Tief durchatmen! - Diözesanmuseum Paderborn beteiligt sich am Kunstprojekt „Tatort Paderborn 2014“

Im Takt der Glockenschläge der Uhr des Hohen Domes zu Paderborn wird in der Senke vor dem Ostchor der Bischofskirche eine lungenartige Skulptur „atmen“. Stellten das Projekt des Diözesanmuseums Paderborn im Rahmen von „Tatort Paderborn 2014“ vor: (v.l.n.r.) Medienkünstlerin Claudia Brieske, Museumsdirektor Professor Dr. Christoph Stiegemann, Kurator Professor Dr. Florian Matzner, Domkapitular Msgr. Joachim Göbel, Verwaltungsleiter Dr. Josef Düllings.pdpPaderborn, 28. März 2014. Das Diözesanmuseum Paderborn beteiligt sich in diesem Jahr mit einer Installation der Berliner Medienkünstlerin Claudia Brieske am Kunstprojekt „Tatort Paderborn – Phänomen Fußgängerzone“, kuratiert von Professor Dr. Florian Matzner (München). 100 Tage lang, vom 29. Mai bis 7. September 2014, werden zwölf Arbeiten von überwiegend jungen, international agierenden Künstlerinnen und Künstler im öffentlichen Raum der Paderborner Innenstadt gezeigt. Mit seinem Beitrag nimmt das für große Mittelalterausstellungen international renommierte Diözesanmuseum erneut auch Positionen zeitgenössischer Kunst in den Blick.

An zwei ungewöhnlichen Orten der Paderborner Innenstadt beschäftigt sich die Arbeit „einatmen : ausatmen. Breathing is a business like everything else ...“ von Claudia Brieske mit dem Thema des Atmens als elementarem Lebensvorgang im urbanen Raum. Im Parkhaus unter dem St. Vincenz-Krankenhaus wird in zwei Parkboxen eine rhythmisch getaktete Videoinstallation zu sehen sein. Inspiriert durch den russischen Filmemacher Andrei Tarkowski zeigen die Filmsequenzen ein sich erhebendes und immer wieder zu Boden sinkendes Pferd. Parallel dazu ist in der Senke vor dem Ostchor des Paderborner Doms eine 12 Meter große, lungenartige Skulptur aus Kunststoff platziert, die im Takt der Schläge der Domuhr „atmet“. Alle 15 Minuten bläht sich die monumentale Lunge zu ihrer vollen Größe auf und sackt dann wieder langsam in sich zusammen. Neben einer dezenten Klangtextur verbinden die beiden Arbeiten in der Vorstellung der Künstlerin eine imaginäre unterirdische Linie.

Ein Bild- und Klangraum wird im Parkhaus unter dem St. Vincenz-Krankenhaus entstehen. V.l.n.r.: Kurator Professor Dr. Florian Matzner, Medienkünstlerin Claudia Brieske, Museumsdirektor Professor Dr. Christoph Stiegemann, Verwaltungsleiter Dr. Josef Düllings, Domkapitular Msgr. Joachim Göbel. pdp„Meine Installation wird dem Motiv Atmung bzw. den Atmungsvorgängen durch metaphorische ,Luftröhren‘ im Untergrund des urbanen Raums eine Form geben. Die Bildmetapher, die ich benutze ist eine große ,Pferdelunge‘, die den Lufttransport unter der Stadt plastisch macht“, erläutert Claudia Brieske. Dabei durchläuft der imaginäre Luftstrom vom Parkhaus zur Domsenke nicht irgendein Gebiet: Unter dem Kopfsteinpflaster des Domplatzes ruhen die Gebeine unzähliger Verstorbener, die hier gut 1.200 Jahre lang bestattet wurden. Nicht einmal die mächtigen Paderborner Fürstbischöfe konnten den Paderbornern diese aus hygienischen Gründen sehr bedenkliche Tradition verbieten. Erst 1809 wurde der Friedhof vor dem Dom per königlichem Dekret geschlossen. Aber noch heute stapeln sich die Gebeine der toten Paderborner dort bis zu einer Höhe von drei Metern, was zu den tiefen Senken rund um den Dom geführt hat.

Das Diözesanmuseum Paderborn beteiligt sich mit einer Arbeit von Claudia Brieske am Kunstprojekt „Tatort Paderborn – Phänomen Fußgängerzone“. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde das Projekt vorgestelltL Kurator Professor Dr. Florian Matzner, Medienkünstlerin Claudia Brieske, Museumsdirektor Professor Dr. Christoph Stiegemann.pdp„Die Arbeit von Claudia Brieske lenkt den Blick bewusst in die Tiefen des Stadtraumes und auf die nicht sichtbaren Dinge. So lernt der Betrachter seine Umgebung mit anderen Augen zu sehen“, erläutert Professor Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums. Die Wahl Stiegemanns war bewusst auf die in Berlin lebende Künstlerin gefallen, da sie bereits mit zahlreichen Arbeiten Verlebendigungsprozesse im Stadtraum ins Bild setzte. Die Beziehung zwischen Klang, Bild und Bewegung spielen dabei stets eine besondere Rolle. Ihre Installationen waren schon in Museen und Ausstellungsräumen in Ländern wie Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen, der Schweiz, den USA und Brasilien zu sehen. Claudia Brieske hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 2013 den Medienkunstpreis des Saarländischen Rundfunks.

„Unser Thema ist die Fußgängerzone und die zeigt sich in Paderborn als sehr heterogener Ort. Wenn man Paderborner fragt, wo die Fußgängerzone ist, nennen sie den Domplatz in der Regel nicht. Doch er gehört dazu, hat aber eine ganz eigene Wirkung und historische Bedeutung. Die Arbeit von Claudia Brieske verbindet hier Zonen und Zeiten“, erklärt Professor Dr. Florian Matzner. Neben Claudia Brieske beteiligen sich noch Markus Ambach (Düsseldorf), Benjamin Bergmann (München), Dorothee Golz (Wien), Huang Yong Ping (Paris), Anneli Käsmayr (Bremen), M+M, Martin De Mattia und Marc Weis (München), Ooze Architects: Eva Pfannes und Sylvain Hartenberg (Rotterdam), Raum für Kunst (Paderborn), Clea Stracke und Verena Seibt (München) sowie Silke Wagner (Frankfurt) an „Tatort Paderborn – Phänomen Fußgängerzone“.

Die Städtische Galerie am Abdinghof zeigt parallel zum Kunstprojekt eine Ausstellung zum Entstehungsprozess der einzelnen Arbeiten von „Tatort Paderborn“. Darüber hinaus wird im Diözesanmuseum eine Auswahl früherer Videos von Claudia Brieske zu sehen sein.