„Zusammen sind wir Heimat“

Die Caritas thematisiert Chancen und Voraussetzungen für eine offene Gesellschaft.

„Zusammen sind wir Heimat“ lautet das Motto einer Plakatkampagne, mit der die deutsche Caritas Chancen und Voraussetzungen für eine offene Gesellschaft thematisiert.Foto: Deutscher CaritasverbandPaderborn/Dortmund, 11. Januar 2017 (cpd). Unter dem Motto „Zusammen sind wir Heimat“ thematisiert die Caritas-Kampagne 2017 die Chancen und Voraussetzungen für eine offene Gesellschaft. Die herkömmliche Vorstellung von Heimat passe nicht in eine „hochkomplexe, moderne und virtuell geprägte Gesellschaft“, schreibt der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Caritas in NRW“. Im 21. Jahrhundert werde ein neuer Heimatbegriff benötigt, der sich weniger auf den Ort der Geburt und des Aufwachsens beziehe. „Heimat entsteht, wenn sich biografische Wurzeln im privaten Umfeld oder auch im Sozialraum entwickeln können“, schreibt Lüttig.

Der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor warnt vor Abschottungsprozessen und Parallelge-sellschaften. Beheimatung gelinge nur, wenn Regeln und Werte der neuen Heimat akzeptiert und übernommen werden und wenn gleichzeitig in der neuen Heimat Möglichkeiten zur Teilhabe geschaffen und wahrgenommen werden. Jeder könne etwas tun, um für die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu werben: „Die ausgestreckte Hand, das freundliche Wort, die einladende Geste“ seien denkbar einfache Werbeinstrumente.

Politisch gelte es nun, erfolgreiche Beheimatung auch strukturell zu ermöglichen. Der Diözesan-Caritasdirektor kritisiert die Erschwerung des Familiennachzugs und die Wohnortzuweisung: „Will man so Menschen für diesen Staat gewinnen?“ Lüttig spricht sich für eine institutionalisierte Mitsprache von Asylsuchenden und Flüchtlingen auf der lokalen und regionalen oder gar nationalen Ebene aus. „Querdenken ist nötiger denn je, wenn es darum geht, die Rahmenbedingungen für eine gelingende Vielfaltsgesellschaft weiterzuentwickeln.“

Wie Heimat in einem Stadtviertel entstehen kann, in dem Menschen aus 126 Nationen leben, berichtet Ansgar Schocke, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Heilige Dreikönige in der Dortmunder Nordstadt. In dem Stadtviertel mit 60.000 Bewohnern, von denen 70 Prozent ausländische Wurzeln haben, lasse sich wie in einem Brennglas der Umgang mit dem Fremden und Andersartigen einüben, sagt Schocke. Vertrauen zwischen Kulturen, aber auch zwischen den Religionen herzustellen, funktioniere nur über persönliche Kontakte und vielfältige Netzwerke. „Wir müssen alles fördern, was Begegnung ermöglicht“, beschreibt der Pfarrer die Aufgabe der christlichen Kirchen in diesem Prozess. Mit Sorge sieht er allerdings, dass die meisten muslimischen Eltern ihre Kinder weiterhin dem Religionsunterricht von Moscheevereinen anvertrauen. Der wird allerdings nicht staatlich kontrolliert. „Was wir brauchen, ist ein verpflichtender Integrationsunterricht an den Schulen“, sagt Schocke. Eine Grenze des Dialogs sei erreicht, wenn die Begegnung zwischen den Religionen nicht auf Augenhöhe und im gegenseitigen Respekt möglich sei. Keine Chance auf Dialog sieht er mit radikalen Muslimen, die Gläubige anderer Religionen als „kuffar“ (Ungläubige) verachten. „Selbst wenn wir akzeptieren müssen, dass nicht alle Menschen die Werte unserer Gesellschaft teilen, so ist das Grundgesetz hier die rote Linie.“

Die Kampagne der Caritas 2017 ist zu finden unter: www.zusammen-heimat.de  

Caritas in NRW ist die gemeinsame Zeitschrift der Diözesan-Caritasverbände Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn mit Sitz in Düsseldorf. Die 52-seitige Zeitschrift kann kostenlos angefordert werden: