„Himmel und Erde berühren sich, wenn unsere Ortskirchen sich begegnen“

Weihbischof Berenbrinker und Generalvikar Hardt gemeinsam mit einer Delegation aus dem Erzbistum Paderborn beim Juliansfest in Le Mans

Wenn Ortskirchen sich begegnen, berühren sich Himmel und Erde – die Teilnehmer aus dem Erzbistum Paderborn und ihre französischen Freunde gaben dem Satz aus Erzbischof Hans-Josef Beckers Grußwort beim Juliansfest in Le Mans ein Gesicht.Foto: Gilles Mousse Paderborn / Le Mans, 30. Januar 2017. Im Jahr 836 wurden die Reliquien des heiligen Liborius aus Le Mans in Frankreich nach Paderborn überführt – der Beginn des „Liebesbundes ewiger Bruderschaft“ zwischen den beiden Bistümern. Am vergangenen Wochenende reisten Weihbischof Hubert Berenbrinker in Vertretung von Erzbischof Hans-Josef Becker, Generalvikar Alfons Hardt und eine Delegation aus dem Erzbistum Paderborn nach Le Mans zum Patronatsfest des heiligen Julian, der im 4. Jahrhundert erster Bischof der Diözese war. Neben Mitgliedern der „Deutsch-französischen St.-Liborius-Fraternität“ fuhr auch eine große Gruppe von Jugendlichen mit nach Frankreich.      

Weihbischof Hubert Berenbrinker verlas im Festhochamt in der Kathedrale von Le Mans das Grußwort von Erzbischof Hans-Josef Becker.Foto: Isabelle IsnardDie liturgischen Feierlichkeiten zum Juliansfest begannen in Le Mans traditionell am Samstagabend mit einer deutsch-französischen Vigilfeier in der Kirche St-Benoît. Anschließend wurde in einer Lichterprozession eine Büste mit den Reliquien des heiligen Julian durch die Stadt zur Kathedrale getragen. Am Sonntagmorgen feierte der Bischof von Le Mans, Bischof Yves Le Saux, in der Kathedrale einen Festgottesdienst mit zahlreichen Gläubigen. Weihbischof Hubert Berenbrinker konzelebrierte und richtete am Ende des Gottesdienstes ein Grußwort von Erzbischof Hans-Josef Becker an die Festgemeinde. Rund 3.000 junge Weltjugendtagspilger aus Frankreich hätten im Juli 2016 auf dem Weg zum Weltjugendtag (WJT) nach Krakau in Paderborn mit rund 500 Weltjugendtagsfahrern aus dem Erzbistum ein Fest der Begegnung gefeiert. Der Paderborner Erzbischof freue sich, dass die Paderborner Delegation in diesem Jahr von einer großen Gruppe von Jugendlichen ergänzt werde. „Unsere Freundschaft ist lebendig. Die Begegnung der Jugendlichen in Paderborn war auch ein ‚himmlisches Werk‘ unserer beiden Patrone Julian und Liborius. Himmel und Erde haben sich berührt, und sie berühren sich immer wieder, wenn unsere beiden Ortskirchen sich begegnen“, zitierte Weihbischof Berenbrinker Erzbischof Becker.  

Weihbischof Hubert Berenbrinker (r.) und Generalvikar Alfons Hardt (M.) mit jungen Mitgliedern der Paderborner Delegation.Foto: Erzbistum Paderborn60 Jugendliche, darunter WJT-Teilnehmer, aber auch andere Jugendliche aus dem Erzbistum, waren mit zum Juliansfest gekommen. Auf dem Programm der Jugendlichen stand neben der Begegnung mit den französischen Freunden auch ein Besuch auf der berühmten Rennbahn von Le Mans. Die Begegnung der Jugendlichen soll die Beziehung zwischen den Bistümern Le Mans und Paderborn auf Jugendebene fortführen.  

Gemeinsam mit Weihbischof Berenbrinker und Generalvikar Hardt nahm Domvikar Ulrich Liehr, Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär des Erzbischofs, an der Fahrt nach Le Mans teil. Auch eine Gruppe der „Deutsch-französischen St.-Liborius-Fraternität“ war mit rund 50 Mitgliedern wieder nach Frankreich gereist. Die Fraternität gibt dem „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ seit vielen Jahren durch Begegnungen und Kontakte in beiden (Erz-)Diözesen ein Gesicht. Seminaristen und Subregens Michael Kammradt vom Erzbischöflichen Priesterseminar sowie einige Gemeindeassistenten und weitere Gäste gehörten ebenfalls zur Reisegruppe.  

Die Freundschaft zwischen dem Bistum Le Mans und dem Erzbistum Paderborn lebt auch auf Jugendebene.Foto: JugendpastoralEin Höhepunkt für die Paderborner Gäste war der Besuch im neuen Diözesanzentrum „Maison St. Julien“. Das Zentrum, das mit Unterstützung durch das Erzbistum Paderborn gebaut worden war, wurde im letzten Jahr von Bischof Le Saux und Erzbischof Becker eingeweiht. Es beherbergt die Verwaltung des Bistums Le Mans und ein diözesanes Begegnungszentrum. Die Kapelle des Zentrums steht unter dem Patronat des heiligen Liborius.  

Auf dem Weg nach Le Mans besuchte die Gruppe um die Fraternität Schloss Fontainebleu in der Nähe von Paris, das zeitweilig von Kaiser Napoleon genutzt wurde und seit 1981 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Auf der Rückfahrt nach Deutschland fuhren die Fraternitäts-Mitglieder über Chartres, um am Grab von Abbé Franz Stock die Heilige Messe zu feiern und für dessen Seligsprechung zu beten: Der aus dem Erzbistum Paderborn stammende Priester wirkte während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg als Seelsorger in Paris und gilt als einer der Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung.  

Darstellung des heiligen Julian im Chorgestühl des Hohen Doms zu PaderbornFoto: pdpIm Sommer geht die Vertiefung des „Liebesbundes“ zwischen Paderborn und Le Mans in Ostwestfalen weiter: Dann werden wieder zahlreiche Gäste aus Le Mans zum Libori-Fest erwartet.      

Hintergrund: Heiliger Julian  
Der heilige Julian war im 4. Jahrhundert erster Bischof der Diözese Le Mans. Nachdem seine Reliquien im Jahr 835 (ein Jahr vor der Übertragung der Liborius-Reliquien nach Paderborn) in die Kathedrale von Le Mans überführt wurden, wird er seit dem 12. Jahrhundert als deren Patron verehrt. Im Jahr 1243 gelangten Reliquien des heiligen Julian nach Paderborn, die heute im vorletzten Gelass des Reliquienretabels im Hochchor des Paderborner Domes aufbewahrt werden. Auf dem Reliquiar befindet sich eine Darstellung des Heiligen. Größere Julians-Darstellungen befinden sich im Chorgestühl und am Paradiesportal des Hohen Domes zu Paderborn. 

Reportagebeitrag von Diakonen des Oberkurses des Priesterseminars, die an der Le Mans-Fahrt teilgenommen haben.