Professor Blomberg verteilt gute Noten

Parallele Monoedukation am Gymnasium St. Michael mit positiver Bilanz nach drei Jahren

Professor Dr. Christoph Blomberg (l.) und Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, informieren sich in einer Jugendklasse des Gymnasiums St. Michael Paderborn.pdpPaderborn, 8. März 2016. Drei Jahre nach der Einführung der parallelen Monoedukation am Gymnasium St. Michael in Paderborn zog Professor Dr. Christoph Blomberg (Katholische Hochschule NRW Paderborn) bei der Vorstellung seiner Studie eine positive Bilanz: Das Experiment, Jungen am katholischen Gymnasium aufzunehmen, aber in den Klassen 5 bis 9 getrennt von den Mädchen unterrichten zu lassen, sei gelungen.

„Getrennt lernen – Gemeinschaft leben“, dieses Konzept habe sich am Gymnasium St. Michael bewährt. Ein Zeichen dafür sei, so Professor Blomberg, dass es sowohl bei den Schülerinnen als auch bei den Schülern eine hohe Identifikation mit der Schule gäbe. Gemeinsam mit Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat, Eva Jansen, Leiterin der Abteilung „Katholische Schulen in freier Trägerschaft“, Schulleiterin Elisabeth Cremer und Stefan Jung, Koordinator der Parallelen Monoedukation am Gymnasium, zog Professor Blomberg in einem Pressegespräch sein Fazit.

Ab dem Schuljahr 2013/2014 führte das Gymnasium St. Michael die parallele Monoedukation ein. Mittlerweile gibt es drei Jungenklassen in den Jahrgängen 5 bis 7. „Nach den Sommerferien wird eine weitere Jungenklasse hinzukommen“, sagte Schulleiterin Elisabeth Cremer. 82 Jungen gehören derzeit der 879-köpfigen Schülerschaft an. Ab der Oberstufe würde dann gemischt unterrichtet, ab Jahrgangsstufe 8 bereits in Wahlpflichtfächern.

Professor Dr. Christoph Blomberg analysierte die parallele Monoedukation am Gymnasium St. Michael.pdpDie Analyse von Professor Christoph Blomberg beruht auf einer Befragung von zwei Lehrkräften (männlich und weiblich) sowie zwei Jungen- und zwei Mädchengruppen zu je vier Kindern, die möglichst einen Querschnitt des Klassenprofils darstellen sollten.   Erfahrungen von Geschwistern, Gebäude und Räumlichkeiten sowie Eindrücke beim Tag der offenen Tür seien für die meisten Schülerinnen und Schüler Gründe gewesen, sich für das Gymnasium St. Michael zu entscheiden. Eine bewusste Entscheidung für die „Klassentrennung nach Geschlecht“ habe nur in Einzelfällen eine Rolle gespielt. Gute Klassengemeinschaften bis hin zur „Corporate Identity“ stehen im Vordergrund, auch die Unterrichtsbewertung fiel seitens der Schüler mit Noten zwischen „sehr gut und gut“ sehr positiv aus. Gar kein Verständnis hatten die Jungen für Vorurteile von Freunden gegen eine zu „traditionelle, katholische Schule“.

Vorteile der parallelen Monoedukation nannten jedoch auch die befragten Schülerinnen und Schüler. Mädchen sind froh, dass Jungen nicht an ihrem Sportunterricht  oder an der Sexualkunde teilnehmen. Die männlichen Schüler freuen sich auf „ungestörten“ Sportunterricht sowie einen „Mädchen freien Sprachunterricht“ – weil diese möglicherweise bessere Sprachkompetenzen hätten.   Eine gute Lehrkraft wird nach Kenntnis, didaktischer Fähigkeit, Verständnis für die Zielgruppe und Humor von Schülerinnen und Schülern beurteilt. Jungen bewundern noch „Coolness“. Bei Gesprächsbedarf in Konfliktsituationen spielen die Art der Beziehung und des Konflikts eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des Gesprächspartners.

Wenngleich Jungenklassen öfter eine Pause brauchen, so gaben die Lehrerinnen und Lehrer auch an, dass sie die Erfahrung mit den Jungen als Bereicherung erleben und auch den Unterricht für die Mädchenklassen neu reflektieren.

Schüler der Jungendklasse am Gymnasium St. Michael.pdp„Warum wählen Kinder eine Schule“, fragte Professor Blomberg, um selbst die Bedeutung zu erläutern: „Raum ist der dritte Erzieher und ist damit wichtig.“ In der Raumanalyse sei schnell klar geworden, dass der Sportplatz am Gymnasium St. Michael vom Verweilort (für Mädchen) zum Bewegungsort (für Jungen) geworden war. Um diesem Konflikt aus dem Weg zu gehen, habe man den Raum erweitert und zum Beispiel auch neue Sitzmöbel angeschafft. „Schließlich“, so Schulleiterin Cremer, „haben aber auch die Mädchen angefangen, sich zu bewegen und sich motiviert gefühlt.“   Nach den Untersuchungen von Professor Blomberg bleibt als Fazit stehen: Jungenklassen fordern bereichernd heraus. Die Trennung wird ebenso als Jungen- wie als Mädchenförderung verstanden. Die Schülerschaft fühlt sich wohl und reflektiert differenziert. Eine individuelle Förderung statt Stereotypisierung ist möglich.