Eine neue Selige für das Erzbistum Paderborn

Mutter Maria Theresia Bonzel OSF wurde in feierlichem Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn selig gesprochen

Angelo Kardinal Amato SDB (5.v.l.), Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan, stand dem Pontifikalamt aus Anlass der Seligsprechung vor. Es konzelebrierten v.l. Offizial Abt em. Dr. Dominicus Meier OSB, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Dompropst Weihbischof Manfred Grothe, Erzbischof Hans-Josef Becker, Bischof Kevin Rhoades aus dem Bistum Fort Wayne-South Bend (USA), Weihbischof Matthias König, Generalvikar Alfons Hardt und Pfarrer Clemens Steiling von der Pfarrgemeinde St. Martinus in Olpe. Paderborn, 10. November 2013. Am 18. September 1961 wurde der Seligsprechungsprozess für Mutter Maria Theresia Bonzel OSF, Gründerin und langjährige Generaloberin der „Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung“ in Olpe durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger eröffnet. Nach über 50 Jahren ist der Prozess zum Abschluss gekommen: Im Auftrag von Papst Franziskus wurde am Sonntag Mutter Maria Theresia Bonzel OSF in einem feierlichen Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn von Angelo Kardinal Amato SDB, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan, offiziell in den Kreis der Seligen der Katholischen Kirche aufgenommen. Ihr Festtag wird künftig der 9. Februar sein. In seiner Predigt beschrieb Erzbischof Hans-Josef Becker die neue Selige als eine Person, die die „unaufgebbare Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe exemplarisch und vorbildlich in ihrem Leben umgesetzt hat“.

Zahlreiche Gläubige aus dem ganzen Erzbistum füllten den Hohen Dom zu Paderborn bis auf den letzten Sitzplatz, um das bedeutende Ereignis mitzufeiern. Allein 180 Schwestern der Olper Franziskanerinnen aus Deutschland, den Provinzen in den USA, in Brasilien und von den Philippinen, 60 Familienangehörige der neuen Seligen sowie viele weitere Gläubige aus Olpe und Umgebung waren mit 11 Bussen zur Seligsprechung angereist. Zudem verfolgten zahlreiche Gläubige das Pontifikalamt in der Gaukirche neben dem Dom, in dem die Seligsprechung via Bildschirm übertragen wurde. Auch per Live-Stream im Internet, per Satelliten-Fernsehsender EWTN und per Webradio waren Gläubige „mitten im Geschehen“ dabei – so auch die daheim gebliebenen Ordensschwestern der Olper Franziskanerinnen in den Provinzen in Übersee.

Zu Beginn des Seligsprechungs-Ritus bat Erzbischof Hans-Josef Becker (rechts) Angelo Kardinal Amato SDB (3.v.l.) um die Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel OSF. Angelo Kardinal Amato SDB, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan, feierte das Pontifikalamt aus Anlass der Seligsprechung. Acht Konzelebranten feierten am Altar die Heilige Messe mit: Erzbischof Hans-Josef Becker, Bischof Kevin Rhoades aus dem Bistum Fort Wayne-South Bend (USA), Dompropst Weihbischof Manfred Grothe, Weihbischof Matthias König, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Generalvikar Alfons Hardt, Offizial Abt em. Dr. Dominicus Meier OSB und Pfarrer Clemens Steiling von der Pfarrgemeinde St. Martinus in Olpe. Die musikalische Gestaltung übernahm die Domkantorei Paderborn mit dem Bläserensemble der Hochschule für Musik Detmold unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning sowie Domkantorin Gabriele Sichler-Karle und Domorganist Tobias Aehlig. Als Messordinarium wurde Wolfram Menschicks Missa „De Angelis“ aufgeführt.

Der Akt der Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel OSB folgte einem festen Ritus und fand nach dem Kyrie statt: Zunächst traten Erzbischof Hans-Josef Becker und der Postulator (Anwalt) des Seligsprechungsverfahrens, Dr. Andrea Ambrosi, vor Kardinal Amato. Erzbischof Becker bat um die Seligsprechung von Mutter Maria Theresia. Schwester Mediatrix Nies OSF, langjährige Generaloberin der Olper Franziskanerinnen, gab anschließend einen Überblick über das Leben der neuen Seligen. Danach verlas Kardinal Amato das päpstliche Dekret zur Seligsprechung in lateinischer Sprache, welches Generalvikar Alfons Hardt im Anschluss in deutscher Sprache verlas. Mit einem feierlichen „Amen“ durch Chor und Gemeinde wurde das Dekret beschlossen.

Dann wurde ein Bild der neuen Seligen enthüllt. Kardinal Amato erhielt ein Reliquiar mit Reliquien der neuen Seligen. Nach einem Lobgesang der Gemeinde und der Inzensierung der Reliquien und des Bildes der Seligen Mutter Maria Theresia Bonzel OSF richtete Erzbischof Hans-Josef Becker Dankesworte an den Heiligen Vater und tauschte anschließend, ebenso wie der Postulator des Seligsprechungsverfahrens, den Friedensgruß mit Angelo Kardinal Amato SDB aus.

Im Rahmen des Seligsprechungs-Ritus gab Schwester Mediatrix Nies OSF, langjährige Generaloberin der Olper Franziskanerinnen, einen Überblick über das Leben der neuen Seligen. Im Hintergrund: Erzbischof Hans-Josef Becker. In seiner Predigt sagte Erzbischof Becker, dass es bei der Nächstenliebe, die allgemein als Wesenskern der christlichen Botschaft gelte, immer um die unzerstörbare Würde und den Wert des menschlichen Lebens überhaupt gehe. Mit Sorge nehme er daher gesellschaftliche Entwicklungen wahr, die der Würde menschlichen Lebens keinen angemessenen Platz zugestehen wollten. Als Beispiel nannte der Erzbischof die hohe Zahl von Abtreibungen und Versuche der Manipulation des menschlichen Erbgutes.

Angesichts solcher Tendenzen sei Gott, der durch die Menschwerdung seines Sohnes einen Bund mit „unserer Menschennatur“ geknüpft habe, der Garant der Menschenwürde. Mit seinem ewigen Bund entziehe er die Menschenwürde dem Zugriff des Menschen und mache sie unantastbar. Gott und Mensch könnten aufgrund dieses Bundes nie isoliert voneinander gesehen werden. „Wir können deshalb auch nie bloß allein von Nächstenliebe sprechen. Es ist in der Bibel grundgelegt, dass die Liebe zum Nächsten untrennbar verbunden ist mit der Liebe zu Gott.“

 Mutter Maria Theresia Bonzel OSF habe „diese unaufgebbare Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe exemplarisch und vorbildlich in ihrem Leben umgesetzt“, fuhr Erzbischof Becker fort. „Es ist schon ein besonderes Charisma, aus dem sie geschöpft und das sie ihrer Schwesterngemeinschaft ins Stammbuch geschrieben hat: die Ewige Anbetung des Allerheiligsten und die Sorge für die Kranken und Hilfsbedürftigen.“

In seiner Predigt beschrieb Erzbischof Hans-Josef Becker (links) die neue Selige als eine Person, die die „unaufgebbare Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe exemplarisch und vorbildlich in ihrem Leben umgesetzt hat“. Das Vorbild der seligen Maria Theresia Bonzel könne dazu ermutigen, mehr Räume zu schaffen, die Gottesbegegnung ermöglichen, so der Erzbischof weiter. Er nannte Initiativen zur stillen Anbetung des Allerheiligsten als Beispiel dafür. Das richtig praktizierte Gebet entrücke den Menschen nicht von der Welt oder lasse ihn weltfremd werden. „Im Gegenteil: Im Blick auf den Herrn selbst und im Sich-Versenken in seine Liebe hinein öffnet sich unser Blick auf das Hier und Heute, auf die Menschen, die jetzt unsere Nächsten sind.“

Diese beiden Bewegungen, die Sammlung im Gebet und die Sendung zu den Menschen, buchstabiere die Selige Mutter Maria Theresia mit ihrem Leben und Wirken: „Nur wer mit seinem ganzen Herzen Gott liebt, kann es letztlich fertig bringen, sich auf andere Menschen voll einzulassen und sie nicht zum Instrument der eigenen Selbstbehauptung zu machen.“ Es gehe stets darum, die Gottesliebe in echter Nächstenliebe zu bewähren.

 Die Fürbitten unterstrichen das segensreiche, weltweite Wirken der Seligen Mutter Maria Theresia Bonzel bis in die heutige Zeit: Sie wurden in verschiedenen Sprachen von Schwestern sowie Vertretern von Einrichtungen der Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung in Olpe vorgetragen. Besonders gebetet wurde für die vielen Menschen, die auf den Philippinen dem Taifun „Haiyan“ zum Opfer gefallen sind, sowie für deren Angehörige. Die Kollekte ist für die Missionsarbeit der Olper Franziskanerinnen in Brasilien und auf den Philippinen bestimmt.

Die Fürbitten unterstrichen das segensreiche, weltweite Wirken der Seligen Mutter Maria Theresia Bonzel bis in die heutige Zeit: Sie wurden in verschiedenen Sprachen von Schwestern sowie Vertretern von Einrichtungen der Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung in Olpe vorgetragen. Zum Abschluss des feierlichen Pontifikalamtes richtete Kardinal Amato SDB das Wort an die Gläubigen. Die erfolgte Seligsprechung sei ein Geschenk der Göttlichen Vorsehung für die Erzdiözese Paderborn, die Schwestern und die Stadt Paderborn. „Die Heiligen zeigen, das das Wort Jesu hier ein fruchtbares Erdreich gefunden hat, um den Heroismus der Liebe und der Heiligkeit wachsen und gedeihen zu lassen“, so Kardinal Amato. Die neue Selige des Erzbistums Paderborn habe ihre ganze Existenz im Dienst der armen und verlassenen Waisen verbracht, in deren Gesichtern sie das Antlitz Jesu selbst gesehen habe. „Sie liebte sie und erzog sie, und hat so beigetragen, neue Christen zu bilden und in die Gesellschaft ehrliche Bürger einzufügen“, las Generalvikar Hardt die deutsche Übersetzung der Worte von Kardinal Amato vor. „Die selige Maria Theresia Bonzel erinnert uns, dass die Heiligkeit nicht ein Sonderrecht von wenigen ist, sondern das Ziel aller. In der Taufe erhalten wir die übernatürlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Diese erlauben uns allen, in der christlichen Vollkommenheit zu wachsen und zu reifen.“ Die Kirche zeige die neue Selige den Menschen nicht nur zur Bewunderung und Betrachtung, vielmehr hauptsächlich zur Nachahmung. „Mehr denn je hat die Kirche heute Christen nötig, die leidenschaftlich in der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse und eifrig in der Nächstenliebe gegenüber den Bedürftigen sind“, las Generalvikar Alfons Hardt die Ansprache des Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan vor. „Seien auch wir großmütig, wie die selige Mutter Theresia Bonzel großmütig war.“

Auch Papst Franziskus gedachte am Sonntag der Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel. Wie Radio Vatikan meldete, erwähnte er das für die Ortskirche von Paderborn bedeutende Ereignis im Rahmen des Angelusgebetes auf dem Petersplatz. „Loben wir Gott für ihr Zeugnis“, sagte der Papst mit Blick die eucharistische Frömmigkeit der neuen Seligen.

Hunderte Menschen waren in den Hohen Dom zu Paderborn gekommen, um die Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel zu verfolgen. Das Pontifikalamt feierten (v.r.) Offizial Abt em. Dr. Dominicus Meier OSB, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Dompropst Weihbischof Manfred Grothe, Erzbischof Hans-Josef Becker, Angelo Kardinal Amato SDB, Bischof Kevin Rhoades aus dem Bistum Fort Wayne-South Bend (USA), Weihbischof Matthias König, Generalvikar Alfons Hardt und Pfarrer Clemens Steiling von der Pfarrgemeinde St. Martinus in Olpe. Am Vorabend der Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel OSF fand eine Vigil als geistliche Einstimmung auf das bedeutende Ereignis statt. Am Montag, 11. November 2013, finden die Feierlichkeiten der Seligsprechung ihren Abschluss: Die Gebeine der Seligen Mutter Maria Theresia werden um 17 Uhr in einer Prozession vom Mutterhaus der Franziskanerinnen in Olpe zur Pfarrkirche St. Martinus überführt und dort in der neuen Sakramentskapelle beigesetzt, die Erzbischof Hans-Josef Becker segnet. Im Anschluss feiert der aus dem Erzbistum Paderborn stammende Kardinal Paul Josef Cordes um 18 Uhr gemeinsam mit Erzbischof Becker in der Pfarrkirche St. Martinus einen Dankgottesdienst.

Hintergrund: Leben und Wirken von Mutter Maria Theresia Bonzel OSF

Mutter Maria Theresia Bonzel OSF wurde am 17. September 1830 als Regina Christine Wilhelmine „Aline“ Bonzel in Olpe geboren. Ihre seit frühester Kindheit empfundene Verbundenheit mit Gott kommt in ihrem lebenslangen Leitsatz „Er (Gott) führt, ich gehe“ zum Ausdruck. 1859/60 folgte sie ihrer Berufung, als Schwester Clara Pfänder zusammen mit ihr und Regina Löser in Olpe die "Kongregation der Franziskanerinnen, Töchter der hl. Herzen Jesu und Mariä" gründete – mit dem Hauptzweck der ewigen Anbetung und der Sorge für arme Waisenkinder. Nach der Verlegung des Mutterhauses nach Salzkotten im Frühjahr 1863 wurde die in Olpe verbliebene Filiale am 20. Juli 1863 von Bischof Konrad Martin als selbständige Kongregation unter dem Namen "Arme Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung“ anerkannt. Mutter Maria Theresia Bonzel blieb bis zu ihrem Tod am 6. Februar 1905 ihre Generaloberin. Heute ist der Orden zweimal in den USA vertreten (in Indiana und in Colorado) sowie auf den Philippinen und in Brasilien. Große Weitsicht bewies Mutter Maria Theresia Bonzel, als sie 1902 als eine der ersten Frauen eine GmbH gründete, um die Tätigkeit ihres Ordens wirtschaftlich und rechtlich abzusichern: die „Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen“ (GFO). Seit 1995 ist die Maria Theresia Bonzel-Stiftung Trägerin dieser Gesellschaft.

1961 – 2013: Der Seligsprechungsprozess von Mutter Maria Theresia Bonzel OSF

Am 18. September 1961 wurde der Seligsprechungsprozess für Mutter Maria Theresia Bonzel OSF durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger eröffnet. Ein entscheidender Punkt in jedem Seligsprechungsverfahren ist die Anerkennung eines Wunders. Im Februar 1999 erlitt ein vierjähriger Junge aus der Diözese Colorado Springs (USA) eine lebensbedrohliche Magen-Darm-Erkrankung, bei der die Ärzte nach einer Behandlung über mehrere Wochen und einer drastischen Verschlechterung eine Heilung aus medizinischer Sicht ausschlossen. Die Familie wandte sich in ihrer Sorge an die Schwestern der Olper Franziskanerinnen, die vor Ort lebten, arbeiteten und beteten. Gemeinsam betete die Familie mit den Schwestern zu Mutter Maria Theresia Bonzel um deren Fürsprache bei Gott. Nach kurzer Zeit erholte sich das Kind tatsächlich und konnte vollständig genesen. Im Oktober 2012 wurde dieses Geschehen offiziell als Wunder anerkannt.  Am 16. Januar 2013 teilte der Postulator des Seligsprechungsverfahrens, Dr. Andrea Ambrosi aus Rom, dem Generalat der Franziskanerinnen in Olpe mit, dass die zuständige Kommission im Vatikan der Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel zugestimmt hat. Rechtsverbindlich wurde diese Entscheidung schließlich am 27. März 2013, als Papst Franziskus das entsprechende Dekret unterzeichnete.

Texte aus dem Pontifikalamt mit Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel OSF