Auf den Spuren des „Klosterfrühlings“ im Erzbistum Paderborn

Tagungsleiter Professor Dr. Karl Hengst von der Forschungsstelle Bistumsgeschichte Paderborn begrüßte zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Klostertagung. Paderborn, 7. August 2012. „Neue Klosterwelten in Westfalen und Lippe“ konnten am Wochenende entdeckt werden: Die Forschungsstelle Bistumsgeschichte Paderborn mit ihrem Leiter Professor Dr. Karl Hengst lud in Verbindung mit der Historischen Kommission für Westfalen und dem Westfälischen Heimatbund Münster zu einem Kloster-Tag nach Paderborn ein. Fachvorträge und Besichtigungen verschiedener Ordenshäuser nahmen die Teilnehmer mit auf eine Reise in die geschichtliche und gegenwärtige Welt geistlicher Gemeinschaften im Erzbistum Paderborn.  

Vor allem Frauenorden sorgten zur Zeit des so genannten „Klosterfrühlings“ für eine Wiederbelebung des Lebens in geistlichen Gemeinschaften. Einer dieser Frauenorden waren die Barmherzigen Schwestern des heiligen Vincenz von Paul, die 1841 nach Paderborn gekommen waren und dort die Pflege der Kranken übernommen hatten. Im Mutterhaus der Paderborner Vincentinerinnen leben heute noch rund 30 Schwestern. Sie waren Gastgeber für den ersten Teil der Klostertagung, der von Dr. Edeltraud Klueting, Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen und Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes Münster, moderiert wurde.

Gruppenbild mit Tagungsleitung, Moderatoren und Referenten (v.l.n.r.): Sr. Elrike, Dr. Hermann-Josef Schmalor, Dr. Edeltraud Klueting und Tagungsleiter Professor Dr. Karl Hengst (alle Mitglieder der Historischen Kommission für Westfalen), Sr. Cäcilie Müller (Generaloberin der Vincentinerinnen), Sr. Michelis, Dr. Anna-Therese Grabkowsky von der Historischen Kommission für Westfalen. Generaloberin Sr. Cäcilie Müller lieferte zunächst einen historischen Abriss von den Anfängen der Paderborner Vincentinerinnen als kleiner Ordensgemeinschaft über die schnelle Ausbreitung des Ordens – bis zum Höchststand von 2.200 Ordensmitgliedern Anfang der Dreißiger Jahre – bis hin zum Aufbau von zwei Missionen in Korea und Indien. „Mit der Pflege der Kranken, anfangs auch von psychisch Kranken, die damals noch wenig entwickelt war, fing alles an. Heute hat sich der Schwerpunkt unseres Dienstes mehr in die Alten- und Krankenpastoral verlagert“, fasste Sr. Cäcilie zusammen. „Generell aber gilt: Die Barmherzigen Schwestern gingen und gehen dorthin, wo die Not ruft.“

Vom heutigen Einsatz der Vincentinerinnen berichtete Sr. Elrike, die sich in der Seelsorge für Obdachlose engagiert. Sie beschrieb ihre Begleitung Wohnungsloser als eine „aufsuchende Seelsorge“, zu der nicht nur Gespräche, vielmehr auch die Gestaltung von Gottesdiensten zu kirchlichen Hochfesten und ein gottesdienstliches Angebot bei Beerdigungen und Abschiedsfeiern gehöre. Auch Sr. Michaelis machte durch die Beschreibung ihrer Arbeit für das Babyfenster und das ordenseigene Hospiz das gegenwärtige caritative Engagement der Vincentinerinnen in Paderborn anschaulich.

Noch bis 1960 trugen die Vincentinerinnen die ausladenden weißen Flügelhauben. Heute können diese im Schauarchiv des Mutterhauses bewundert werden. Nachdem Geschichte und Arbeit der Vincentinerinnen in Paderborn durch die Vorträge der drei Schwestern lebendig geworden waren, konnten sich die Teilnehmer das Gehörte im Schauarchiv des Klosters selbst vor Augen führen. Den Abschluss des ersten Teils der Tagung bildete ein Besuch der Mutterhaus-Kapelle der Vincentinerinnen und ein kurzes Mittagsgebet.

Bei der zweiten Hälfte der Tagung, deren Moderation Dr. Hermann-Josef Schmalor, Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn und ebenfalls Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen, übernommen hatte, lernten die Teilnehmenden zwei weitere Ordensgemeinschaften aus dem Erzbistum Paderborn kennen. Sr. Beatrix Igler aus Warburg stellte die Schwestern von Germete und ihr SERVIAM-Herz-Jesu-Institut vor. Anschließend wechselte die Tagungsgruppe ins Michaelskloster der Augustiner Chorfrauen, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts in Paderborn vertreten sind. Über deren Erbe und Auftrag, insbesondere in der schulischen Bildung von Mädchen, informierte Oberin Sr. M. Veronika Maaßen die Teilnehmenden und führte sie durch Schule, Kloster und Kirche des Ordens. Die gemeinsame Teilnahme an der Vesper in der Klosterkirche beendete den diesjährigen Klostertag.