Kultur der Achtsamkeit entwickeln

Die Referenten und Organisatoren der Fachtagung in Dortmund waren mit der Resonanz sehr zufrieden.pdpPaderborn, 23. November 2015. „Es hat Mut gemacht, ein so volles Haus mit zahlreichen Teilnehmern zu haben“, freute sich Karl-Heinz Stahl, Präventionsbeauftragter des Erzbistums Paderborn, über das große Interesse an der Fachtagung „Augen auf - hinsehen und schützen - Schutzkonzepte im Fokus“. Rund 90 Interessenten aus der gesamten Erzdiözese waren zur Veranstaltung des Erzbistums Paderborn in das Sozialinstitut Kommende nach Dortmund gekommen. „Eine Resonanz, die Mut macht für den Blick auf eine Kultur der Achtsamkeit.“

Die Fachtagung, die von der Koordinationsstelle Prävention im Erzbistum Paderborn vorbereitet wurde, bot eine gute Mischung von Informationen aus Wissenschaft und Praxis. Die Entwicklung und der praktische Einsatz „institutioneller Schutzkonzepte“ in den Pastoralverbünden, Pastoralen Räumen, Kirchengemeinden sowie in Einrichtungen und Verbänden des Erzbistums Paderborn ist das Ziel der Präventionsordnung.

„Wir sind eine lernende Institution und auf dem Weg, weiter zu lernen. Wir sind wie ein Puzzle, das an der Ecke erkennbar ist, und sich dann von den Rändern zum Ganzen entwickelt“, fasste Karl-Heinz Stahl zusammen. Nach den umfassenden Schulungen der letzten Monate in Pastoralverbünden, Institutionen, Verbänden und Schulen stehen nun die Schutzkonzepte im Blickpunkt, die individuell und unter Einbeziehung aller Beteiligten entwickelt werden sollen.

„Tragfähige Schutzkonzepte funktionieren nur, wenn sich die Haltung bei allen ändert“, stellt Karl-Heinz Stahl fest und erläuterte, dass die Schutzkonzepte nur in einem gemeinsamen Prozess entstehen könnten: „Beteiligungsorientiert und eine passgenaue Entwicklung angemessen abgestimmt auf die jeweilige Situation und Institution.“ Dabei wolle das Projekt „Prävention“ mit dem Schutzkonzept mehr als allein Kinder und Jugendliche in den Blick nehmen, aber diese beiden Gruppen besonders.

Dr. Martin Wazlawik (l.) und Dr. Michael Böwer.pdpDie wissenschaftliche Seite beleuchtete Dr. Michael Böwer, der die „Kultur der Achtsamkeit“ bereits in Amerika kennengelernt hatte, und den Fachtag-Teilnehmern aktuellen Forschungsstand und -erkenntnisse näher brachte. „Was lehrt der Blick der Forschung durch die ‚Glasdecke‘ der Institutionen“ - diese Fragestellung durchzog seinen Vortrag über den Schutz in Institutionen. Die Forschungen hätten ergeben, dass bei einer Wahrnehmung der Fall selbst schon länger zurückliege und die Betroffenen oft keine Ansprechpartner finden konnten. „Sorge tragen und Sicherheit schaffen müssen Vermeidungs- und Verschiebestrategien gegenüberstehen“, so Dr. Böwer. Die Kultur der Achtsamkeit müsse entstehen, forderte der Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit am Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn, und fasste zusammen: „Kontrolle des Erwarteten, Management des Unerwarteten.“

Aus der Praxis der Schutzkonzepte und der Auswertung von Befragungen von Kinder und Jugendlichen berichtete Dr. Martin Wazlawik (Westfälische Wilhelms-Universität Münster). Im Verständnis der sexuellen Gewalt standen die vier Erklärungsmuster im Fokus: institutionell, ideologisch, naturalistisch-biologisch und interaktionales.

„Jugendliche fühlen sich sicher, wenn es Beschwerdestellen, Konzepte und auch Mitbestimmung gibt“, so Dr. Wazlawik, der davor warnte, dass Konzepte nur aufgelistet würden, statt sie gemeinsam zu erarbeiten. „Die Regeln müssen vor allem praktisch sein. Die Erfahrung zeigt leider, dass es wenig gesamte Schutzkonzepte gibt, dafür Einzelmaßnahmen. Oft sind Schutzkonzepte auch nur Aktenwissen.“

Dr. Michael Wazlawik gab fünf wichtige Tipps mit auf den Weg:

- Bleiben Sie und werden Sie achtsam.
- Keine Schutzkonzepte mit einfachem Kopieren erstellen.
- Misstrauen Sie einfachen Baukastenlösungen.
- Sie können sich um mehr Zuverlässigkeit bemühen.
- Sorgen Sie für mehr Räume der Reflexion.

„Schutzkonzepte müssen ein Schutzprozess bleiben“, forderte Dr. Wazlawik. Er ermutigte, die Weite und Unabgeschlossenheit auszuhalten: „Ein komplexes Thema, das nicht in Kürze umsetzbar ist.“ 

Karl-Heinz Stahl, Präventionsbeauftragter des Erzbistums Paderborn, forderte eine Kultur der Achtsamkeit.pdp   Hettwich vom Himmelsberg - alias Anja Geuecke - fasste die Ergebnisse auf ihre ganz besondere Art zusammen.pdp  Claudia Schmidt berichtete vom Projekt \"Schutzkonzepte\" im Pastoralverbund Eving-Brechten.pdp