„Nur das, was man annimmt, wandelt man“

Erzbischof Becker predigt in der Jahresabschlussmesse im Hohen Dom

Erzbischof Hans-Josef Beckerpdp Paderborn, 31. Dezember 2016. „Was haben wir für 2017 zu erwarten? Wir warten darauf, das sich an uns die ‚Fülle der Zeit‘ offenbart. Wir warten darauf, dass unsere Zeit wirklich Gottes Zeit mit uns wird“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Feier der Heiligen Messe zum Jahresabschluss im Hohen Dom zu Paderborn. Gott sei durch seine Menschwerdung selbst in die Geschichte eingetreten und sei den Menschen so in ihren konkreten Nöten nah, so der Paderborner Oberhirte in seiner Predigt.      

Im Laufe eines Jahres gebe es wenige Tage, die so geprägt seien, wie der letzte Tag des einen und der erste Tag des anderen Jahres. „Wir haben dabei das Gefühl: Die Zeit macht einen Sprung – auch wenn wir wissen, es handelt sich nur um den normalen Zeitverlauf“, beschrieb Erzbischof Becker die Wahrnehmung vieler Menschen zum Jahreswechsel. Das erst wenige Tage zurückliegende Weihnachtsfest lasse deutlich werden, „dass Gott selbst in diese Erdengeschichte eingetreten ist. In der Menschwerdung nimmt Gottes Sohn unser Fleisch an. In der Menschwerdung begibt er sich in unsere Bedingungen und er wird einer von uns. Da hat eine menschliche Mutter das Wort Gottes angenommen, und Gott hat sich den Gesetzen der Erde unterworfen - und das heißt: allen irdischen Gegebenheiten.“  

Diese Gegebenheiten seien vielfach von Ungerechtigkeit geprägt, so der Paderborner Erzbischof weiter. „Wir müssen ehrlich feststellen: Viele Menschen werden auch weiterhin unter Lasten stöhnen, die ihnen von anderen und vom Leben auferlegt werden.“ Dennoch könne das neue Jahr ein „Jahr der Befreiung“ werden, „wenn wir aus der Versklavung an unser egoistisches Ich befreit werden. Befreit werden aus der Knechtschaft des ‚man‘, aus zerstörerischen Bindungen, die wir selbst uns auferlegt haben. Solche Befreiung geschieht, wenn wir uns mehr und mehr auf den hin wandeln, der uns angenommen hat. Und das ist: Christus, der Erlöser!“  

Auch die Sprachlosigkeit im zwischenmenschlichen Bereich nannte Erzbischof Hans-Josef Becker ein „Grundübel“: „Worte werden missbraucht und trennen. Der echte Dialog droht zu sterben. Dies gilt auf allen Ebenen. Wenn das neue Jahr ein Jahr des Dialogs werden soll, dann müssen sich alle Menschen wie Brüder und Schwestern wissen. Dies aber geht nur, wenn alle sich bewegen lassen vom Geist des Sohnes, vom Geist Christi, der sie gemeinsam zu Gott dem Vater bringt.“  

2017 möge auch ein Jahr der Hoffnung werden, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Predigt: „Die guten Wünsche, die wir an diesem Abend und in dieser Nacht und am morgigen Tag aussprechen, möchte ich alle in dem einen Wunsch zusammenfassen: Nehmen Sie das neue Jahr an. Denn nur das, was man annimmt, wandelt man. In der Annahme der geschenkten Zeit ‚erfüllt‘ sich diese und wird so zu viel mehr als zum ‚zeitflüchtigen Angebot der Ewigkeit‘“.   Musikalisch wurde die Jahresabschlussmesse im Hohen Dom vom Paderborner Domchor und der Domkantorei gestaltet. An der Orgel spielte Domorganist Tobias Aehlig.