Ostern: Fest der Christen für die Welt

Vielfältiges Osterbrauchtum im Erzbistum Paderborn

An vier Poten in Attendorn brennen am Ostersonntag die Osterfeuer und vermitteln ein eindrucksvolles Bild.Uwe BeulPaderborn, 22. März 2016. Ein vielfaltiges und vielgestaltetes Brauchtum hat sich im Laufe der Zeit rund um das Osterfest gebildet. Auch im Erzbistum Paderborn gibt es zahlreiche lebendige Traditionen der Brauchtumspflege. Ei, Feuer und Hase gehören in Verbindung mit Ostern zu den drei meist genannten Begriffen. Wenngleich das Weihnachtsfest vielfach populärer zu sein scheint, so ist Ostern doch das wichtigste und zentralste Fest der Christenheit für die ganze Welt.

Die Auferstehung Jesu ist die Basis des christlichen Glaubens. Mit ihr wird Tod nicht als Ende, vielmehr als Neubeginn eines neuen Lebens gesehen. Im „Triduum sacrum“ von Karfreitag, Karsamstag und Osternacht, den drei Gedächtnistagen von Opfertod, Grabesruhe und Auferstehung Jesu Christi liegt der Grund des christlichen Glaubens. Zahlreiche Bräuche begleiten die Karwoche und die Ostertage. Auch in der Liturgie der Kirche gibt es Formen, die durch ausdrucksstarke Symbolik die Bedeutung des Triduums im Bewusstsein der Gläubigen verankern.

Liturgie:

Gründonnerstag: Der Tabernakel ist in der Kirche geöffnet. Das Ewige Licht brennt nicht mehr. Das Weihwasserbecken an den Eingängen der Kirche ist leer. Vor Heiligenbildern sind keine Opferlichter entzündet. Der Ritus der Fußwaschung während der Messfeier vom letzten Abendmahl. Verwendung von Klappern bei der Wandlung.

Karfreitag: Stiller Einzug des Zelebranten. Möglichkeit der Kreuzverehrung für alle Gläubigen.

Osternacht: Die Feier der Osternacht besteht aus verschiedenen Teilen: Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauffeier und Eucharistiefeier. Die brennende Osterkerze wird in die dunkle Kirche getragen. Eine Tauffeier sollte am Taufbrunnen stattfinden.

Symbole:

Osterei: Das Ei gilt als Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit. Im Christentum ist das Ei Sinnbild eines neuen und von Gott geschenkten Lebens, das in Jesus seinen Anfang nimmt.

Osterhase: Einige frühe bemalte Ostereier zeigen das Dreihasenbild, was vermuten lässt, es könnte ein Symbol für die Dreifaltigkeit (Trinität) sein. Die Verbindung von Osterei und Hasenbild führte in der Folge zur Entwicklung der Figur des Osterhasen. Der Hase gilt auch als Symbol für Fruchtbarkeit.

Brauchtum:

Bei der Kreuztracht in Menden gehen die Kreuzträger ab Gründonnerstag wieder zwei Nächte und einen Tag hindurch ihren Weg.Matthias NückelKreuztrachten: Im Erzbistum Paderborn gibt es in sechs verschiedenen Orten Kreuztrachten: Menden, Brakel-Gehrden, Delbrück, Wiedenbrück, Sundern-Stockum, Pömbsen.  Menden: Gründonnerstag ab 21 Uhr, danach zu jeder vollen Stunde. Die Große Kreuztracht beginnt am Karfreitag um 9 Uhr. Brakel-Gehrden (Karfreitag ab 9.30 Uhr), Delbrück (ab 10 Uhr), Wiedenbrück (ab 13.30 Uhr), Sundern-Stockum (ab 15 Uhr), Pömbsen (ab 14 Uhr).

Krachnacht in Hallenberg: In der Nacht zum Ostersonntag erlöschen die Straßenlaternen in Hallenberg. Nur auf dem Markplatz leuchten Fackeln. Wenn dann um Mitternacht die Turmuhr schlägt, setzt ohrenbetäubender Lärm ein: Krachnacht in Hallenberg. Fackelträger, drei große, erleuchtete Kreuze, Lampionbäume, Klapper- und Rasselträger, die Burschentrommel und etliche sonstige „Krachwagen“ ziehen in alter Tradition durch die Stadt.

Osterräderlauf in Lüdge: Ostersonntag findet in Lügde der Osterräderlauf statt, bei dem brennende Räder vom Osterberg ins Tal der Emmer hinabrollen. Der Dechenverein Lügde ist der Veranstalter des Osterräderlaufes in Lügde. Die Osterräder bestehen aus gelagertem Eichenholz. Sie haben einen Durchmesser von rund 1,70 Meter. Zwei gekreuzte Balken bilden die Radspeichen. Im Schnittpunkt der Speichen ist ein etwa faustgroßes Loch. Durch dieses Loch wird später eine rund 4,50 Meter lange Holzstange aus Hainbuche geschoben und befestigt. Die Stange verhindert, dass das Rad auf seiner rasenden Abfahrt vom Berg hinunter umkippt.

Semmelsegnen in Attendorn: Der „Ostersemmel“, dessen Teig mit Kümmel durchsetzt ist, hat an den beiden Enden je einen Einschnitt, so dass sich zwei „Hörner“ bilden. Die Form erinnert an die Schwanzflosse eines Fisches, das frühe Erkennungszeichen der Christen. Die Semmeln werden am Karsamstag um 14 Uhr an der Nordseite der Pfarrkirche St. Johannes Baptist gesegnet. Der Semmel wird traditionsgemäß mit Butter und Knochenschinken gegessen.

Ratschen und Klappern: An vielen Orten ersetzen Klappern und Ratschen die Kirchenglocken und Schellen. Bereits am Gründonnerstag läuten die Altarschellen in der Abendmahlmesse nicht mehr. Zuvor verstummen die Kirchenglocken.

Osterfeuer: Das Abbrennen des Osterfeuers gehört zur Tradition. Regional unterschiedlich wird es am Karsamstag oder Ostersonntag entfacht. Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen gehören die Osterfeuer in Attendorn. Wenn das Lichterkreuz auf dem Turm der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Attendorn erstrahlt, ist es das Zeichen für die Poskeväter das Osterkreuz anzuzünden. Auf den Hügeln der vier Poten (frühere Stadttore) entflammen die stattlichen Osterkreuze und verleihen dem Osterfest in der Dämmerung ein beeindruckendes Bild.

Poschegesellschaft Olpe: Die Poschegesellschaft in Olpe errichtet am Gallenberg ihr Osterfeuer. Um Mitternacht wird auf dem Markplatz die Osternacht angesungen. Zur Tradition gehört auch das Quetschenschwingen.

Osterräder oder Fackelschwingen - wie hier bei der Ennester Pote in Attendorn - gehören zum Osterbrauchtum.Uwe Beul Auch in Stockum findet traditionell eine Kreuztracht statt.Matthias Nückel