„Jede Kerze hat einen eigenen Charakter“

Im Kerzenatelier der Benediktinerabtei in Herstelle: 100 Verzierungen zu Weihnachten

Besonders schmuckvolle Kerzen, die Schwester Andrea verziert hat, entstehen zur Weihnachts- und Osterzeit oder auch zu besonderen Anlässen wie Kommunion oder Priesterjubiläen.pdp/Ronald Pfaff Paderborn/Herstelle, 24. Dezember 2016. „Wenn ich in der Kirche sitze und Ruhe finde zum Beispiel bei den Vigilien, kommen mir oft die spontanen Ideen“, sagt Schwester Andrea Grabl. Dann drängt es sie, diese Einfälle mit handwerklicher Kunst in die Tat umzusetzen. Im Kerzenatelier findet sie die sinnliche Atmosphäre und vor allem auch das Handwerkszeug, ihre Kreativität auszuüben. Für die Weihnachtszeit verließen rund 100 Kerzen mit ihrer „Handschrift“ die kleine Werkstatt.

„Für die Fertigstellung einer Osterkerze brauche ich dann je nach Schwierigkeit ein bis drei Stunden. Länger sollte es aber auch im Klosteralltag nicht dauern. Kleinere Kerzen schaffe ich auch in bis zu dreißig Minuten“, erläutert Schwester Andrea, die in ihrem Atelier auf die Hilfe von Schwester Mechthild bauen kann. „Manche Kerzen benötigen jedoch in der Entstehung und im Entwurf längere Zeit“, verweist Schwester Andrea vor allem auch auf die Osterkerzen, die in der Kapelle der Abtei ein ganzes Jahr zu sehen sind. „Da blicken auch im Vorfeld viele Augen mit drauf.“

Werkstätten haben in der Benediktinerabtei in Herstelle eine lange Tradition. Die sakrale und auch die Gebrauchskeramik ist überregional und nicht nur im eigenen Klosterladen ein Begriff. Die Seifenmanufaktur erfreut sich seit jüngster Vergangenheit starker Nachfrage. In den 1950-er Jahren wird die Kerzenwerkstatt erstmals erwähnt. Damals bemalten Sr. Jutta (Barke) und ihre Mitschwestern Kerzen mit frühchristlichen Symbolen. In den Chroniken steht geschrieben: „Auch brachte die Erneuerung der Osterliturgie 1951 für unser Kerzenatelier eine große Nachfrage nach bemalten Osterkerzen.“ Bis 1962 lassen sich die Aufzeichnungen der eigenen Kerzenverzierung noch verfolgen. Erst 2003 wurde dann die Kerzenwerkstatt wieder eröffnet.

In der Kirche oder in der Vigilen kommen Schwester Andrea die besten Ideen, um die Kerzen zu verzieren.pdp/Ronald Pfaff Schwester Andrea gab damals den Anstoß. Als Bausteine für den Neubau des Gästehauses St. Scholastika fertigte sie kleine Tischkerzen, die im gleichen Jahr im neu eröffneten Klosterladen angeboten wurden. Aufgrund der großen Nachfrage wurde das Sortiment um die Beschriftung von Kerzen und erste eigene Motive für handverzierte Taufkerzen erweitert. „Auf Wunsch fertigen wir auch Kerzen für Hochzeiten, Jubiläen oder auch die Erstkommunion. Dazu überlege und berate ich dann gemeinsam mit den Auftraggebern.“ Wichtig ist für Schwester Andrea, dass die Kerzen individuell sind und nicht einfach aus dem Katalog kommen. „Ich beschäftige mich mit den Themen wie in einer Art Lectio, einer betenden Meditation über Bibeltexte.“

Osterkerzen nehmen einen großen Anteil der Arbeit im Atelier ein. Bereits jetzt läuft dafür die Produktion auf Hochtouren. Die Weihnachtsmanufaktur ist längst abgeschlossen. „Die Kerze soll nicht einfach nur eine Verzierung erhalten, sondern ich möchte auch eine Botschaft weitergeben“, so Schwester Andrea, die sich vom Rhythmus des Klosterlebens, der Liturgie oder einer Predigt gleichermaßen beeinflussen lässt. „Nur ein Stern oder ein Rentier aufzusetzen, ist mir zu wenig. Jede Kerze hat ihren eigenen Charakter und unterscheidet sich von den anderen“, beschreibt sie ihren Anspruch für die Weihnachtskerzen.

Schwester Andrea und Katharina Fricke präsentieren die unterschiedlichste Kerzen im Klosterladen der Benediktinerinnen-Abtei vom Heiligen Kreuz in Herstelle.pdp/Ronald Pfaff Etwa 100 handverzierte Kerzen sind jetzt zu den Festtagen in Klosterläden oder auf Bestellung herausgegangen mit Zitaten aus Antiphon, Psalmen oder gregorianischen Gesängen. „Hymnen, die ich sehr mag. Und weihnachtliche Botschaften“, ergänzt Schwester Andrea, die Bilder und Texte kunstvoll aus verschieden farbigen Wachsplatten formt. Auch Reste würden nicht weggeworfen, betont die Ordensfrau: „Daraus entstehen manchmal ganz überraschende Motive.“

Zum Programm eines Pastoralteams, was erst kürzlich in Herstelle zu Exerzitien zu Gast war, gehörten geistige Impulse, Chorgebete und als krönender Abschluss Kerzenverzierung mit weihnachtlichen Motiven.

Vor 17 Jahren ist Schwester Andrea in die Benediktinerabtei vom Heiligen Kreuz eingetreten. Zuvor hatte sie als Gemeindereferentin gearbeitet und dabei ihr Talent im Umgang mit Wachs entdeckt. Über die Jahre entwickelte sich die Fertigkeit weiter. Zwei Nachmittage in der Woche sind für sie im Kerzenatelier reserviert. Ihre Haupttätigkeit liegt jedoch in der Organisation im Gästehaus und in der Betreuung der Gäste. Gemeinsam mit Schwester Diethild ist sie das freundliche Gesicht an der Pforte.

Internetseite des Klosters

Kurzfilm über die Abtei Herstelle