„Eine Tür zu neuen Räumen“

Mit der Öffnung der „Heiligen Pforte“ am Hohen Dom durch Erzbischof Becker hat im Erzbistum Paderborn das „Heilige Jahr“ begonnen

Nach einer Prozession von der Gaukirche zum Hohen Dom versammelte sich die Gottesdienstgemeinde am Paradiesportal des Hohen Domes, wo Erzbischof Hans-Josef Becker (Mitte) die Heilige Pforte öffnete.pdp Paderborn, 13. Dezember 2015. Im Erzbistum Paderborn hat das von Papst Franziskus ausgerufene „außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ nun offiziell begonnen. Erzbischof Hans-Josef Becker öffnete am 13. Dezember 2015, dem dritten Sonntag im Advent, die „Heilige Pforte“ im Paradiesportal des Hohen Doms zu Paderborn und feierte ein Pontifikalamt. Bereits am 8. Dezember 2015 hatte Papst Franziskus das „Heilige Jahr“ in Rom für die Weltkirche eröffnet und die „Heilige Pforte“ am Petersdom geöffnet. Erstmalig in der Geschichte der Kirche gibt es aus Anlass des Heiligen Jahres außerhalb des Vatikans in jeder Bischofskirche der Welt eine Heilige Pforte.

Im Erzbistum Paderborn begannen die Eröffnungsfeierlichkeiten mit einer Statio in der Paderborner Gaukirche, in der sich alle Gottesdienstteilnehmer versammelten. „Das ist der Beginn eines Jahres, das zu einer besonderen Erfahrung der Gnade und der Versöhnung werden soll“, sagte Erzbischof Becker zur Einführung. Dann wurde der Beginn jener Verkündigungsbulle vorgelesen, mit der Papst Franziskus das „Heilige Jahr“ angekündigt hatte. „Es gibt Augenblicke, in denen wir aufgerufen sind, in ganz besonderer Weise den Blick auf die Barmherzigkeit zu richten und dabei selbst zum wirkungsvollen Zeichen des Handelns des Vaters zu werden“, heißt es in der Bulle des Papstes. „Genau darum habe ich ein außerordentliches Jubiläum der Barmherzigkeit ausgerufen.“

Mit dem Evangeliar in den Händen betrat Erzbischof Hans-Josef Becker als erster durch die Heilige Pforte den Hohen Dom.pdp Nach dem Verlesen der päpstlichen Verkündigungsbulle folgte eine Prozession der Gottesdienstgemeinde von der Gaukirche zum Paradiesportal des Paderborner Doms. Vor der Heiligen Pforte zitierte Erzbischof Becker einen Vers aus Psalm 118: „Öffnet die Tore der Gerechtigkeit; lasst uns eintreten, um dem Herrn zu danken.“ Während des Öffnens der Pforte fuhr er fort: „Das ist das Tor zum Herrn: Durch dieses Tor treten wir ein, um Barmherzigkeit und Vergebung zu erlangen.“ Zum bekannten Adventslied „Macht hoch die Tür“ trat Erzbischof Becker als erster durch die „Heilige Pforte“, gefolgt von allen anderen Gläubigen. Nach einem Taufgedächtnis wurde das Pontifikalamt fortgesetzt.

„Türen öffnen neue Räume“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt. „Es ist wohl diese menschliche Erfahrung, die die Kirche bewogen hat und bewegt, zu den seltenen Heiligen Jahren in wichtigen Kirchen sogenannte Heilige Pforten einzurichten.“ Das außerordentliche „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ richte den Blick jedoch nicht allein auf die eigene Person und die eigene Gotteserfahrung. Dies wäre eine Art von „Heils-Egoismus“, der dem Christentum entgegenstehe, so der Erzbischof. „Die Beziehung zu Gott, die erfahrene Liebe, treibt uns dazu an, diese Liebe an den Mitmenschen, unseren Nächsten weiterzugeben“, fuhr er fort. „Was für ein schönes Zusammentreffen, dass wir das 100jährige Jubiläum unseres Diözesancaritasverbandes genau am Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit gefeiert haben!“ 

Nach dem Öffnen der Hl. Pforte feierte Erzbischof Becker (3.v.l.) im Hohen Dom zu Paderborn ein Pontifikalamt. Es konzelebrierten (v.l.) Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Weihbischof Matthias König, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Dechant Benedikt Fischer.pdp Erzbischof Becker kam in seiner Predigt auch auf die derzeitige Flüchtlingssituation zu sprechen. „Zurzeit erfahren wir in unserem Land und darüber hinaus ganz konkret, was es bedeutet, zur Nächstenliebe herausgefordert zu sein“, sagte er. „Es macht mich wirklich froh zu sehen, wie die Not der Menschen, die zu uns flüchten, unsere Gemeinden und Gemeinschaften aus den gewohnten Bahnen herausreißt und sie antreibt zu Engagement und Hilfsbereitschaft.“ Er ermutigte dazu, dieses Tun auch in die Öffentlichkeit zu tragen: „Denn gute Beispiele und Vorbilder können wiederum auch andere Menschen auf gute Ideen bringen.“ Dies geschehe nicht zum Eigenlob, sondern zum Wohl der Notleidenden – und dies sei aller Mühe wert. Am Ende des Pontifikalamtes spendete Erzbischof Becker den Gläubigen den Päpstlichen Segen.

Im Anschluss wurde im Konrad-Martin-Haus für alle Interessierten der Film „Das Zweite Vatikanische Konzil – Rückblick und Erinnerung“ gezeigt, der vom Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit (IRUM) aus verschiedenen Quellen zusammengeschnitten worden war. Verarbeitet wurden Szenen aus dem Film „Das II. Vatikanische Konzil. Ein Film von Luca Rolandi“ sowie Interviews aus dem Forschungsprojekt „Spurensuche II. Vatikanisches Konzil“ des Forschungssemesters 2012 an der Katholischen Hochschule (KatHO) NW, Abteilung Paderborn. 

Ausgehend von dem Film stellte Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter des Projektes Bistumsentwicklung im Erzbischöflichen Generalvikariat, einen Zusammenhang zwischen dem Jahr der Barmherzigkeit und dem II. Vatikanischen Konzil her. Msgr. Dr. Bredeck hob hervor, dass das Konzil auch eine Begegnung der Kirche mit den Menschen sowie ein geistlicher Prozess gewesen sei. Mit den Worten von Papst Johannes XXIII., der das Konzil einberufen hatte, habe dieser Prozess die Kirche aus ihrer „privilegierten Festung“ und einer „geistlichen Dürre“ herausgeführt. Heute stehe die Kirche in einer ähnlichen Situation und müsse auf diese Herausforderung reagieren, so Msgr. Dr. Bredeck. „Je mehr wir das Thema ‚Barmherzigkeit‘ reflektieren, desto mehr gehen wir in die Schule des Konzils“, sagte er. Die Reflexion dieses Thema könne ein Heilmittel für viele interne, von Konflikten begleitete Prozesse sein.

Erzbischof Becker erhielt in seiner Funktion als Vorsitzender der Kommission Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz eine religionspädagogische Arbeitshilfe für den Religionsunterricht und die Katechese überreicht. Diese wurde vom Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit (IRUM) zusammen mit den religionspädagogischen Abteilungen in den Generalvikariaten in Limburg und Trier herausgegeben und von Andreas Thelen-Eiselen aus Koblenz verfasst. Der Titel der Arbeitshilfe lautet: „Barmherzigkeit – ein Arbeitsheft zum Anliegen des Heiligen Jahres“.  

Am 1. Januar 2016 wird in einem feierlichen Gottesdienst um 10 Uhr in der Wallfahrtsbasilika in Werl eine weitere „Heilige Pforte“ im Erzbistum Paderborn geöffnet. Den Feierlichkeiten wird der Speyrer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, ehemliger Weihbischof in Paderborn, vorstehen. 

Info: Die Arbeitshilfe „Barmherzigkeit – ein Arbeitsheft zum Anliegen des Heiligen Jahres“ kann ab sofort für 4 Euro beim Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit (IRUM) bestellt werden: Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit (IRUM), Am Stadelhof 10-12, 33098 Paderborn, Tel. (0 52 51) 1 25 1900,