„Fang an, von mir zu leben!“

Chrisammesse und Frühjahrspriestertreffen

Erzbischof Hans-Josef Becker weihte in der Chrisammesse die Heiligen Öle im Hochchor des Hohen Domes zu Paderborn.pdp Paderborn, 21. März 2016. 200 Geistliche aus dem ganzen Erzbistum Paderborn, darunter 21 Ständige Diakone, kamen am Montag der Karwoche zum Frühjahrspriestertreffen  in Paderborn zusammen. Im Hohen Dom feierte Erzbischof Hans-Josef Becker die Chrisammesse mit den Geistlichen, bei der diese traditionell ihr Weiheversprechen erneuerten. Vor der Feier der Chrisammesse machte Professor Dr. Josef Freitag, emeritierter Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Priester des Bistums Münster, das priesterliche Weiheversprechen zum Ausgangspunkt seines geistlichen Impulses in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche.

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am Montag der Karwoche die Chrisammesse, in der die anwesenden Priester ihr Weiheversprechen erneuerten.pdp Zu Beginn des feierlichen Gottesdienstes im Hohen Dom zogen die 200 Priester und Diakone in einer Prozession durch die Heilige Pforte im Paradiesportal in die Bischofskirche ein. In seiner Predigt sagte Erzbischof Hans-Josef Becker, dass wohl jeder Priester früher oder später in die Situation gelange, seinen eigenen priesterlichen Dienst zu hinterfragen, vor allem angesichts von Not und Bedrohung in der heutigen Welt. Er fragte weiter nach der Ursache für diese „Notlage“, in der die heutige Welt sich befinde. „Weil unsere Seelen unterernährt sind und weil unser Herz blind und verhärtet ist. Die Welt ist in Unordnung, weil die Herzen der Menschen in Unordnung sind und weil ihnen oft genug die Liebe fehlt, die den Weg zur Gerechtigkeit weisen würde.“ Damit Gerechtigkeit unter den Menschen herrschen könne, müsse Gerechtigkeit in den Herzen wachsen, führte der Paderborner Erzbischof weiter aus: „Und Gerechtigkeit wächst nicht ohne Gott und nicht ohne die grundlegende Nahrung seines Wortes. Für uns Christen heißt das: nicht ohne die grundlegende Nahrung seines Sakraments.“

Priester des Erzbistums Paderborn trugen die Heiligen Öle in den Altarraum des Paderborner Domes.pdp Das persönliche Verhältnis zum Altarssakrament müsse immer wieder überprüft werden, sagte Erzbischof Becker zu den im Paderborner Dom versammelten Geistlichen: „Den Leib des Herrn kann man nicht einfach essen, wie man ein Stück Brot isst. Man kann ihn nur empfangen mit dem ganzen Leben, indem man sich ihm öffnet, das Herz für ihn auftut.“ Priesterlicher Dienst bedeute auch, „das Klopfen des Herrn für unsere innere Schwerhörigkeit hörbar zu machen“, erklärte der Paderborner Erzbischof: „Durch den in alle Erfahrungen menschlichen Lebens hineingerufenen priesterlichen Dienst klopft Gott laut an  - in unseren Alltag hinein – und bittet: Tu mir auf, lass mich ein! Fang an, von mir zu leben!“.

Menschen seien oft vollends durch die Gegenwart in Anspruch genommen. „Aber wir feiern ein Mehr. Fragen wir uns ehrlich, ob wir die Dimension der künftigen, uns verheißenen Welt, das Reich Gottes, im vollen Sinne ernst nehmen und verkündigen“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Predigt.

In der Marienkapelle des Paderborner Domes wurden die geweihten Heiligen Öle aufgestellt und Erzbischof Hans-Josef Becker inzensierte sie dort mit Weihrauch.pdp Im Anschluss erneuerten die anwesenden Priester ihre bei der Priesterweihe abgelegte Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst. Erzbischof Becker sprach die Priester an: „Seid ihr bereit, das Priesteramt als getreue Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Herde Christi gewissenhaft zu leiten?“. So wie am Tag ihrer Priesterweihe antworteten die Priester mit „Ich bin bereit“.

Ein besonderes Element der Chrisammesse ist traditionell auch die Weihe der Heiligen Öle, die das Jahr hindurch zu Weihen und zur Spendung von Sakramenten verwendet werden: das Katechumenenöl für die Salbung der Taufbewerber, das Chrisam für die Salbung bei der Taufe, der Firmung und der Weihe, sowie das Heilige Öl für die Krankensalbung. Erzbischof Becker feierte den Gottesdienst in Konzelebration mit Weihbischof Matthias König, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Generalvikar Alfons Hardt, Pfarrer Karl-Hans Köhle (Siegen), Pfarrer Ludger Plümpe (Herne) als Vorstandsmitglieder des Priesterrates des Erzbistums Paderborn, Domvikar Dr. Rainer Hohmann als Leiter der Fortbildung und Personalentwicklung des Pastoralen Personals im Erzbistum Paderborn und weiteren anwesenden Priestern.

An der Chrisammesse nahmen auch Jugendliche teil, die in diesem Jahr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von der Mädchenkantorei am Hohen Dom zu Paderborn unter der Leitung von Gabriele Sichler-Karle und von Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel.

Professor Dr. Josef Freitag, Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, gab in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche einen geistlichen Impuls.pdp Vor der Chrisammesse kamen die Priester und Diakone zu einer Statio mit einem geistlichen Impuls und einer stillen Anbetung des Allerheiligsten in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche zusammen. Domvikar Dr. Rainer Hohmann begrüßte als Leiter der Fortbildung und Personalentwicklung des Pastoralen Personals im Erzbistum Paderborn die Geistlichen zur gemeinsamen Statio. „Neu zur Weihe bereit? Die Weiheversprechen – in der Weiheliturgie erfragt, im Leben einzulösen“ lautete das Thema, über das Professor Dr. Josef Freitag, emeritierter Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Priester des Bistums Münster, in seinem Impuls sprach. Bei der Priesterweihe, so der Theologe, gebe Gott die Zusage, dass er mit seinem Geist den neugeweihten Priester auf dessen Weg begleite. „Die Weihe ist der endgültige Startschuss für den Weg, für den Gott uns als Priester vorbereitet hat und auf dem er uns mitnehmen will. Er will Tag um Tag und Jahr um Jahr mit uns weitergehen. An uns ist es, diesen Weg mitzugehen, von Gottes Geist berufen das Werk zu tun, für das wir bestimmt sind. Das ist der Grundkompass unseres priesterlichen Daseins“, sagte Professor Dr. Freitag. Gott beginne mit der Weihe ein gutes Werk, das aber noch lange nicht fertig sei: „Als Priester bleiben wir unvollendet. Wir sind aufgerufen, Zug um Zug dazuzulernen. Das ist der ‚Weg-Charakter‘ unserer Berufung. Wir müssen Gott an uns, in uns und durch uns wirken lassen. So werden wir selbst durch unser Handeln zur Verkündigung Gottes.“ Dazu gehöre insbesondere im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit auch die Erkenntnis, dass gerade ein Priester bereit sein müsse, Barmherzigkeit anzunehmen, bevor er selber barmherzig sein könne. „Es geht darum, das Herz meines Gegenübers zu erreichen, zu lernen, dessen Herz zu sehen. Und auch ein Priester braucht nicht nur Jesus als Hirten, sondern auch andere Menschen, die sich um ihn kümmern“, so der Priester und Theologe. Die Christusverbundenheit in Form des Gebets, das Zeit und Aufmerksamkeit fordere, bezeichnete Professor Dr. Freitag zum Abschluss seines Impulses als „Lebenselixier“ des priesterlichen Dienstes: „Ein Priester ist nicht anders denkbar als ein Betender.“