50 Jahre staatlich anerkannte Hochschule

Theologische Fakultät Paderborn feiert Erneuerung ihrer alten akademischen Rechte durch die Landesregierung NRW

Bild: Giebel und Dach eines Gebäudes Das Wappen des damaligen Erzbischofs von Paderborn, Lorenz Kardinal Jaeger, ziert die Vorder- und Rückseite der Theologischen Fakultät. Er erwirkte die päpstliche Anerkennung als Theologische Fakultät, die dann zur staatlichen Anerkennung seitens der Landesregierung NRW führte.ThF-PBPaderborn, 14. Oktober 2016. Die Theologische Fakultät Paderborn blickt auf eine mehr als wechselvolle Geschichte zurück: Vor gut 400 Jahren als erste Universität in Westfalen gegründet, erlebte sie alle Höhen und Tiefen einer akademischen Institution.

Ihre Gebäude wurden geplündert, zerstört und wieder aufgebaut, die akademische Hochschule wurde aufgelöst und wieder neu zugelassen. An einen besonderen Tag in ihrer Geschichte erinnert der 14. Oktober: 1966, also vor genau 50 Jahren, wurde ihr seitens der Landesregierung NRW der Rechtsstatus einer Theologischen Fakultät zuerkannt. Damit wurden ihre alten akademischen Rechte erneuert.

Die großen historischen Ereignisse zeichnen sich in der Geschichte dieser Fakultät ab: Im Jahr 1614 als Jesuitenuniversität unter dem Namen „Academia Theodoriana“ mit einer philosophischen und einer theologischen Fakultät errichtet, konnte sie 1616 eröffnet werden, aber im zwei Jahre später beginnenden 30jährigen Krieg wurde sie geplündert, die Bibliothek beschossen und die Professoren vertrieben. Trotz dieser Wirren lehrte hier auch Friedrich Spee, der Kämpfer gegen den Hexenwahn und Dichter zahlreicher Lieder, die noch heute in den Kirchen gesungen werden.

In den folgenden Jahrhunderten hielt der Existenzkampf an: Der Jesuitenorden wurde 1773 aufgelöst, die Universität ging in die Zuständigkeit des Landesfürsten über, aber mit der Säkularisation endete das geistliche Fürstbistum Paderborn und wenige Jahre später verfügte der preußische König die Aufhebung der Universität. Diese Entscheidung wurde später zurückgenommen und die Academia Theodoriana konnte als „Lehranstalt“ weiter bestehen. Im Kulturkampf wurde sie geschlossen, aber nach einigen Jahren wieder eröffnet.

Im 2. Weltkrieg ging die Zahl der Studenten stark zurück, weil sie zum Wehrdienst eingezogen wurden. In diesem Auf und Ab blieb das Bemühen lebendig, die alten akademischen Rechte zurückzuerhalten. Im Jahr 1966 wurde dieses Ziel endlich erreicht: Nachdem Papst Paul VI. der Hochschule den Rechtsstatus einer Theologischen Fakultät mit allen akademischen Rechten zuerkannt hatte, wurde sie vor 50 Jahren, am 14. Oktober 1966, von der Landesregierung NRW als Theologische Fakultät anerkannt.

Zuvor hatte es Bedenken und Widerstände gegeben. Als der Wiederaufbau der Gebäude nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges abgeschlossen und der Lehrbetrieb wieder aufgenommen war, wurde mit den Jahren wieder das alte Ziel verfolgt, als vollgültige akademische Einrichtung anerkannt zu werden. Eine Weile hatte man gehofft, dass sich mit der erwarteten Neugründung einer Universität in Ostwestfalen eine Möglichkeit dazu eröffnen würde. Als diese aber für Bielefeld und nicht für Paderborn geplant wurde, ergriff der damalige Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger die Initiative und erwirkte die gewünschte Anerkennung zunächst in Rom. Nach einigem Zögern erfolgte auch die Zustimmung der Landesregierung NRW, und die Theologische Fakultät Paderborn wurde damit als Hochschule auch staatlich anerkannt.

Heute verfügt die Theologische Fakultät über eine solide Ausstattung: 15 Professuren, weitere Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiter unterrichten die Studierenden in den verschiedenen Disziplinen der Katholischen Theologie. Sie verantwortet wissenschaftliche Zeitschriften und organisiert Vortragsreihen zu gesellschaftsrelevanten Themen. Wissenschaftliche Einrichtungen wie das international anerkannte Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik sind ihr angegliedert. Mit den Theologischen Fakultäten der benachbarten Universitäten bestehen gute Kooperationen und das erkämpfte Recht, akademische Grade zu verleihen, wird mit dem „Magister Theologiae“, den Promotionen und Habilitationen intensiv genutzt.