Eucharistie als Lebensquelle des Glaubens

Erzbischof Hans-Josef Becker eröffnete die \"Ewige Anbetung\" im Erzbistum Paderborn.pdp Paderborn, 27. November 2016. Mit einem Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn eröffnete Erzbischof Hans-Josef Becker am Vorabend des ersten Advents die „Ewige Anbetung“ im Erzbistum Paderborn. Am Beginn des neuen Kirchenjahres startete damit die „Ewige Anbetung“, die von allen Kirchengemeinden des Erzbistums Paderborn getragen wird. „Sorgen wir gemeinsam an den Orten, wo wir in der Kirche von Paderborn tätig sind und leben, für eine vertiefte Wertschätzung des Geheimnisses der Eucharistie. Sie ist und bleibt die Lebensquelle unseres Glaubens an den wiederkommenden Herrn“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt.      

Christlicher Glaube sei wesentlich Sehnsucht nach dem Herrn, Hoffnung auf seine Wiederkunft in Herrlichkeit, Erwartung, dass Gott endlich alles in allem sei, wenn seine Schöpfung bei ihm sei, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker im feierlichen Gottesdienst. „Der Advent will in uns das Feuer der ‚Christus-Sehnsucht‘, der ‚Gottes-Hoffnung‘ wieder entfachen.“ Diese Sehnsucht schenke Christen die Freiheit, mitten in der Vergänglichkeit alles Irdischen der Erde treu zu bleiben und das sterbliche Leben zu lieben, erläuterte der Paderborner Erzbischof weiter. Diese Sehnsucht nach der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus schenke Christen zugleich den Mut, sich mit dem hier und jetzt Bestehenden nicht vorschnell zufrieden zu geben: „In Jesus Christus haben wir den Garanten, dass es unter uns anders wird: menschlicher und barmherzigen, liebevoller und gerechter, jetzt schon und einmal endgültig.“ Wo solche Sehnsucht wach bleibe, werde es möglich, in jeder Begegnung mit anderen Menschen den nahen Gott zu entdecken, in allem den Anruf seiner Güte wahrzunehmen, sei in jeder Erfahrung die Einladung zu finden, Jesus Christus zu suchen und sich von ihm finden zu lassen.  

„Als Gemeinde Christi, als Kirche feiern wir in der ‚Zwischenzeit des Advents‘ unsere Sehnsucht nach der Fülle des Lebens und unsere Hoffnung auf Vollendung in jeder Eucharistie“, sagte Erzbischof Becker weiter. Das in der Wiederkunft des Herrn gipfelnde Geheimnis des Glaubens werde Tag für Tag in der Mitte des kirchlichen Lebens in der Feier der Eucharistie Wirklichkeit. Um daran zu erinnern, sei es eine gute Tradition, dass zu Beginn des Advents, zu Beginn eines jeden Kirchenjahres im Hohen Dom die Feier der Ewigen Anbetung für das ganze Erzbistum Paderborn eröffnet werden, so Erzbischof Becker. „Dass er schon jetzt in Brot und Wein wirklich in unserer Mitte gegenwärtig ist, das ist das Geheimnis des Glaubens, an dem wir festhalten müssen und das wir vor jeder Verwässerung und Entwertung schützen müssen. Wir stehen vor der Eucharistie in dem Bewusstsein, vor Christus selbst zu stehen. Es handelt sich hier um den größten Schatz, der der Kirche auf ihrem Pilgerweg durch die Zeit anvertraut ist.“  

Er sei davon überzeugt, dass die „Verankerung in der Eucharistie“ auch zu einer Stärkung des christlichen Zeugnisses nach außen beitrage, sagte Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt. „Es ist mein Wunsch zu Beginn des neuen Kirchenjahres und zum Auftakt der jährlichen ‚Ewigen Anbetung‘ in unserem Erzbistum: Dass der Herr in Wort und Sakrament bei uns bleibe und so die tiefste Sehnsucht unseres Herzens wach halte ‚bis er wiederkommt in Herrlichkeit‘.“  

In der im Anschluss an das Pontifikalamt beginnenden Zeit der Anbetung, die durch meditative Musik, Texte, Lobpreis und Stille gestaltet war, konnten die Gläubigen vor dem Allerheiligsten verweilen, eine Kerze entzünden, sich ein Wort aus der Heiligen Schrift schenken lassen und Gebetsanliegen niederlegen. Danach wurde um 23.30 Uhr die Komplet gebetet und es folgte eine stille nächtliche Gebetswache von Mitternacht bis zum Sonntagmorgen.  

Am Sonntag wurden um 7 Uhr, 8 Uhr, 10 Uhr und 11.45 Uhr die Sonntagsmessen im Hohen Dom gefeiert. Anschließend wurde das Allerheiligste zu gestalteten Betstunden ausgesetzt: Um 13 Uhr fand eine Betstunde für die Verstorbenen statt. Es folgten Betstunden, die von den geistlichen Gemeinschaften (14 Uhr), der Paderborner Innenstadtgemeinde St. Liborius (15 Uhr) und den Ordensleuten (16 Uhr) gestaltet wurden. Die „Ewige Anbetung“ im Hohen Dom endete mit einem feierlichen Abschluss um 17 Uhr.      

Hintergrund: Ewige Anbetung  

Über das ganze Kirchenjahr hinweg werden mit der „Ewigen Anbetung“ die Anliegen der Kirche, des Erzbistums Paderborn und der Gemeinden in einer Gebetskette in die Pfarreien und Klöster der Erzdiözese getragen. Die „Ewige Anbetung“ geht im Erzbistum Paderborn auf Bischof Konrad Martin zurück, der sie zum ersten Advent 1857 einführte. In seinem damaligen Hirtenschreiben heißt es: „Vom ersten Advents-Sonntage an soll die ewige Anbetung ununterbrochen bei Tag und bei Nacht in Unserer Diöcese fortdauern, dergestalt, daß immer die eine Kirche oder Gemeinde die andere in der Anbetung des Allerheiligsten ablöse in der von Uns festgesetzten Reihenfolge und nach dem einer jeden Kirche und Gemeinde zugemessenen Zeitmaße.“  

Heute wird die „Ewige Anbetung“ im Erzbistum im Sinne einer „täglichen Anbetung“ begangen. Das Erzbistum Paderborn folgt damit der Weisung des Apostels Paulus, der die Thessalonicher in einem Brief mahnt, ohne Unterlass zu beten (1Thess 5,17).