Eindrücke und Empfehlungen aus den sieben Arbeitsgruppen

Foto: pdp Paderborn, 29. Juni 2013. In Innovationslaboratorien entwickelten die 430 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diözesanen Pastoralwerkstatt am Donnerstagnachmittag zahlreiche Zukunftsideen zu der Frage, wie die „Pastoral der Berufung“ im Erzbistum Paderborn zukünftig verwirklicht werden kann. Am Freitag stand für sie dann die Frage im Mittelpunkt, unter welchen Rahmenbedingungen diese Ideen am besten umgesetzt werden können. In sieben Arbeitsgruppen stellten sie am Vormittag Überlegungen dazu an, wie diese Rahmenbedingungen vor Ort aussehen müssen. Am Nachmittag ging es dann um die Frage, was auf Bistumsebene geregelt, entschieden und organisiert werden muss, damit eine zukunftweisende Pastoral entwickelt werden kann. Jede Arbeitsgruppe formulierte am Ende ihrer Beratungen zehn Empfehlungen für die Pastoral im Erzbistum Paderborn.


Arbeitsgruppe 1: Selbstverständnis, Visionen, Ziele

„Es geht nicht um Lobby-Arbeit, es geht ums Ganze“, gab Moderatorin Elisabeth Beschorner die Parole für die Arbeitsgruppe „Selbstverständnis, Visionen, Ziele“ aus. Und sie fügte hinzu: „Sie haben nie wieder diese Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und zu gestalten.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Gruppe nutzten die Gelegenheit. In mehreren Untergruppen wurden Vorschläge für die künftige Arbeit in Gemeinden und Pastoralen Räumen erarbeitet. Einige der Diskussionspunkte waren etwa: eine Selbstverpflichtung der Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen zur Kultur des Hinsehens und Hinhörens, Gottesdienste ohne Priester, Begegnung mit Menschen am Rande, neue Gemeindemodelle entwickeln oder die Frage, wie man mit Blockaden bei Veränderungen umgeht. Ein Vorschlag etwa lautete, ein Ermöglichungsgremium zu schaffen, das kleinen Gruppen in der Gemeinde bei Initiativen unterstützt.

Eine Zuspitzung gab es bei der Frage der Gemeindeleitung. Wie soll sie organisiert werden? Wer leitet die Gemeinde oder den Pastoralverbund? Ein weiteres Thema war der Umgang mit den am Rande Stehenden.


Arbeitsgruppe 2: Menschen, Lebensräume, Konzepte

„Freiräume schaffen“, „Experten schulen“, „Kundenorientierung entwickeln“ – so lauteten einige der Ideen, die in der Arbeitsgruppe „Menschen, Lebensräume, Konzepte“ entwickelt wurden. Mit Blick auf die Rahmenbedingungen vor Ort und ihre Auswirkungen auf pastorale Konzepte ging es dabei auch um den Punkt, wie sich Kirche als ein Anbieter von vielen im Sozialraum überhaupt „bemerkbar“ machen könne. „Wie nehmen uns die Menschen eigentlich wahr“, formulierte eine Teilnehmerin den für sie zentralen Aspekt: „Angesichts derjenigen, die der Kirche eher fern stehen, müssen wir uns diese Frage stellen.“

Foto: pdp Viel zu oft werde sie nämlich als „geschlossene Gesellschaft“ empfunden, zu der „eben nicht jeder“ kommen könne. Akzeptanz sei nur dann zu erwarten, „wenn wir uns von den Menschen wirklich berühren lassen“.

Die geforderte Offenheit, so einer der Teilnehmer, lasse sich beispielsweise durch eine Vernetzung mit anderen Akteuren vor Ort erreichen. Konkret wurde hier eine „Sozialraumkonferenz“ genannt, die Aktivitäten und Angebote sammele und koordiniere. Als weiteres Modell wurde eine „Ansprech-Bar“ vorgestellt, mit der Kirche am Arbeitsplatz und anderen Orten, an denen sie sonst nicht vorkomme, präsent sein könne.

Bezüglich der Rahmenbedingungen auf Bistumsebene wurde angeregt, eine „Unternehmenskultur“ zu entwickeln, „die den an vielen Orten herrschenden Druck aus dem Kessel“ nehme. Sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten zum Beispiel die Möglichkeit haben, eine „Auszeit“ zu nehmen. „Statt eine Erlaubniskultur zu pflegen“, sagte einer der Teilnehmer, „müssen wir zu einer Ermöglichungskultur gelangen.“


Arbeitsgruppe 3: Angebote, Programme, Dienstleistungen

Die Arbeitsgruppe 3, moderiert von Silke Otte und Gregor Drebber, befasste sich mit der Frage, welche Angebote, Programme und Dienstleistungen es vor Ort künftig geben soll. Die Teilnehmer empfahlen dem Erzbistum unter anderem, einen Telefon-Service-Center einzurichten, der Hilfe oder Information suchenden Menschen Kontakte zu den zuständigen Stellen im ganzen Erzbistum vermitteln könne. Eine weitere Empfehlung lautete, in jedem Pastoralen Raum jährlich zur Firmung einzuladen. Diese könne möglicherweise vom Pfarrer vor Ort gespendet werden, altersunabhängig sein und altersspezifische Katechesen beinhalten. Die Teilnehmer beschäftigten sich auch mit der schwierigen Frage, welche Angebote es künftig nicht mehr geben solle. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, einen Kriterienkatalog zu entwickeln, mit dessen Hilfe Gremien vor Ort leichter entscheiden können, auf welche Angebote künftig verzichtet werden kann.


Arbeitsgruppe 4: Personen, Mitarbeiter, Kompetenzen

Die Arbeitsgruppe „Personen, Mitarbeiter, Kompetenzen“ fragte nach den notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen von Hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern. In verschiedenen Themen- und Interessengruppen wurde das Thema entfaltet und vertieft. In einer Gruppe wurde beispielsweise der Frage nachgegangen, was notwendig ist, damit hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge regelmäßig Erfahrungen aus anderen Lebenswelten sammeln können.

Empfohlen wurde eine „Sehschule“ für Hauptamtliche, so dass sie eine Gemeinde mit ihren Mitgliedern ganz kennen lernen können. In Blick genommen wurde ebenso die Option, Pfarrhäuser aufzugeben, um „inmitten“ in der Gemeinde zu leben. Eine weitere Gruppe befasste sich mit der Unterscheidung zwischen Territorial- und Kategorialseelsorge und plädierte dafür, beide Bereiche der Seelsorge als gleichwertig zu verstehen. Unter dem Motto „Person vor Funktion“ wurde dafür geworben, eine Stelle zu beschreiben und auszuschreiben, auch dafür, die Personalentwicklung auf die einzelne Person hin zu spezifizieren.

Foto: pdp Eine Gruppe plädierte für eine „Disziplinarordnung“ für das pastorale Personal, die durch eine Kommission zu erarbeiten sei. „Verweigerer“ sollten ihre Arbeit zielorientiert beschreiben, regelmäßige und verbindliche Mitarbeiter- und Personalentwicklungsgespräche mit Feedback seien einzuführen und die Leitungsposition sei vielleicht „auf Zeit“ zu übertragen. Die Führungs- und Leitungskompetenz im pastoralen Raum müsste beschrieben und verbindlich definiert werden. Im Blick auf die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen wurde der Wunsch formuliert, dass Hauptamtliche zu den Gemeinden „passen“ müssten, sie sollten sich beispielsweise für eine Gemeinde bewerben können.

Im Blick auf die persönlich-geistliche Entwicklung von Haupt- und Ehrenamtlichen wurde das Thema biografisch verorteter Sabbatzeiten behandelt: Bei einem Stellenwechsel oder nach einer bestimmten Zahl an Dienstjahren eine Auszeit zu nehmen. Mit dem Stichwort „Kultur der Brachzeit“ wurden auch Gutscheine für Exerzitien- und Bildungshäuser empfohlen.


Arbeitsgruppe 5: Strukturen, Organe

In der Arbeitsgruppe „Strukturen und Organe“ schickten die Moderatoren Pastor Roland Schmitz und Julia Fisching-Wirth die Teilnehmer in die Beratung. In verschiedenen Kleingruppen diskutierten die Teilnehmer schließlich konstruktiv und kreativ über Gemeindeleitung, Grundordnung, Willkommenskultur in der Kirche sowie notwendige Gremien und ihre Zusammensetzung. Am Ende standen genau zehn Empfehlungen für den Gallery Walk.

Konkret ging es den Teilnehmern der Arbeitsgruppe darum, verantwortliche Positionen für Ehrenamtliche zu schaffen, neue Leitungsgremien in den Pastoralen Räumen und eine kollegiale Leitung in Gremien zu ermöglichen. Ehrenamtliche müssten für die Mitarbeit qualifiziert werden. Zudem könnte eine zentrale Anlaufstelle für Ehrenamtliche in den verschiedenen Ebenen geschaffen werden. Das alles solle in einem Diözesanen Leitbild zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements festgehalten werden. Eine weitere Empfehlung zielt in die Richtung, ökumenische Trägerschaften zu ermöglichen, beispielsweise von Krankenhäusern, Hospizdiensten oder Schulen.


Arbeitseinheit 6: Abläufe, Prozesse, Kommunikation

Zu Beginn der Arbeitsgruppe „Abläufe, Prozesse, Kommunikation“ wurde betont, dass der neue Pastorale Raum nicht nur als Struktur zu begreifen sei, vielmehr als ein Rahmen, in dem sich Kirche vollziehe. Im Vordergrund stand in der Arbeitsgruppe die Frage, wie sich Arbeitsprozesse organisieren lassen, die zum einen Effizienz garantieren, zum anderen aber auch die Verwirklichung der Pastoral der Berufung vor Ort ermöglichen. Einig waren sich die Teilnehmer vor allem auch in einem Punkt: Es braucht professionelle Kommunikation nach innen wie nach außen: „Unsere Inhalte stimmen doch!“

Am Nachmittag entstanden konkrete Empfehlungen, welche Rahmenbedingungen das Erzbistum zur Umsetzung einer künftig tragfähigen Pastoral bereitstellen kann. So wurde zum Thema der Beteiligung von Jugendlichen gefordert, in alle Gremien – bis auf den Kirchenvorstand – einen von den Jugendverbänden benannten Vertreter zu entsenden und das aktive Wahlrecht für alle Gremien ab dem 14. Lebensjahr zu ermöglichen. Unter dem Schlagwort „Mut zur Reduktion“ wurde empfohlen, bei jeder Visitation zu prüfen und zu reflektieren, was in der Gemeinde weggelassen werden könne sowie auch den Mut zu haben, Unterbrechungen einfach auszuprobieren.

Foto: pdp Ein hauptamtlicher Öffentlichkeitsbeauftragter mit entsprechender Fachausbildung und Stellenausstattung auf Dekanatsebene, der durch die Pressestelle des Erzbischöflichen Generalvikariats unterstützt wird, war eine weitere Forderung. Des Weiteren wurde der Wunsch nach einem professionell organisierten und ausgestatteten Zentralbüro im neuen Pastoralen Raum geäußert. In diesem Zusammenhang waren auch verbindliche diözesane Standards in der Erreichbarkeit von Ansprechpartnern ein zentrales Anliegen, insbesondere in Seelsorge-Notfällen. Die Schaffung eines Modells des Ehrenamts-Managements sowie ein Expertengremium für die Gestaltung der künftigen Gremienarbeit wurden ebenfalls empfohlen.


Arbeitsgruppe 7: Ausstattung, Ressourcen, Finanzen

In der Arbeitsgruppe ging es um Ressourcenzuweisung, neue Finanzierungsformen, Umgang mit Immobilien und Ausstattungen. In konzentrierter Arbeitsatmosphäre ging es um Fundraising, Friedhöfe, Immobiliennutzung, Unterstützung Ehrenamtlicher. „Die Schlüsselzuweisung ändert sich von der Zuweisung nach ‚pro Kopf‘ und ‚Gebäuden‘ zu einer Förderung von pastoralen Konzepten und deren Grundversorgung“, lautete einer der Vorschläge. Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat müssten in gemeinsamen Sitzungen den Haushalt festlegen und auch gemeinsam verantworten, so eine andere Empfehlung. Mit den Finanzmitteln müssten vorrangig pastorale Aktivitäten ermöglicht und ehrenamtliches Engagement unterstützt werden. Ehrenamtliche Arbeit müsste zudem durch die zentralen Büros der Pastoralen Räume unterstützt werden.

Zusätzliche finanzielle Mittel sollten durch professionelles Fundraising erzielt werden. Dazu, so ein weiterer Vorschlag, sollte vom Erzbischof eine Fundraisingstelle eingerichtet werden. Diese sollte unter anderem die Pastoralen Räume beraten und motivieren.