Den Weg der Ökumene weiter gehen

Erzbischof Hans-Josef Becker (2. v. r.) begrüßte die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik zur Jahrestagung in Paderborn. Vordere Reihe v. r.: Professor Dr. Wolfgang Thönissen, Erzbischof Hans-Josef Becker, Bischof Prof. Dr. Paul-Werner Scheele, Bischof Dr. Alfons Nossol, emeritierter Bischof von Oppeln (Polen), Bischof Dr. Gerhard Feige (Bischof von Magdeburg) und Weihbischof Hubert Berenbrinker.Foto: pdp Paderborn, 10. März 2016. Seit Mittwoch tagen rund 30 Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn. Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßte die Beiratsmitglieder zu ihrem jährlichen Treffen. Auf dem Programm der Zusammenkunft, die noch bis Freitag andauert, stehen in diesem Jahr schwerpunktmäßig wissenschaftliche Vorträge und Diskussionen zur „Synodalität (in) der Kirche“.      

Vor fast 60 Jahren wurde das Johann-Adam-Möhler-Institut als Lehr- und Forschungseinrichtung für Fragen der Ökumene in Paderborn gegründet. Es ist der Theologischen Fakultät Paderborn angegliedert. Die Arbeit des vom Erzbistum Paderborn getragenen Instituts wird von einem Wissenschaftlichen Beirat begleitet, dem in- und ausländische Theologen angehören. Die jährliche Tagung des Beitrags steht unter der Leitung von Bischof Professor Dr. Paul-Werner Scheele, dem emeritierten Bischof der Diözese Würzburg, der auch der Vorsitzende dieses Gremiums ist.  

Erzbischof Hans-Josef Becker hieß drei neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat willkommen: Dr. Dagmar Stoltmann-Lukas, Leiterin der Diözesanstelle Ökumene im Bistum Hildesheim, Professor Dr. Peter De May vom Centre for Ecumenical Research von der Theologischen Fakultät Leuven und Professor Dr. Stefan Kopp, neuer Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn.  

Viele Christen würden derzeit das Dokument des Heiligen Vaters nach Abschluss der Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie in Rom erwarten, sagte Erzbischof Becker zu Beginn seines Grußworts: „Welche ökumenischen Konsequenzen daraus zu ziehen sind, ist derzeit noch nicht erkennbar. Allerdings setzt Papst Franziskus immer wieder Zeichen, sich um noch mehr Respekt und um wechselseitige Achtung in der ökumenischen Begegnung zu mühen.“ Die Fragen von Ehe und Familie und die Möglichkeiten einer größeren Gemeinschaft auch in der Feier der Eucharistie dürften nicht auf Dauer trennen, so der Paderborner Oberhirte weiter: „Sie bedürfen einer Antwort, die verdeutlicht, dass die Kirchen hier auf dem Weg weiter gehen und nicht stehen bleiben.“  

Im Hinblick auf das bevorstehende Reformationsgedenken im Jahr 2017 sagte Erzbischof Hans-Josef Becker: „Aus der Sicht der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Dialogs kann die Perspektive aufgezeigt werden, wo Streitfragen der Reformationszeit aufgearbeitet sind und wo nach wie vor, etwa in der Frage der Anerkennung der Ämter, der ökumenische Dialog intensiv fortgesetzt werden muss.“  

Monsignore Dr. Matthias Türk (Rom) berichtete von der Arbeit des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen im Vatikan. Einen Schwerpunkt des weiteren Tagungsprogramms bildete das Thema „Die Synodalität (in) der Kirche“, das aus verschiedenen Perspektiven in den Blick genommen wurde: Prof. Dr. Monsignore Rüdiger Althaus betrachtete die Synodalität aus katholischer Sicht, Dr. Johannes Oeldemann beleuchtete die orthodoxe Perspektive und Dr. Friedrich Hauschildt stellte die evangelische Sicht dar. Abschließend informierte Professor Dr. Wolfgang Thönissen, Leitender Direktor des Johann-Adam-Möhler-Instituts, aus der Perspektive des Instituts über die Situation der Ökumene im Jahr 2015. Die Vorstellung und Diskussion einzelner Projekte aus dem Institut rundeten das Tagungsprogramm ab.      

Stichwort: Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik und Wissenschaftlicher Beirat  
Das Ökumene-Institut wurde am 19. Januar 1957 durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger gegründet. Träger ist das Erzbistum Paderborn, Präsident der Erzbischof von Paderborn. Das Institut soll durch die wissenschaftliche Erforschung von Lehre und Leben der nicht-katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften das ökumenische Anliegen der sichtbaren Einheit der Kirche fördern. Die Forschungsergebnisse werden dokumentiert und vermittelt. Das Johann-Adam-Möhler-Institut führt den Dialog mit den anderen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, beispielsweise durch die Mitarbeit in ökumenischen Gremien.  
Dem Wissenschaftlichen Beirat des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik gehören 30 Theologinnen und Theologen aus dem In- und Ausland an. Das Institut trägt den Namen des katholischen Theologen Johann Adam Möhler (1796-1838), der in Tübingen und später in München die wissenschaftliche Erforschung der Lehrunterschiede zwischen den Konfessionen begründet hat. In Paderborn gibt es die größte Spezial-Bibliothek für Ökumenik, die über 160.000 Bände und circa 200 laufende Zeitschriften umfasst.