Schwestern hinterlassen Spuren nach 70-jährigem Wirken

Schwester Petra, Marion Klaus, Dr. Gabriele Brosnio, Schwester Hiltrud, Dr. Werner Sosna, Schwester Manuela, Schwester Magdalena Krol (Generaloberin), Prälat Thomas Dornseifer, Schwester Alexa Weismüler (Provinzialoberin), Stephan Winzek.pdp Paderborn, 11. September 2015. „Die Schwestern der Olper Franziskanerinnen haben hier im Liborianum ihre Spuren hinterlassen, die für uns Ansporn sind, ihre Arbeit weiterzuführen“, stellte Prälat Thomas Dornseifer, stellvertretender Generalvikar und Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste, vor allem den Dank in der Vordergrund. 70 Jahre waren Schwestern der Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung aus Olpe die „gute Seele“ im Liborianum, nun verlassen mit Schwester Hiltrud, Schwester Manuela und Schwester Petra die letzten Ordensschwestern das Bildungs- und Gästehaus des Erzbistums Paderborn.

Auch wenn die 70-jährige Geschichte der Schwestern der Olper Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung im Bildungshaus Liborianum nun ende und dies sehr schade sei, so gäbe es doch keinen Grund zu lamentieren, stellte Prälat Thomas Dornseifer in seiner Ansprache im Gottesdienst in der Kapuzinerkirche anlässlich der Verabschiedung fest: „Wir dürfen die Augen vor der Realität nicht verschließen.“ Neue Aufgaben warten auf die drei Schwestern, die den kleinen Konvent in Paderborn bisher bildeten: Schwester Hiltrud geht in den verdienten Ruhestand nach Drolshagen. Schwester Manuela übernimmt ähnliche Aufgaben wie bisher im Mutterhaus in Olpe. Schwester Petra wechselt als Oberin nach Bonn zu einem Konvent im Bereich der Krankenpflege.

Mit einem feierlichen Gottesdienst und dem anschließenden Empfang in der Aula des Liborianums wurde die Arbeit der Ordensschwestern über sieben Jahrzehnte gewürdigt. Die hohe Wertschätzung bestätigte sich durch die zahlreichen Gäste bei der Verabschiedung.

Der Einzug der Ordensschwestern der Olper Franziskanerinnen begann vor 70 Jahren in einer schwierigen Zeit. Paderborn war von den Bombenangriffen am 22. und 27. Mai 1945 zerstört worden, auch das Liborianum war davon stark betroffen. Eine Dombauhütte und eine Lehrwerkstatt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, die Betreuung sollten Schwestern übernehmen. Noch im gleichen Jahr kam auf Einladung von Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger ein Konvent der Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung aus Olpe ins Liborianum und lebte zuerst im Keller des zerstörten Gebäudes. Damit wurde die im 17. Jahrhundert als Kapuzinerkloster erbaute Anlage erneut zu einem Ort klösterlichen Lebens, an dem Arbeit und Gebet eine Einheit fanden.

Prälat Thomas Dornseifer überreichte Schwester Magdalena Krol eine Urkunde für „ewige Gastfreundschaft“.pdp Stephan Winzek, Direktor des Liborianums, zeigte in seinem Rückblick exemplarisch einige Eckpunkte auf. In den Anfangsjahren war vor allem Schwester Heleni als „gute Seele und Ersatzmutter“ bekannt. Neue Aufgaben warteten auf die Schwestern ab 1950, als im Haus auch das Knabenseminar des Erzbistums untergebracht war. 1979 wurde das Liborianum zum Bildungshaus, dem 1999 auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl einen Besuch abstattete. 45 Schwestern sind in der 70-jährigen Geschichte namentlich bekannt, neun Oberinnen (in zehn Amtszeiten) leiteten den Konvent im Liborianum. „Was gewachsen ist, das bleibt. Dabei zählt nicht nur die Arbeitsleistung, sondern das Miteinander und die persönlichen Kontakte“, so Stephan Winzek mit hoher  Anerkennung.

„Aus tiefster Christus Überzeugung haben Sie sich unermüdlich in dieses Haus eingebracht zu unterschiedlichen Zeiten“, betonte Prälat Thomas Dornseifer, der auch im Namen von Erzbischof Hans-Josef Becker allen Schwestern, die die Geschichte mitgestaltet haben, Dank aussprach und ein besonderes Geschenk überreichte: „Immer dann, wenn eine Schwester Ihres Ordens in Paderborn weilt, dann soll sie unser Gast sein – egal ob als Einzelperson oder als Gruppe.“ Außerdem versicherte Prälat Dornseifer, dass der Kontakt zwischen Erzbistum und den Ordenschwestern der Olper Franziskanerinnen lebendig gepflegt werde.

Die Replik eines bei Ausgrabungen am Dom gefundenen Pilgerzeichens aus dem 14. Jahrhundert überreichte Dompropst Monsignore Joachim Göbel den Schwestern.pdp Die Replik eines bei Ausgrabungen am Paderborner Dom gefundenen Pilgerzeichens aus dem 14. Jahrhundert überreichte Dompropst Monsignore Joachim Göbel den Schwestern des Liborianums als Geschenk: „Sie haben nicht nur gekocht, sondern Sie können für sich in Anspruch nehmen: Wir haben am Hohen Dom mitgebaut!“

Das Trümmerfoto des Liborianum aus dem Jahr 1945 habe sie nicht losgelassen, erklärte Schwester Magdalena Krol, Generaloberin der Schwestern der Olper Franziskanerinnen. Der Dienst im Verborgenen des damaligen Kellers sei zu einer Schlüsselsituation geworden. Ein Dienst, auf den keine Einrichtung verzichten könne, der aber oftmals einen Platz zwischen Wertschätzung und Unverständnis habe. Die Schwestern hätten zugleich den Service-Gedanken des Liborianums geprägt. Schwester Magdalena Krol: „Die Schwestern konnten die zahlreichen Veränderungen über die Jahre aushalten und mitgestalten. Sie werden aus der guten Erfahrung der Vergangenheit auch für die Zukunft etwas mitnehmen. Der Weggang eines Ordens aus einer Einrichtung wird eine Lücke hinterlassen – das wissen Sie und werden Sie noch zu merken bekommen.“ Sie erhielt für diese Worte viel Applaus.