„Jesus Christus neu erfahren“

Grundstein für „Kirche der Annäherung“ in Hardehausen gelegt

Präsentierten im künftigen Kirchenraum die Kartusche, die in den Grundstein für die neue Kirche in Hardehausen eingemauert wurde (v.l.): Direktor Msgr. Uwe Wischkony, Generalvikar Alfons Hardt, Prälat Thomas Dornseifer und Direktor Stephan Schröder.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn/Warburg-Hardehausen, 4. Januar 2017. Dem Geheimnis Gottes in einem Kirchenraum Schritt für Schritt auf die Spur kommen – das wird bald in der neugestalteten Kirche des Jugendhauses und der Landvolkshochschule „Anton Heinen“ in Hardehausen möglich sein. Generalvikar Alfons Hardt setzte am Mittwoch den Grundstein für die neue Kirche, die mit einem „mystagogischen“ Ansatz als „Kirche der Annäherung“ umgestaltet wird. „Mit der heutigen Grundsteinlegung bezeugen wir einen mutigen Kirchenumbau, um den Erfordernissen und Herausforderungen der Glaubensweitergabe insbesondere junger Menschen entgegen zu kommen“, sagte Generalvikar Hardt in seiner Ansprache.      

Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder, Direktor des Jugendhauses, hatte die rund 35 Gäste begrüßt, darunter Vertreter der Bistumsleitung, des Architekturbüros Schilling aus Köln, der ausführenden Bauunternehmen sowie des Baustabs. „Wir betreten heute die Zielgerade eines langen Prozesses, der acht Jahre gedauert hat. Und wir sehen heute, dass diese Grundsteinlegung ein historischer Schritt ist, denn hier ist etwas ganz Großes entstanden“, sagte der Diözesanjugendpfarrer.  

„An Christus müssen wir das Maß nehmen für unser Weiterbauen an seiner Kirche, damit auch die nächsten Generationen sich von seiner Botschaft berühren lassen“, sagte Generalvikar Hardt.Foto: pdp/Maria Aßhauer „Wie muss heute ein sakraler Raum für junge Menschen aussehen, um sie mit dem Geheimnis Gottes in Berührung zu bringen?“, stellte Generalvikar Hardt in seiner Ansprache die Frage, die am Anfang des rund achtjährigen Prozesses zur Neugestaltung der Kirche gestanden habe. Ende 2010 habe dazu ein Symposium mit Fachreferenten aus Architektur und Theologie stattgefunden, gefolgt von interdisziplinären Workshops mit Architektur- und Theologiestudenten. Die so gesammelten Ideen habe der Kölner Architekt Professor Johannes Schilling zusammen mit einer Arbeitsgruppe in einen architektonischen Entwurf einfließen lassen.  

„Das Ergebnis lautete: Wir benötigen eine Kirche der Annäherung an das Geheimnis Gottes“, fasste Generalvikar Hardt den Ansatz für die Kirchenneugestaltung zusammen. Die neue Kirche wird durch ihre Architektur eine Hinführung zur Feier der Liturgie ermöglichen. Der Zugang wird über einen U-förmigen Glasumgang erfolgen. Hier könnten auf dem Weg so genannte „Erzählorte“ erlebt werden, wie etwa die Medieninstallationen von Brody Neuenschwander zum Thema „Mensch und Gott“ und von André Yuen zum Thema „Heilige“, ebenso wie einen Turm mit Lichteffekten für Meditation, Gesang und Gebet, eine Sakramentskapelle und einen Schöpfungsgarten, beschrieb Generalvikar Hardt Stationen auf dem Weg der Annäherung.  

Generalvikar Alfons Hardt und Direktor Stephan Schröder mit der Urkunde zur GrundsteinlegungFoto: pdp/Maria Aßhauer Er dankte Architekt Prof. Johannes Schilling für die architektonische Konzeption und Umsetzung, dem Bauamt des Erzbischöflichen Generalvikariats und Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca, allen bauausführenden Unternehmen und dem Arbeitskreis zur Neukonzeptionierung der Kirche. „An Christus müssen wir das Maß nehmen für unser Weiterbauen an seiner Kirche, damit auch die nächsten Generationen sich von seiner Botschaft berühren lassen. Möge dieser Kirchenumbau dazu beitragen, dass hier insbesondere junge Menschen, aber auch Erwachsene Jesus Christus neu erfahren. Möge dieser Kirchenumbau dazu beitragen, dass das Jugendhaus und die Landvolkshochschule ein modernes geistliches Zentrum sind, um neue Wege der Evangelisierung und einer missionarischen Pastoral zu ermöglichen“, schloss Generalvikar Hardt seine Ansprache.  

Foto: Jugendhaus Hardehausen Im Grundstein, der in den Bau eingefügt wurde, findet sich neben der Urkunde der ursprünglichen Grundsteinlegung der Kirche die neu entworfene Urkunde. Auch eine Ausgabe der Kirchenzeitung „Der Dom“, die „Neue Westfälische“, das „Westfälische Volksblatt“, einige Münzen sowie aktuelle Programme und Leitbilder der beiden Bildungseinrichtungen wurden hinzugefügt.   In der Urkunde, die von Direktor Stephan Schröder verlesen wurde, heißt es: „[…] Gut fünfzig Jahre nach der Konsekration durch Weihbischof Paul Nordhues wird nach achtjähriger Planungs- und Umbauphase die neue Kirche am 5. Februar 2017 durch Erzbischof Hans-Josef Becker eingeweiht. Dem Kirchenneubau liegt ein mystagogisches Konzept zugrunde, das vor allem jungen Menschen eine Annäherung an das Geheimnis Gottes ermöglichen soll. Der Kirchenneubau wurde nach den Plänen des Kölner Architekten Prof. Johannes Schilling errichtet, von der Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca und dem Bauamt betreut und mit Mitteln des Erzbistums Paderborn finanziert. […]“  

Als vor rund einem Jahr die Umgestaltung der Kirche in Hardehausen bekannt gegeben  wurde, wurde angekündigt, dass in Hardehausen in den kommenden Monaten ein in Deutschland einzigartiger Sakralbau entstehen werde. Dass dieses „Versprechen“ gehalten werden wird, war jetzt schon bei der Grundsteinlegung zu erahnen. Spätestens bei der Weihe der neuen Kirche am 5. Februar 2017 durch Erzbischof Hans-Josef Becker wird dies für alle sichtbar werden.      

Hintergrund: Die Kirche in Hardehausen  
Das Jugendhaus und die Landvolkshochschule „Anton Heinen“ teilen sich als Bildungshäuser des Erzbistums Paderborn nicht nur die ehemalige Klosteranlage in Hardehausen als gemeinsames Zuhause, sondern seit 1966 auch die damals eingeweihte gemeinsame Kirche. Im Durchschnitt besuchen rund 17.000 Menschen pro Jahr das Jugendhaus und 10.000 Kursteilnehmer die Landvolkshochschule. Auch viele Gläubige aus den umliegenden Ortschaften kommen zur Feier der Liturgie in die ehemalige Klosteranlage. Der bestehende Kirchenbau wurde in den Sechziger Jahren als „Zeltkirche“ von den Architekten Bernhard Kösters und Herbert Balke umgesetzt, inspiriert durch das Zweite Vatikanische Konzil.  

Zahlreiche Gäste nahmen an der Grundsteinlegung zur neuen Kirche in deren neuer Vorhalle teil.Foto: pdp/Maria Aßhauer Die neue Kirche in Hardehausen ist als „Kirche der Annäherung“ konzipiert: Der Weg durch den Umgang bis zur Mitte der neuen Kirche wird über Weg-Stationen führen, unter anderem über zwei Medieninstallationen. Vor der ersten Abbiegung des Umgangs wird ein circa zehn Meter hoher Turm stehen, in dem ein abgedunkelter Raum zum Verweilen und Meditieren einlädt und für Morgen, Mittags- und Abendgebete zur Verfügung steht. In der Mitte des zweiten Weg-Stücks hebt der Tabernakel in einer runden Sakramentskapelle die Nähe Gottes für Anbetung, Stille und Gebet hervor. Auf dem dritten Teilstück des Umgangs eröffnet sich ein Schöpfungsgarten als zum Himmel geöffneter Raum ohne Überdachung. Hier soll der Wechsel der Jahreszeiten und des Kirchenjahres bewusst in der Kirche sichtbar werden, um beispielsweise den Aspekt der ‚Vergänglichkeit‘ im Herbst und Winter thematisieren zu können.  

Hat der Besucher diesen Umgang durchschritten, gelangt er in den eigentlichen Kirchenraum. Hier werden die theologische und architektonische Mitte des Raumes durch die besondere liturgische Achse sichtbar, auf der Ambo, Altar und Tabernakel angeordnet sind. Der mittig platzierte Ambo hebt den Tisch des Wortes als Gegenwart Gottes hervor. Die liturgische Achse ermöglicht es, Eucharistiefeiern in kleinen und großen Gruppen zu feiern, sowie auch Wortgottesfeiern um den Tisch des Wortes zu versammeln. Dazu gibt es statt Kirchenbänken Hocker und Stühle in der neuen Kirche. Die in den sechziger Jahren entworfene Zeltkirche bleibt im Grundriss erhalten. Ändern wird sich ihre Fassade: Der Kirchenraum wird Glasfronten erhalten, wodurch sich die Lichtverhältnisse deutlich verbessern werden.