„Der Barmherzigkeit Gottes mehr bewusst werden“

Hirtenbrief von Erzbischof Hans-Josef Becker zur Fastenzeit 2016

Erzbischof Hans-Josef BeckerpdpPaderborn, 13. Februar 2016. „Der Glaube an die Barmherzigkeit Gottes ruft nach Konsequenzen. Ohne einen zugewandten Blick zum Menschen gibt es kein Zeugnis für die Barmherzigkeit“, schreibt Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 2016, der das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ zum Thema hat. „Das Heilige Jahr kann auch dazu genutzt werden, ein solches zugewandtes menschliches Verhalten einzuüben oder darum zu bitten, es zu lernen.“ Das Hirtenwort des Paderborner Erzbischofs wird am ersten Fastensonntag in allen Gemeinden des Erzbistums Paderborn verlesen und steht als Broschüre zur Verfügung.

Erzbischof Hans-Josef Becker verdeutlicht in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 2016 die hohe Aktualität des Themas „Barmherzigkeit“: „In den letzten wie in den kommenden Monaten wird die Verpflichtung, barmherzig zu handeln, ganz konkret durch die große Zahl der Flüchtlinge, die in unser Land kommen.“ Er sei äußerst dankbar dafür, dass sehr viele die damit verbundene Herausforderung „auf großherzige Weise“ annehmen. Damit werde auch ein Zeichen gesetzt gegen eine zunehmende Polarisierung und gegen psychische und physische Gewalt in der Gesellschaft.

In seinem Hirtenwort würdigt Erzbischof Becker das Engagement für Flüchtlinge weiter mit dem Hinweis, damit werde dazu beigetragen, dass die Kirche ihren zentralen Auftrag erfülle, ein Zeichen zu sein für die Liebe Gottes zu allen Menschen. Diese Liebe Gottes zu allen Menschen müsse konkret erfahrbar werden, fordert er und zitiert Papst Franziskus mit den Worten: „Gott beschränkt sich nicht darauf, seine Liebe zu beteuern, sondern er macht sie sichtbar und greifbar“.

Die erkennbaren Schwierigkeiten bei der Weitergabe des Glaubens und bei der Neuausrichtung des Gemeindelebens seien im Licht der Barmherzigkeit Gottes nicht in erster Linie Anlass zum Klagen, vielmehr vor allem Auftrag zum Lernen und zum Neuansatz, führt Erzbischof Becker aus. „Könnte es nicht sein, dass wir im kirchlichen Leben glücklicher, freudiger und gelassener wären, wenn wir uns der Barmherzigkeit Gottes mehr als bisher bewusst würden? Und wenn wir als Konsequenz daraus unsere Absichten, Einstellungen und unser Verhalten im tagtäglichen Handeln unter dem Aspekt der Barmherzigkeit überprüften?“, fragt der Paderborner Oberhirte. Natürlich sei es eine Herausforderung, ein ehrliches und offenes Gespräch miteinander zu führen, lernen zu wollen, sich zu überprüfen und zu ändern. „Doch es steht uns allen ohne Ausnahme gut an. Ich schließe mich hier ausdrücklich ein“, so Erzbischof Becker. Ohne die Bereitschaft zur Überprüfung von Absichten, Einstellungen und Verhalten werde Evangelisierung nicht gelingen. „Ohne Umkehr ist kein Neuaufbruch im Glauben zu haben, den sich in der Kirche doch so viele wünschen.“ „Nur gemeinsam und miteinander sind wir Kirche Jesu Christi, niemals nebeneinander oder gar gegeneinander.“

In seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 2016 bietet Erzbischof Hans-Josef Becker als Orientierung eine „Schrittfolge der Barmherzigkeit an. Sie könne helfen, die eigenen Absichten, Einstellungen und das Verhalten zu überprüfen, vor allem im tagtäglichen Handeln: „1. Schritt: Ich überprüfe, ob ich ernsthaft mit er Liebe Gottes rechne, die immer größer ist als meine eigenen Grenzen und Schwächen – und auch als mein Scheitern und meine Schuld. 2. Schritt: Ich überprüfe, ob ich die Liebe Gottes existenziell annehmen will. Ich frage mich: Ist die Liebe Gottes mehr als ein Gedanke im Kopf, als ein Satz, den ich im Munde führe? Bin ich mit ganzem Herzen bereit, mich von den geöffneten Armen des Vaters umfangen zu lassen? 3. Schritt: Ich frage mich, woran ich bei anderen und andere bei mir spüren können, dass die Liebe Gottes mich existenziell berührt. 4. Schritt: Ich überprüfe, mit welcher Haltung ich anderen Menschen begegne. Ist meine Grundannahme eher zugewandt und zutrauend geprägt, oder blicke ich zunächst auf Fehler und Defizite?“

Papst Franziskus hatte am 8. Dezember 2015 das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ für die Weltkirche im Vatikan eröffnet, Erzbischof Becker öffnete am 13. Dezember 2015 die „Heilige Pforte“ im Paradiesportal des Paderborner Doms und startete so offiziell das Heilige Jahr der Barmherzigkeit im Erzbistum Paderborn.

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