Wunsch nach mehr Ordensleben

Schwester Ancilla Ernstberger gibt stellvertretende Leitung an der Realschule St. Michael ab

Schwester Ancilla (Augustiner Chorfrauen, Kloster St. Michael in Paderborn).pdpPaderborn, 9. April 2016. Schwester Ancilla Ernstberger ist mit Leib und Seele Lehrerin. Als stellvertretende Leiterin der Realschule St. Michael hat sie seit 30 Jahren – davon 26 als stellvertretende Schulleiterin - die traditionsreiche Schule in Paderborn mitgeprägt und kam einer der Grundregeln ihres Apostolats - dem Schuldienst - mit großer Gewissenhaftigkeit und Hingabe nach. Doch gerade die administrativen Aufgaben in dieser Funktion haben ihr wenig Zeit für die weitere Berufung als Schwester gelassen. Deshalb wird Schwester Ancilla mit Ende dieses Schuljahres auf die stellvertretende Schulleitung verzichten, aber als Lehrerin der Realschule erhalten bleiben.

„Ich habe diesen Schritt bereits eine längere Zeit überlegt. Schon vor ein paar Jahren habe ich mich mal mit dem Thema intensiv beschäftigt“, erklärt Schwester Ancilla, die als stellvertretende Schulleiterin viele organisatorische Aufgaben zu erfüllen hat. Neben der allgemeinen Vertretung der Schulleiterin ist sie zum Beispiel verantwortlich für die Stundenpläne, die Vertretungsregelung und Organisation. „Ich habe all diese Arbeit immer sehr gern gemacht. Hinter meiner Entscheidung steckt keine Frustration. Es war schlicht eine Abwägung“, so die Schwester.

Im Dezember vergangenen Jahres sei in den Exerzitien wieder an ihre Überlegungen erinnert worden. Zudem kamen Anfragen von außen, die Schwester Ancilla zur geistlichen Begleitung einluden, eine Unterstützung bei der Konversion wünschten oder als Schülergruppe Einkehrtage mit ihr machen wollten. „Impulse, die zum richtigen Moment kamen“, erkannte Schwester Ancilla und stellte sich selbst auf den Prüfstand „Ich bin nicht ins Kloster gegangen, um vornehmlich administrative Aufgaben zu machen.“

Ihr Entschluss stand dann bereits seit Januar fest. Den Schritt wollte Schwester Ancilla jedoch nicht ohne eigene geistliche Begleitung gehen, um ganz sicher zu sein. Sie suchte Rat und Gespräche, fand dann verständnisvolle Resonanz. Ein mutiger Schritt sei es, befanden Berater, Freunde und Mitschwestern, aber auch die Schulleitung und die Schulabteilung des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn. Mit Blick auf die Stärkung der Gemeinschaft der Augustiner Chorfrauen in Paderborn aber auch ein guter Schritt.

„Für mich ist es auf der schulischen Karriereleiter ein Schritt zurück, aber ich mache ihn nicht aus Enttäuschung, sondern aus Überzeugung“, so Schwester Ancilla, die als Lehrerin der Realschule weiter im Dienst bleibt und die Fächer Deutsch, Erdkunde, Religion und Französisch unterrichtet. „Der Schuldienst ist auch ein Teil unseres Apostolats. Und es steht sogar in unserer Gründungsurkunde: Es soll immer eine Schwester da sein, die die französische Sprache unterrichtet.“

Der Orden der Augustiner Chorfrauen verbindet kontemplatives und aktives Ordensideal miteinander. Das regelmäßige Stundengebet ist der Schwerpunkt, dazu der schulische Unterricht, verbunden mit dem Gemeinschaftsleben nach den Ordensregeln des Heiligen Augustinus. Auch die Pflege des Gregorianischen Chorals ist den Ordensfrauen ein Anliegen. In der autonomen Gemeinschaft mit dem Status des „stabilitas loci“ (es gibt keine Versetzungen) leben derzeit zehn Schwestern. Der Konvent in Paderborn besteht seit 1658.

„Ich bin Gott dankbar und froh über die Entscheidung, ins Kloster gegangen zu sein“, sagt Schwester Ancilla, die 1982 die Entscheidung traf, ins Michaelskloster einzutreten. Zeitgleich mit vier anderen Schwestern absolvierte sie ihr Noviziat. „Und ich glaube auch, dass es auch heute ein Wink von oben ist. Geh erst mal, dann ergibt sich der Weg schon.“ Bei der Zukunftsplanung des Konvents im Jahr 2008 sei eine Zielsetzung gewesen, das geistliche Leben im Kloster zu stärken. Angebote auch für Schüler und junge Leute ständen dabei im Blickpunkt.

Schwester Ancilla, die auch Gesprächsseelsorgerin ist und eine Ausbildung für geistliche Begleitung gemacht hat, erhofft sich, stärker ihre Zeit und Energie zusammen mit ihren Mitschwestern für den Aufbau der Gemeinschaft der Augustiner Chorfrauen einsetzen zu können.