250. Paderborner Stadtwallfahrt: Ein Vierteljahrtausend unterwegs zur Muttergottes

Erzbischof Hans-Josef Becker und Generalvikar Alfons Hardt hatten sich den rund 200 Pilgern aus Paderborn auf dem letzten Wegstück angeschlossen. In Verne wurden sie von Pfarrer Martin Beisler begrüßt. V.l.n.r.: Generalvikar Alfons Hardt, Erzbischof Hans-Josef Becker, Msgr. Andreas Kurte und Pfarrer Martin Beisler.pdp Paderborn, 8. Juli 2013. Seit einem Vierteljahrtausend pilgern Wallfahrer aller Paderborner Kirchengemeinden anlässlich des Festes Mariä Heimsuchung (2. Juli) zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ nach Verne. Domkapitular Msgr. Andreas Kurte begleitete die zahlreichen Pilger bei der 250. Stadtwallfahrt von Paderborn nach Verne. Auf dem letzten Wegstück schlossen sich Erzbischof Hans-Josef Becker und Generalvikar Alfons Hardt den Wallfahrern an. Gemeinsam zogen die Pilger zur Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus in Verne, vor der Erzbischof Becker die Heilige Messe feierte. Im Jubiläumsjahr der Paderborner Stadtwallfahrt erfolgte zudem eine besondere Ehrung: Der 93-jährige Franz Peckelsen aus Paderborn begleitete die Wallfahrt zum 80. Mal und erhielt an diesem persönlichen Jubiläum für seine zahlreichen ehrenamtlichen Verdienste den päpstlichen Ehrenorden „Pro Ecclesia et Pontifice“.  

Die rund 200 Pilgerinnen und Pilger begannen ihren Weg nach Verne am frühen Sonntagmorgen um 5.30 Uhr am Paradiesportal des Hohen Domes zu Paderborn. Msgr. Andreas Kurte, Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, begrüßte die Wallfahrer: „Wir sind mitten im ‚Jahr des Glaubens’. In einer Zeit, in der der Glaube bei immer mehr Menschen zu verdunsten scheint, haben uns Papst Benedikt XVI. und sein Nachfolger Papst Franziskus dazu aufgerufen, unseren Glauben zu vertiefen und zu bekennen. Erzbischof Hans-Josef Becker bittet uns alle, die wir uns auf den Weg nach Verne machen, das Anliegen der beiden Päpste zur Glaubensvertiefung auch zu unserem eigenen Anliegen zu machen und es betend und singend zur Muttergottes in Verne zu tragen.“ Zu Fuß zogen die Pilger anschließend Richtung Verne. Auf ihrem Weg machten sie Station in der Nähe der Autobahn bei der Wegkreuzung hinter Syrings Hof, bei der Alten Schanze und beim Hof Sänger kurz vor Salzkotten.

Zu Beginn der Heiligen Messe verehrte Erzbischof Hans-Josef Becker das Verner Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ mit Weihrauch.pdp Rund vier Stunden nach ihrem Aufbruch in Paderborn erreichte die Pilgergruppe um 9.30 Uhr Verne. Erzbischof Hans-Josef Becker und Generalvikar Hardt hatten sich den Wallfahrern auf dem letzten Wegstück angeschlossen, um gemeinsam mit der Gruppe pilgernd und betend zur Muttergottes zu ziehen. Pfarrer Martin Beisler und zahlreiche Gemeindemitglieder aus Verne sowie die Verner Musikkapelle nahmen die Wallfahrer aus Paderborn in Empfang. In einer feierlichen Prozession bewegte sich der Pilgerzug zur Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus, in der das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ verehrt wird.

Nachdem das Gnadenbild vor die Tore des Gotteshauses getragen worden war, wo sich die Festgemeinde versammelt hatte, feierte Erzbischof Hans-Josef Becker dort gemeinsam mit zahlreichen Konzelebranten die Heilige Messe. Pfarrer Martin Beisler begrüßte die Wallfahrer in Verne: „In einem Vierteljahrhundert verändert sich naturgemäß Vieles, aber eines ist in 250 Jahren Stadtwallfahrt aus Paderborn immer gleich geblieben: Menschen kommen nach Verne und lassen sich von der Muttergottes an der Hand nehmen und zu Jesus Christus hinführen.“

Erzbischof Becker feierte die Heilige Messe mit zahlreichen Konzelebranten auf dem feierlich geschmückten Altarpodest vor der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus in Verne. pdp In seiner Predigt nannte Erzbischof Becker zunächst zahlreiche Zeichen der Hoffnungslosigkeit in der heutigen Gesellschaft, die von Konflikten in der Familie über unheilbare Krankheiten bis hin zu Hungersnöten, Katastrophen und Kriegen reichen würden. Auch Maria habe als Muttergottes Zeiten der Hoffnungslosigkeit durchlebt. „Maria ist Zeit ihres Lebens hart geprüft worden. Sie hat sich an Jesu Wort gehalten und hat sein Wort im Herzen bewahrt, auch – wie das Schriftwort es bekundet – wenn sie es nicht immer verstand. Sie, die alle Hoffnung auf den treuen Gott setzte, ist die Mutter aller Hoffenden.“

Es sei ein ermutigendes Zeichen, wenn Menschen zu Maria als Mutter der Hoffnung pilgern würden, so der Erzbischof weiter: „Das sind hier und heute seit 250 Jahren die Gläubigen der Stadt Paderborn. Das sind darüber hinaus in unzähligen Wallfahrtsorten auf der ganzen Erde Menschen in Ost und West, in Nord und Süd. Die Mutter mit dem Kind auf dem Arm, als Königin des Himmels und Trösterin der Betrübten, gibt Mut und Hoffnung in aller Not. Diese Gewissheit und diesen Erfahrungsschatz der Kirche kann uns niemand nehmen.“

Generalvikar Alfons Hardt überreichte Franz Peckelsen aus Paderborn den päpstlichen Ehrenorden „Pro Ecclesia et Pontifice“ und die dazugehörende Urkunde.pdp Zum Abschluss des Pontifikalamtes wurde Franz Peckelsen mit dem päpstlichen Ehrenorden „Pro Ecclesia et Pontifice“ ausgezeichnet: Zum 80. Mal hatte er in diesem Jahr die Paderborner Stadtwallfahrt begleitet, wenn auch aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr nur auf dem letzten Teilstück. „Zeit Ihres langen Lebens haben Sie Zeugnis von Ihrem christlichen Glauben abgelegt. Auch heute noch, mit 93 Jahren, sind Sie ein froher Mensch voll des Glaubens, der weiterhin tut, was ihm möglich ist“, sagte Generalvikar Alfons Hardt bei der Überreichung des päpstlichen Ordens. Franz Peckelsen wurde 1919 geboren. In seiner Kirchengemeinde St. Heinrich in Paderborn hat er sich viele Jahre ehrenamtlich im Pfarrheim, im Kirchenchor und in der Kolpingfamilie engagiert. Seit 1996 ist er Mitglied der Domgilde am Hohen Dom zu Paderborn.

Die 250. Stadtwallfahrt endete mit einer Schlussandacht am frühen Nachmittag. Danach traten die Pilger die Rückreise nach Paderborn mit dem Bus an.  


Hintergrund: Paderborner Stadtwallfahrt und Fest Mariä Heimsuchung

Die traditionelle Paderborner Stadtwallfahrt nach Verne findet seit 1763 jedes Jahr am ersten Juli-Sonntag statt. Anlass ist das Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli. Die Wallfahrt zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ in Verne bietet Gelegenheit, gemeinsam in den Anliegen der Kirche und der Welt zu beten. Bischof Wilhelm Anton von Asseburg hatte 1763 die Wallfahrt eingeführt, um die Muttergottes zu ehren und um ihre Hilfe in den kleinen und großen Sorgen des Lebens zu erbitten. Am Fest „Mariä Heimsuchung“ gedenkt die Kirche dem Ereignis, das im Lukas-Evangelium berichtet wird (Lk 1,39-56): Maria macht sich nach der Verkündigung der Geburt Jesu auf den Weg, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen – deshalb „Heimsuchung“. Elisabeth erwartet selbst ein Kind, Johannes den Täufer, und begrüßt Maria mit den Worten „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“. Im Anschluss spricht Maria das berühmte Loblied, das Magnifikat. Der deutsche Regionalkalender legt fest, dass das Fest „Mariä Heimsuchung“ am 2. Juli gefeiert wird.

Ernst Köchling hat die Pilger bei der 250. Paderborner Stadtwallfahrt zur "Trösterin der Betrübten" in Verne mit seiner Kamera begleitet. Sein elfminütiger Filmbeitrag findet sich hier.