„Kritisch und konstruktiv in die Gesellschaft hineinwirken“

Die Professoren der Theologischen Fakultät Paderborn mit ihrem Magnus Cancellarius, Erzbischof Hans-Josef Becker.Foto: pdp Paderborn, 17. Oktober 2016. Bei der Akademischen Jahresfeier, mit der Studierende und Lehrende der Theologischen Fakultät Paderborn heute gemeinsam mit ihrem Magnus Cancellarius, Erzbischof Hans-Josef Becker, traditionell das Wintersemester einläuteten, gab es in diesem Jahr besonderen Grund zum Feiern: Vor 50 Jahren hat das Land Nordrhein-Westfalen den Rechtsstatus der Theologischen Fakultät anerkannt, der ihr von Rom als kirchliche Hochschule mit allen Rechten verliehen wurde.      

„Wozu braucht man kirchliche Hochschulen? Worin liegt die spezifische Bedeutung einer Hochschule in kirchlicher Trägerschaft heute?“, fragte Erzbischof Becker zu Beginn seiner Ansprache vor dem Hintergrund des besonderen Jubiläums der Fakultät. Mit seiner Antwort warf er einen Blick auf die Sendung der Kirche: Weil der Kirche als Ganzer das Glaubensgut anvertraut sei, gehöre es zu ihrem Verkündigungsauftrag, die Vernunft des Glaubens und der Hoffnung mit Hilfe der theologischen Forschung immer tiefer zu erkennen und auszulegen. „Kirchliche Hochschulen haben aufgrund des Verkündigungsdienstes der Kirche eine Aufgabe für das Gesamt der Kirche und ihrer Verkündigung, aber auch für die Gesellschaft und für die gesamte Kultur, mit der sie im lebendigen Austausch stehen und in die sie kritisch und konstruktiv hineinwirken“, so Erzbischof Becker.  

Gratulanten aus Politik und Kirche überbrachten Glückwünsche zum 50-jährigen Jubiläum als staatlich anerkannte kirchliche Hochschule: Dr. Dietmar Möhler vom NRW-Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung, Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl von der Bezirksregierung Detmold und Weihbischof Dr. Christoph Hegge aus dem Bistum Münster, Vorsitzender der Kommission für Fragen der Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz.  

Traditionell ziehen die Professoren der Theologischen Fakultät zu Beginn der Akademischen Jahresfeier in das Auditorium Maximum ein.Foto: pdp Rektor Monsignore Professor Dr. Rüdiger Althaus warf in seiner Begrüßung einen Blick auf die Geschichte der Fakultät, die 1614 errichtet wurde und 1616 ihren Lehrbetrieb aufgenommen hatte. In seinem Bericht über das zurückliegende Studienjahr verwies er auf Ereignisse und Entwicklungen innerhalb der Fakultät – beispielsweise die Neubesetzung des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft mit Professor Dr. Stefan Kopp. Im Anschluss überreichte der Rektor traditionsgemäß die Abschlussurkunden an die Absolventen des letzten Jahres, bevor er auch den traditionellen Festvortrag bei der Eröffnung des Studienjahrs hielt: Passend zum Anlass der Feierstunde sprach er über „Kirchliche Hochschulen im Spannungsfeld von Kirche und Staat am Beispiel der Theologischen Fakultät Paderborn“.  

Vor dem Festakt im Auditorium Maximum feierte Erzbischof Becker mit der Fakultätsgemeinschaft der ältesten Hochschule in Westfalen ein Pontifikalamt in der Universitäts- und Marktkirche. In seiner Predigt legte er der Fakultätsgemeinschaft drei Verheißungen aus dem Tagesevangelium als Proviant für das neue Studienjahr ans Herz: beschenkt zu sein von Gottes Geist, in die Welt gesandt zu sein und stets zum Neuaufbruch gerufen zu sein. „Die Art, wie Gottes Geist kommt, stellt sich quer zum alltäglichen Lebensablauf“, sagte Erzbischof Becker. Glaubende würden immer mitten in der Welt stehen: „Ein weltfremdes Christsein verbietet sich von selbst.“ Nicht zuletzt stünden die Vergebung und der Neuanfang gerade auch im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit neu im Zentrum der kirchlichen Verkündigung: „Der Geist, den Gott sendet, hat als eine seiner reichsten Gaben das Geschenk der Sündenvergebung“, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt.      

Pressemeldung: 50 Jahre staatlich anerkannte Hochschule