„Nicht immer einer Meinung sein und trotzdem Gemeinsamkeiten entdecken“

Eva-Maria Leifeld ist neue Diözesanbeauftragte für den katholisch-islamischen Dialog

Eva-Maria Leifeld aus Marsberg-Heddinghausen ist künftig Ansprechpartnerin für Fragen des interreligiösen Dialogs mit den Muslimen.pdpPaderborn, 7. November 2016. Eva-Maria Leifeld aus Marsberg-Heddinghausen ist die neue Diözesanbeauftragte für den katholisch-islamischen Dialog im Erzbistum Paderborn. Seit Juli 2016 ist sie Nachfolgerin von Pastor Dr. Markus Kneer. Die Stelle ist als Referat in der Hauptabteilung Pastorale Dienste und hier in die Abteilung für Gemeinde- und Erwachsenenpastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn angesiedelt. Damit ist Eva-Maria Leifeld Ansprechpartnerin für Fragen des interreligiösen Dialogs mit den Muslimen.

Bei Aufenthalten in Israel sammelte Eva-Maria Leifeld viele Erfahrungen in einem Umfeld, in dem Angehörige verschiedener Religionen eng zusammenleben. In der Einrichtung Kfar Tikva („Dorf der Hoffnung“), einer jüdischen Behinderteneinrichtung in Kiriat Tivon, arbeitete sie als deutsche Volontärin eng mit muslimischen Betreuern zusammen. „Solange man nicht viel voneinander weiß, können schnell Vorurteile und Missverständnisse entstehen“, fasst sie ihre Erfahrungen zusammen. „Mit dem ‚gläubig Sein‘ besitzen Christen, Juden und Muslime aber ein gemeinsames Fundament, auf dem sie sich verstehen können.“ 

Nach diesem Jahr besuchte Eva-Maria Leifeld die katholische Internationale Akademie für Musik und Evangelisation in Bayern, um zu lernen, wie man über den eigenen Glauben sprechen kann. Danach begann sie mit dem Studium der komparativen Theologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Paderborn. „Beim Studium der komparativen Theologie setzt man sich wissenschaftlich mit dem eigenen Glauben auseinander, hat aber gleichzeitig Dozenten anderer Religionen, die fest in ihrem eigenen Glauben verwurzelt sind“, erklärt sie das Besondere dieses Studiums. Der Verzicht auf Versuche, sein Gegenüber vom jeweils eigenen Glauben zu überzeugen, Gastfreundschaft sowie gegenseitiges Vertrauen seien Grundhaltungen, ohne die diese Form der Theologie nicht möglich sei.  

In ihrer neuen Aufgabe verschafft sich Eva-Maria Leifeld nun einen Überblick, welche Dialoginitiativen im Erzbistum bereits existieren und welche Wünsche es in den Pfarreien und Einrichtungen gibt. Dazu hat sie eine Umfrage an alle Dekanate und Pastoralverbünde geschickt. Als Diözesanbeauftragte für katholisch-islamischen Dialog steht sie entsprechend für fachliche Anfragen zum Islam zur Verfügung. „Ein Ziel ist der systematische Aufbau eines Netzwerkes von kundigen Personen, die für Vorträge und Informationen zur Verfügung stehen“, sagt sie. Darüber hinaus wird derzeit gemeinsam mit dem Erzbistum Köln ein Kurs für junge Dialogvermittler geplant, in dem junge Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren für den interreligiösen Dialog fit gemacht werden sollen.

„Die Fähigkeit zum interreligiösen und interkulturellen Dialog ist in der gegenwärtigen Situation eine Schlüsselqualifikation für gelingendes Zusammenleben“, so Eva-Maria Leifeld zur aktuellen Bedeutung des katholisch-islamischen Dialogs. „Wenn Menschen den Umgang mit Menschen meiden, die anders denken als sie, nimmt die Fremdheitserfahrung in unserer Gesellschaft zu. Wenn wir den Kontakt miteinander suchen, werden wir zwar nicht immer einer Meinung sein, aber doch auch Gemeinsamkeiten entdecken. Dies ist der beste Weg, um Sorgen und Ängste abzubauen. Eine solche aufrichtige Begegnung zwischen Menschen verschiedenen Glaubens erhoffe ich.“