Segnend und schützend stehen Apostelfiguren über den Dächern von Paderborn

Eigentlich zieren die Figuren der Apostel den südlichen Querhausgiebel des Paderborner Doms. Die Sanierungsarbeiten am Hohen Dom ermöglichten die Erneuerung einiger Giebelfiguren. Dompropst Monsignore Joachim Göbel nutzte die einmalige Gelegenheit, die Figuren genauer zu begutachten.pdp Paderborn, 28. April 2015. Die Sanierungsarbeiten am Hohen Dom zu Paderborn machen das möglich, was unter normalen Umständen eigentlich unmöglich ist: den sonst auf den Giebeln des Paderborner Domes platzierten (Heiligen-)Figuren von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen, ihnen quasi in ihre steinernen Augen zu schauen. Bei der schrittweise erfolgenden neuen Eindeckung des Daches wird auch die Fassade des Hohen Domes überprüft und Schäden an den Figuren auf und in den Giebeln werden beseitigt. Die Figuren des südlichen Querhausgiebels wurden am Dienstag wieder an ihrem Platz in luftiger Höhe aufgestellt, von wo aus sie weithin sichtbar auf die Stadt und die darin lebenden Menschen schützend und segnend schauen. Nun ist ihre Reihe auf dem Giebel wieder komplett.

Die Giebelfiguren des südlichen Querhauses wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gefertigt und standen seitdem in luftiger Höhe. Jesus Christus an der Giebelspitze, jeweils rechts daneben der Apostel Paulus, Johannes der Täufer und der Apostel Andreas. Auf der linken Seite von Jesus standen in einer Reihe der Apostel Petrus, darunter ein Unbekannter und unten der Apostel Bartholomäus. Mit der Zeit rosteten jedoch die aus Eisen gefertigten Befestigungsdübel, das Volumen vergrößerte sich und drückte den Stein auseinander. Bei der Restaurierung der Figuren wurden durch die Firma ars colendi die Eisendübel ebenso wie die Oberflächenverschmutzung entfernt und Löcher und Risse geschlossen. Auch die Figuren der Mutter Gottes im südlichen Querhausgiebel aus dem 19. Jahrhundert und die beiden mittelalterlichen Figuren des Heiligen Meinwerk und des Simon zur Lippe aus dem 13. Jahrhundert wurden gesäubert und restauriert. Die jetzt aufgestellten Figuren des Apostels Petrus und des Apostels Bartholomäus wurden von Steinmetz- und Steinbildhauermeister Michael Diwo nach dem Vorbild der Originale ganz neu geschlagen. Ebenso die Figur eines Unbekannten, der nicht eindeutig zu identifizieren ist. Die neuen Figuren sind rund 1,5 Meter groß und haben ein Gewicht von 200 bis 250 Kilogramm.

Der Apostel Petrus findet seinen angestammten Platz auf dem südlichen Querhausgiebel des Paderborner Domes. Bildhauer Michael Diwo hat die Figur geschlagen, Dipl.-Restaurator Matthias Rüenauver bringt die Figur wieder an.pdp Dompropst Monsignore Joachim Göbel nutzte die Gelegenheit, die neu gefertigten Giebelfiguren in Augenschein zu nehmen und zu begutachten. Es sei sehr beeindruckend, dem Apostel Petrus von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen und ihm in die Augen schauen zu können, ihm sogar die Hand reichen zu können, freute sich der Dompropst über die nahezu einmalige Gelegenheit, dass die Heiligenfiguren auf der Erde standen, denn so bald wird sich diese Chance nicht wieder ergeben. „Jesus Christus und die Apostel sind das Fundament der Kirche, auf ihnen ist die Kirche erbaut und steht sie. Dass der auferstandene Herr und seine Apostel auch draußen auf dem Giebel des Domes über den Dächern von Paderborn stehen, zeigt den Auftrag an, das Evangelium zu verkünden. Auch wir stehen in dieser Sendung, sind in die Welt und zu den Menschen gesandt“, so Dompropst Monsignore Göbel.

Die derzeit laufenden Sanierungsarbeiten umfassen in erster Linie die Erneuerung der Dacheindeckung der Domkirche, darüber hinaus die Instandsetzung der Fassade sowie die Modernisierung der Elektro-Anlage des Hohen Domes. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg muss derzeit das Dach des Domes vollständig erneuert werden. In der Dachfläche sind zahlreiche Undichtigkeiten entstanden, die Kupferscharen können sich nicht mehr ausreichend thermisch dehnen. Zur Erneuerung werden derzeit schrittweise die Kupferbahnen von der Dachschalung abgenommen, die Schalungsflächen mit neuen Holzbrettern überschalt und auf einer Unterbahn neue Kupferscharen aufgebracht. Die Rinnen erhalten eine neue Bleiauskleidung und die Rinnkehlen werden mit Edelstahlblechen ausgekleidet.

Die Figuren auf dem Giebel des Paderborner Domes haben wieder ihren Platz in luftiger Höhe über den Dächern von Paderborn.pdp Die letzte große Sanierung der Außenflächen des Hohen Domes fand von 1978 bis 1983 statt. Die Flächen, die damals nicht bearbeitet wurden, werden jetzt überprüft und gegebenenfalls zurückhaltend saniert.

Die gesamte Bauphase ist auf zwei Jahre angelegt. Sie soll ihren Abschluss zum Libori-Fest 2015 finden. Die voraussichtlichen Kosten für die Sanierungsarbeiten belaufen sich auf vier Millionen Euro. Aus dem Denkmalschutzprogramm III des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien ist ein Zuschuss in Höhe von 70.000 Euro in Aussicht gestellt, das Land NRW hat keine Fördermittel gewährt.