof Hans-Josef Becker weihte die Jugendkirche in Hardehausen, unterstützt von zahlreichen Konzelebranten.pdp / Thomas Throenle Der „mystagogische Ansatz“ des neuen Gotteshauses, den die gesamte, von Architekt Professor Johannes Schilling entworfene Architektur enthält, ermöglicht von nun an allen Besuchern eine Hinführung zur Feier der Liturgie. Bevor sie den eigentlichen Kirchenraum betreten, durchlaufen die Besucher einen U-förmigen Glasumgang. In diesem erleben sie so genannte „Erzählorte“, wie etwa die Medieninstallationen von Brody Neuenschwander zum Thema „Mensch und Gott“ und von André Yuen zum Thema „Heilige“. Danach folgt ein Turm mit Lichteffekten für Meditation, Gesang und Gebet, eine Sakramentskapelle und ein Schöpfungsgarten. Dieser ist zum Himmel hin offen, so dass die Besucher ganzjährig den Einfluss der Jahreszeiten auf Gottes Schöpfung mit ansehen können. Erst dann wird der Kirchenraum betreten.  

Bevor sich die Pforte für die Besucher der Kirchweihe öffnete, sprach Erzbischof Hans-Josef Becker ein Gebet und klopfte mit seinem Hirtenstab dreimal gegen die Pforte.pdp / Thomas Throenle Für viele Jugendliche ähnelt dieser Umgang ihrem persönlichen Weg zu Gott. Er führt sie über viele Stationen, manchmal auch über Umwege, zu Jesus. „Ich weiß, wie schwer Ihr es manchmal habt, wenn Ihr Euch in Eurem Lebensumfeld zu Jesus bekennt“, machte Erzbischof Becker in seiner Predigt deutlich und sprach allen Jugendlichen Mut zu. „Wer erfahren hat, wie die Beziehung zu Jesus Freude schenken kann, möchte darauf nicht verzichten. Auch hier möchte ich Euch ermutigen: Habt keine Angst, Eurer Leben mit Jesus zu leben! Habt keine Angst, Euch ihm anzuvertrauen mit Eurer Freude und Eurem Glück, aber auch mit Eurer Sorge, Eurem Zweifel, Eurer Wut! Ich wünsche mir von Herzen, dass diese Kirche als ein Ort erfahren wird, über dem wirklich ‚der Stern stehenbleibt‘.“  

Über 300 Jugendliche waren an diesem bedeutenden Tag nach Hardehausen gekommen, um neben der Kirchenkonsekration auch das „Young Mission Wochenende“ unter dem Leitsatz „Sie betreten jetzt heiligen Boden“ zu feiern. Young Mission ist eine Initiative des Jugendhauses Hardehausen und ist im Nachklang zum Weltjugendtag in Brasilien entstanden.  

Reliquien des Heiligen Nikolaus von Flüe und der Heiligen Virginia liegen von nun an im Altar der Jugendkirche Hardehausen, den Erzbischof Becker weihte.pdp / Thomas Throenle Nach und nach segnete Erzbischof Becker während des Pontifikalamtes mit Weihwasser Ambo und Tabernakel, setzte Reliquien des Heiligen Nikolaus von Flüe und der Heiligen Virginia im Altar bei und salbte den Altar und zudem die Kirche an zwölf unterschiedlichen Stellen in Kreuzesform.  

„Dieses Bauwerk ist beeindruckend, grandios und berührend“, beschrieb Direktor Stephan Schröder die Jugendkirche in seinem Dankwort. „Ich erhoffe mir, dass dies ein Ort sein wird, an dem sich Menschen jeden Alters von Gottes Geist berühren und sich immer wieder aufs Neue von der Frohen Botschaft begeistern lassen.“      

Hintergrund: Die Kirche in Hardehausen  

Das Jugendhaus und die Landvolkshochschule „Anton Heinen“ teilen sich als Bildungshäuser des Erzbistums Paderborn nicht nur die ehemalige Klosteranlage in Hardehausen als gemeinsames Zuhause, sondern seit 1966 auch die damals eingeweihte gemeinsame Kirche. Im Durchschnitt besuchen rund 17.000 Menschen pro Jahr das Jugendhaus und 10.000 Kursteilnehmer die Landvolkshochschule. Auch viele Gläubige aus den umliegenden Ortschaften kommen zur Feier der Liturgie in die ehemalige Klosteranlage. Der ehemalige Kirchenbau wurde in den Sechziger Jahren als „Zeltkirche“ von den Architekten Bernhard Kösters und Herbert Balke umgesetzt, inspiriert durch das Zweite Vatikanische Konzil.  

Die neue Kirche in Hardehausen ist als „Kirche der Annäherung“ konzipiert: Der Weg durch den Umgang bis zur Mitte der neuen Kirche führt über Weg-Stationen, unter anderem über zwei Medieninstallationen. Vor der ersten Abbiegung des Umgangs steht ein circa zehn Meter hoher Turm stehen, in dem ein abgedunkelter Raum zum Verweilen und Meditieren einlädt und für Morgen, Mittags- und Abendgebete zur Verfügung steht. In der Mitte des zweiten Weg-Stücks hebt der Tabernakel in einer runden Sakramentskapelle die Nähe Gottes für Anbetung, Stille und Gebet hervor. Auf dem dritten Teilstück des Umgangs eröffnet sich ein Schöpfungsgarten als zum Himmel geöffneter Raum ohne Überdachung. Hier wird der Wechsel der Jahreszeiten und des Kirchenjahres bewusst in der Kirche sichtbar, um beispielsweise den Aspekt der ‚Vergänglichkeit‘ im Herbst und Winter thematisieren zu können.  

Hat der Besucher diesen Umgang durchschritten, gelangt er in den eigentlichen Kirchenraum. Hier werden die theologische und architektonische Mitte des Raumes durch die besondere liturgische Achse sichtbar, auf der Ambo, Altar und Tabernakel angeordnet sind. Der mittig platzierte Ambo hebt den Tisch des Wortes als Gegenwart Gottes hervor. Die liturgische Achse ermöglicht es, Eucharistiefeiern in kleinen und großen Gruppen zu feiern, sowie auch Wortgottesfeiern um den Tisch des Wortes zu versammeln. Dazu gibt es statt Kirchenbänken Hocker und Stühle in der neuen Kirche. Die in den sechziger Jahren entworfene Zeltkirche ist im Grundriss erhalten geblieben. Geändert hat sich ihre Fassade: Der Kirchenraum hat Glasfronten erhalten, wodurch sich die Lichtverhältnisse deutlich verbessert haben.

Auf der Homepage von JUPA, dem Jugendportal des Erzbistums Paderborn, findet sich eine Bildergalerie mit Impressionen vom Young-Mission-Wochenende und der Kircheneinweihung.