„Jeder Tropfen Solidarität schafft Netzwerke“

Neues Format am Vorabend des Libori-Festes präsentiert „Gesichter der Weltkirche“

Am Vorabend der Eröffnung des Libori-Festes fand erstmals die Veranstaltung „Gesichter der Weltkirche“ statt. V.l.n.r.: Ulrich Klauke, Bischof Norbert Strotmann Hoppe MSC (Peru), Bischof Juan Carlos Vera Plasencia MSC (Peru), Bischof Luciano Bergamin CRL (Brasilien), Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Bischof Abraham Desta (Äthiopien).Foto: pdp Paderborn, 22. Juli 2016. Libori ist traditionell auch ein weltkirchlich orientiertes Fest, bei dem Bischöfe aus verschiedenen Kontinenten in Paderborn zu Gast sind. Ein neues Angebot des Paderborner Metropolitankapitels machte dies am Vorabend des Libori-Festes 2016 deutlich und ließ „Gesichter der Weltkirche“ in der Kaiserpfalz in Paderborn anschaulich werden: Gastbischöfe aus Äthiopien, Brasilien und Peru gaben Einblicke in ihr Land und ihre Diözese, stellten ihre Arbeit vor Ort und ihre Herausforderungen vor. Rund 150 Gäste nutzten die Chance, mit den Bischöfen ins Gespräch zu kommen.      

Das neue Angebot mit dem Titel „Gesichter der Weltkirche“ wird vom Paderborner Metropolitankapitel in Zusammenarbeit mit dem Referat Weltmission-Entwicklung-Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat getragen. Gastbischöfe aus Südamerika und Afrika gaben an diesem erstmals stattfindenden Begegnungsabend der Weltkirche ein Gesicht: Bischof Luciano Bergamin CRL aus der Diözese Nova Iguaçu in Brasilien, Bischof Abraham Desta, Bischof des Apostolischen Vikariats Meki in Äthiopien, und Bischof Juan Carlos Vera Plasencia MSC, Apostolischer Administrator der Territorialprälatur Caravelí in Peru und seit 2014 Militärbischof des Landes. Begleitet wurde Bischof Vera Plasencia von Bischof Norbert Strotmann Hoppe MSC, der beim Libori-Fest schon oft zu Gast war. Er ist seit 1996 Bischof des Bistums Chosica im Osten der peruanischen Hauptstadt Lima.  

„Traditionell lädt das Metropolitankapitel am Vorabend des Libori-Festes in die Kaiserpfalz ein“, sagte Dompropst Msgr. Göbel in seiner Begrüßung. „Unsere Vorgänger haben uns ein wertvolles Erbe hinterlassen und Libori zu einem Fest der Weltkirche gemacht. In der Regel wurden am Vorabend von Libori mit einem Fest-Vortrag über Heilige oder die Kirchengeschichte Impulse für das eigene Leben als Christ gegeben. Mit dieser neuen Veranstaltung möchten wir solche Impulse auch in der Gegenwart, in den heutigen ‚Gesichtern der Weltkirche‘ suchen.“ Ulrich Klauke, der das Referat Weltmission-Entwicklung-Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat leitet, führte als Moderator durch den Abend. Er zitierte Papst Franziskus, der betont, dass Kirche in einem bestimmten Raum Gestalt annehme und immer das Gesicht des jeweiligen Ortes trage. „Insofern treffen wir heute nicht nur auf die Gesichter unserer Gastbischöfe, sondern auf die Gesichter ihrer jeweiligen Ortskirchen.“  

Rund 150 Gäste lernten „Gesichter der Weltkirche“ kennen, unter ihnen (v.l.n.r.) Generalvikar Alfons Hardt, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Erzbischof Hans-Josef Becker, Dompropst Msgr. Joachim Göbel, Bischof Norbert Strotmann Hoppe MSC, Bischof Juan Carlos Vera Plasencia MSC.Foto: pdp Kurze Filme informierten die Gäste des Abends über die Herkunftsländer der Gastbischöfe, anschließend kamen die Bischöfe selbst zu Wort. Übersetzer sorgten dafür, dass der jeweilige Bischof mit eigener Stimme und in eigener Sprache erzählen konnte. Die „Reise um die Welt“ begann in Äthiopien. Dank der Arbeit zahlreicher Missionare sei die Kirche in Afrika in Größe, Qualität und ihrer Entwicklung gewachsen, machte Bischof Abraham Desta den Auftakt. Herausforderungen seien die große Armut, eine hohe Radikalisierung und – vor allem für die pastorale Arbeit – die vielen unterschiedlichen Kulturen und Sprachen, allein 27 im Apostolischen Vikariat Meki. Besonders vor dem Hintergrund der Armut sei es schwer, das Evangelium glaubhaft zu verkünden: „Die Menschen hinterfragen beispielsweise die biblische Erzählung der ‚Speisung der Fünftausend‘ sehr direkt, wenn sie selber noch nicht einmal am Tag satt werden. Sie fordern eine Übersetzung der Frohen Botschaft in ihre Lebenswirklichkeit“, berichtete Bischof Desta. Er dankte für die Solidarität aus dem Erzbistum Paderborn: „Wie ein Tropfen Wasser den Ozean macht, so ist jeder Tropfen Solidarität wichtig und schafft Netzwerke.“  

Die „weltkirchliche Reise“ in der Kaiserpfalz führte weiter nach Südamerika. „Brasilien ist ein sehr schönes Land, das aber derzeit in einer tiefen politischen Krise steckt“, hielt Bischof Luciano Bergamin CRL fest. Das mit 56 Jahren noch junge Bistum Nova Iguaçu liege an der Peripherie Rio de Janeiros und werde aufgrund dieser Randstellung – und trotz seines Bevölkerungsreichtums – von der Politik vernachlässigt. Ein großes Problem seien vielfach zerrüttete Familienstrukturen. „Die Familienpastoral steht deshalb in unserem Pastoralplan und in allen Pfarreien an erster Stelle. Evangelisierung muss bei den Familien anfangen“, so Bischof Bergamin, der ebenfalls für die vielfache Unterstützung aus Deutschland dankte. „Wir wünschen uns, weiterhin eine missionarische, betende und dienende Kirche zu sein, weiterhin solidarisch mit den Notleidenden zu sein und die Position der Basisgemeinden und Laien zu stärken.“  

Die „Reise um die Welt“ endete in Peru. Bischof Juan Carlos Vera Plasencia MSC ging auf die drei naturbedingten Regionen des Landes und ihre besonderen Herausforderungen ein. Durch den Zuzug vieler Menschen an die Küste gebe es dort ein hohes Bevölkerungswachstum und viele Elendsviertel. Auch im Hochland sei die Armut sehr hoch. Es gebe kaum soziale Entwicklungsarbeit. „Dadurch, dass hier hauptsächlich Kinder und alte Menschen leben, ist eine Berufungspastoral hier sehr schwierig“, erklärte Bischof Vera Plasencia. Auch in der Urwald-Region Perus geschehe kaum soziale Entwicklung. „Die katholische Kirche hat für die Bevölkerung in Peru nach wie vor eine hohe Bedeutsamkeit. Die Kirche genießt Glaubwürdigkeit und den Respekt der Bürger. Auch gibt es viele Formen der Volksfrömmigkeit“, beschrieb Bischof Juan Carlos Vera Plasencia MSC die Situation in Peru. Die Prälatur Caravelí habe gerade in Bezug auf ihre Infrastruktur – ein großes Gebiet mit vielen kleinen Orten, kaum ausgebaute Straßen, große Höhenunterschiede – hohe Herausforderungen. „Wir sind sehr froh, in unserer Arbeit und in diesem schwierigen Umfeld gerade auch aus Deutschland so viel Unterstützung zu erfahren“, so Bischof Vera Plasencia zum Abschluss seiner Ausführungen.

Musikalisch wurde der Begegnungsabend vom René Madrid mit dem Akkordeon begleitet. Der Musiker entführte die Gäste mit internationalen Klängen in die weite Welt.