Kreuzaltar im Paderborner Dom umfassend restauriert

Dompropst Joachim Göbel (r.) Stephanie Kroll und Bernhard Schulte vom Bauamt des Erzbischöflichen Generalvikariats mit den Restauratorinnen Monika Voß-Raker, Gisela Tilly und Andrea Peter (v.l.).pdp Paderborn, 5. Oktober 2015. An den Seiten des Kreuzaltars im Hohen Dom zu Paderborn stehen die Statuen des heiligen Liborius und des heiligen Kilian. Seine Mitte wird geprägt durch ein Bild des leidenden Christus. Dem aufmerksamen Betrachter fallen die Plastiken von Stephanus und Laurentius auf, das Gemälde der Gottesmutter Maria und im oberen Teil das Relief einer Pietà sowie eine Kreuzigungsgruppe:  Der Kreuzaltar an der südlichen Querhaus-Südwand des Hohen Doms zu Paderborn ist reich an Relief- und Skulpturenbestand, der jetzt restauriert wurde.

Momentan ist der Kreuzaltar jedoch ein wenig von einem Gerüst verdeckt, da an ihm noc Restaurierungsarbeiten direkt im Dom vorgenommen werden. Die aus Werl stammende Restauratorin Monika Voss-Raker ist mit den Arbeiten beauftragt. „Für das Erzbistum habe ich schon oft Aufträge erfüllt, jedoch ist es das erste Kunstwerk im Hohen Dom“, so Voss-Raker.

Bereits Anfang Juni wurde der dreiteilige Altar teilweise abgebaut und in einer Schreinerwerkstatt bearbeitet. Wichtig für die Restaurierung war auch, dass der aus Holz bestehende Kreuzaltar von der Wand abgerückt wurde, um das Material lüften zu können. Mittlerweile ist der Altar - bestehend aus Altartisch, Predella (Gemälde oder Schnitzerei unterhalb eines Altarbildes), Mittelteil und zweigeteilter Bekrönung - wieder aufgebaut, jedoch noch nicht im neuen „Glanze“ vollends einzusehen.

Die Restauratorinnen Monika Voss-Raker sowie Andrea Peter (Werl) und Gisela Tilly (Paderborn) müssen restliche Arbeiten vor Ort ausführen. Dabei ist ihr Handwerkszeug recht unterschiedlich, denn die notwendigen Arbeitsschritte sind festigen, kitten und restaurieren. Das heißt, dass der freigelegte Zustand erst einmal stabilisiert werden muss. Schließlich wird eine Schicht auf ein Niveau geglättet, um die neue Farbschicht aufzubringen. „Bei der Vergoldung der Flächen der Figuren war es wichtig, die Neu-Vergoldung mit den Alt-Gold-Flächen wieder stimmig zu machen“, betont Monika Voss-Raker.

Der Kreuzaltar, der um 1603 und 1620 entstand, weist bereits frühere Restaurierungen auf. 1653 wurden die einzelnen Teile des Altars zum Kreuzaltar zusammengefügt. Vor zehn Jahren standen schon einmal Festigungsmaßnahmen, Oberflächenreinigung, bildhauerische Arbeiten und die Befestigung der Figur des heiligen Laurentius an.

Eine erneute Restaurierung wurde erforderlich, da sich im Holz durch zwischenzeitlichen Befall durch Holzschädlinge unter der Fassung Fraßgänge gebildet hatten und Ausfuglöcher sichtbar wurden. Ausbrüche im Holz waren an mehreren Stellen im Verlauf der Maserung sichtbar, Befestigungsnägel waren korrodiert.

Monika Voß-Raker, Restauratorin aus Werl, bei ihrer Arbeit am Kreuzaltar.pdp Die Farbfassung des Altars zeigte zum Teil einen freigelegten Zustand. In diesen Bereichen markieren sich Retuschen als matte Flächen in der Malschicht oder sind farblich nicht mehr passend. Verbräunte Trielen entstellten die graue Fassung. Dabei handelte es sich vermutlich um Reste von eingebrachten Holzschutzmitteln. Vergoldungen an den Gewandsäumen und Attributen waren nur zur Sichtseite vorhanden. „Zudem hatten sich auch einige Farbschollen gelöst“, beschreibt Restauratorin Monika Voss-Raker.

Neben der nun erfolgten neuen Konservierung und Restaurierung des Kreuzaltars wurden auch plastische Fehlstellen in der Schnitzerei bildhauerisch ergänzt und mit Dübeln angesetzt und verleimt.

Hintergrund 
Der Südflügel des Ostquerschiffs trägt den Namen „Pfarrwinkel“. Dieser rührt von der früheren Dompfarrei her, die hier seit der barocken Umgestaltung des Domes bis zum Zweiten Weltkrieg Gottesdienst feierte.
Im Jahre 1603 hatte Dompropst Arnold von Horst einen Kreuzaltar als Pfarraltar für diese Gemeinde bei Heinrich Gröninger in Auftrag gegeben. Dieser Altar stand zunächst vor dem Lettner im Mittelschiff, wurde 1653 in den Pfarrwinkel verlegt und auf einen anderen, wohl um 1600 geschaffenen Altar gesetzt. (aus „Der Hohe Dom zu Paderborn“)

Restauratorin Andrea Peter.pdp   Restauratorin Gisela Tilly.pdp