Lebensnahe Vorbereitung zwischen Alltag und Christsein

Firmung heute – am Beispiel der Firmfeier in der St. Laurentius Pfarrkirche Meerhof

Weibischof Hubert Berenbrinker spendete das Sakrament der Firmung 45 Jugendlichen in der St. Laurentius Pfarrkirche in Marsberg-Meerhof.pdp Paderborn, 21. April 2016. Blauer Himmel strahlt über Marsberg-Meerhof. Das Kirchengebäude ist festlich geschmückt. Das Sonnenlicht versprüht Frühlingsatmosphäre. „Die Sonne scheint und auch bei uns im Herzen ist eine freudige Stimmung“, blickt Pastor Wilfried Loik gespannt auf die anstehende Firmfeier in der St. Laurentius Pfarrkirche. 45 Mädchen und Jungen aus dem Pastoralverbund Sintfeld-Diemeltal warten in Meerhof auf den Empfang der Heiligen Firmung.

Weihbischof Hubert Berenbrinker ist schon etwas früher angereist, um sich eine Stunde vor dem festlichen Gottesdienst mit den Katechetinnen zu treffen, die seit dem 30. September vergangenen Jahres die Jugendlichen auf ihrem Weg zur Firmung begleitet haben. Im Dekanat Hochsauerland Ost spendet Weihbischof Berenbrinker nicht nur die Firmung, ebenso besucht er bereits seit Februar auf seiner Visitationsreise auch alle Gemeinden, Institutionen und Verbände, um mit den Akteuren vor Ort ins Gespräch zu kommen.

„Wie haben Sie die Zeit der Vorbereitung erlebt“, leitet Weihbischof Berenbrinker die Gesprächsrunde offen gemeinsam mit Dechant Michael Kleineidam, Pastor Wilfried Loik und Gemeindereferent Manuel Kenter ein. „Entschieden!leben, entscheidend:lieben“, so lautet das Motto der Firmvorbereitung, das daran anknüpft, dass auch die Jugendlichen die Freiheit hatten, sich für das Sakrament zu entscheiden, und sich zugleich ein eigenes Programm aus den vielen Angeboten der Vorbereitung erstellen konnten.

„Der Heilige Geist ist ein großes Geschenk Gottes, deshalb empfangen die Jugendlichen ihn gern“, freut sich Pastor Wilfried Loik über die insgesamt gute Beteiligung. Denn alle Jugendliche eine, dass sie vor großen Entscheidungen ständen, deshalb sei die Frage wichtig gewesen, wie man Hilfestellungen geben könne, betont Gemeindereferent Manuel Kenter. Auf diesen Gedanken basierte die Firmvorbereitung.

Die Durchführung eines sozialen Projektes, die Vorbereitung eines Jugendgottesdienstes und ganz besonders auch der D-Day gehörten zu den besonderen Angeboten. Vor allem der D-Day (Themenabend als „Tag der Entscheidung“) sei bei den Mädchen und Jungen gut angekommen, berichtet eine Katechetin, denn die Vorträge seien lebensnah gewesen und ein Glaubenszeugnis zwischen Alltag und Christsein. Ein Neurologe referierte beispielsweise über Entscheidungen im Gehirn, ein Schiedsrichter über Entscheidungen in Sekundenschnelle auf dem Sportplatz. Flüchtlinge und Notfallseelsorge waren weitere Themen. 20 Firmlinge haben sich außerdem für den kommenden Katholikentag im Mai in Leipzig angemeldet.

Die Firmlinge in der St. Laurentius Pfarrkirche in Meerhof mit Weihbischof Hubert Berenbrinker.pdp Teilweise hätten die Jugendlichen mehr Angebote mitgemacht als gefordert. Zudem sei die Fehlquote sehr gering gewesen. Immer wieder habe man gehört, dass die Mischung aus Angebot und Freizeitmöglichkeit den Jugendlichen gefallen habe, und somit kein Druckgefühl entstanden sei, berichteten die Frauen aus der Katechetenrunde in dem offenen Austausch mit dem Weihbischof.   Liturgische Projekte wie „Friedenslicht aus Bethlehem“, Taizé-Gebet oder „Nightfever in Paderborn“ finden große Resonanz. Da die Beichte gut vorbereitet gewesen sei, habe es viele positive Rückmeldungen gegeben. Die Gewissenserforschung anhand eines kleinen Flyers habe geholfen, dass sich die Jugendlichen mit Überzeugung auf die Beichte eingelassen haben. Bis zu drei Priester haben parallel dann die Beichte abgenommen.

„Ein gutes Gespräch“, bestätigten die Katechetinnen, die insgesamt aus den Visitationsrunden mit Weihbischof Hubert Berenbrinker positive Eindrücke gewinnen konnten: „Es wurde nie um die Themen herumgeredet, sondern alles klar angesprochen.“ Denn die Katechetinnen merken auch an, dass der Sonntags-Gottesdienst von den Firmbewerbern oft vernachlässigt worden sei. Die Jugendlichen hätten oft die Frage gestellt, warum sollen wir am Sonntag noch in die Kirche gehen, wenn wir doch die Firmvorbereitung am Samstag mitgemacht haben. Dabei ersetze dieser Termin doch den Gottesdienst am Sonntag nicht. Zudem wünschten sich die Frauen, von denen viele auch Mutter eines Firmlings sind, dass die Firmvorbereitung nochmal gestärkt in das Gemeindeleben geholt werde und nicht nur in den Pastoralen Raum.

„Firmung ist für mich wie ein geschliffener Stein, der viele Seiten hat und dabei auch neue Seiten zum Vorschein kommen. Taufe und Firmung haben eine ganz enge Verbindung. Es ist eine Besiegelung der Zusage, die Gott bei der Taufe gemacht hat“, erklärt der Weihbischof, der im nächsten Jahr bereits auf seine 40-jährige Priesterweihe zurückblicken kann, und in seiner langjährigen Tätigkeit als Seelsorger viele Erfahrungen mit jungen Christen machen konnte. In der Firmvorbereitung gäbe es in der Diözese kein durchgängiges Konzept, so dass die Gestaltung überall unterschiedlich sei. „Im Mittelpunkt steht aber, dass die Firmlinge auf Menschen treffen, die ein gutes Beispiel für den Glauben geben“, so der Weihbischof.

Diese Menschen haben die Firmlinge in Meerhof auf jeden Fall vor Ort getroffen, denn die Feier in der St. Laurentius-Kirche ist bestens vorbereitet. An der Kirchentür wird Weihbischof Berenbrinker von Kommunionkindern, Schülerinnen und Schülern der örtlichen Grundschule und Vereinsvertretern herzlich begrüßt. Unter Begleitung festlicher Orgelmusik ziehen sie gemeinsam mit dem Weihbischof, den Priestern, Gemeindereferenten und Messdienern in die vollbesetzte Kirche ein. Die Firmlinge beteiligen sich an der Gestaltung der Messe, stellen ihre Projekte vor und tragen die Fürbitten vor. Dann dann ist es endlich soweit: Beim Empfang des Firmsakraments stehen die Firmlinge um den Altar versammelt.

Das äußere Zeichen der Firmung ist die Handauflegung, bei der der Weihischof die Stirn des Firmlings in der Form eines Kreuzes mit Öl salbt. Dazu spricht er den Namen des Firmlings und die Worte „sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist." Der Gefirmte nimmt diese Gabe mit dem Wort "Amen" an.

Weihbischof Hubert Berenbrinker mit Pastor Wilfried Loik (l.) und Dechant Michael Kleineidam.pdp „Im Leben eines Christen spielen folgende drei Worte eine besondere Rolle, die Jesus gebraucht hat: Komm, bleib und geh“, betonte Weihbischof Berenbrinker in seiner Predigt. Mit dem „Komm“ seien die Firmlinge eingeladen. „Mir ist es ein Anliegen, bewusst zu machen, wie reich wir im Glauben beschenkt sind. Es ist eine Einladung an alle, von Gott beschenkt zu werden. Jeder von uns ist angenommen als ein Kind der Taufe. Gott nimmt uns als Kinder an, weil er uns liebt, weil wir sind wie wir sind und das ohne Vorgabe. Als Kinder Gottes haben wir eine Perspektive, die über diese Welt hinaus reicht.“

Gott lade ein, in seiner Liebe zu bleiben. Bei Liebe sei es auch eine Sehnsucht, mit dem Liebenden zusammen zu sein. „Das tägliche Gebet ist ein Zeichen der Liebe zu Gott. Einfach Dank sagen und das eigene Leben mit Gott zu besprechen“, so Weihbischof Berenbrinker weiter, der die Firmlinge mit in den Auftrag einbezogen sieht, „geht und verkündet die Frohe Botschaft“. Er ermunterte die Jugendlichen, sich einzubringen und zu engagieren. „Christ ist man nicht für sich, sondern für andere. Dazu gibt uns Gott die Kraft aus dem Heiligen Geist. Eine Quelle, die niemals versiegt. Von innen heraus will uns Gott den notwendigen Impuls geben. Der Geist Gottes ist eine große Gabe und Geschenk für uns und die Welt.“

Die Feier kam auch bei den Jugendlichen gut an, die am Ende ein positives Fazit zogen. „Ich habe es mir stressiger vorgestellt. Ich habe mich sogar gut gefühlt, wenn ich bei der Vorbereitung und jetzt bei der Feier war“, sagte Josefine Hüwel nach ihrer Firmung. Ihre Freundin Anna-Lena Müller ergänzte: „Wir haben Spaß mit Freunden zusammen gehabt und mit Interesse an der Vorbereitungszeit teilgenommen. Dabei fühlen wir uns mit Gott verbunden.“

Info:
Im Pastoralverbund Sintfeld-Diemeltal haben sich ingesamt 66 Jugendliche für die Firmung entschieden: 45 Jungen und Mädchen sind in Meerhof, 21 in Westheim gefirmt worden.
Die Jugendlichen sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und gehen ins 9. oder 10. Schuljahr. Zwei Firmbewerber sind bereits 22 bzw 25 Jahre.
Rund 160 Firmlinge nahmen an der Vorbereitung im gesamten zukünftigen Pastoralen Raum Marsberg teil. Dazu gab es eine gemeinsame Auftaktveranstaltung im Oktober in der Schützenhalle.