Reformations-Gedenken in Siegen

"Wir sind alle Reben am selben Weinstock"

Vier Personen hinter fünf Kerzen Dechant Karl-Hans Köhle, Pfarrerin Rebecca Schmidt (Kirchenkreis-Beauftragte für das Reformationsjahr), Superintendent Peter-Thomas Stuberg und Pfarrer Panagiotis Tiriakidis (v.l.). Vor ihnen die fünf Kerzen als Symbole der ökumenischen Imperative.Dekanat Siegen Siegen, 8. Februar 2017. Das Reformationsgedenken 2017 soll nach dem Willen des Evangelischen Kirchenkreises Siegen im Zeichen von Versöhnung und Ökumene stehen, daher waren alle christlichen Konfessionen zum Auftaktgottesdienst eingeladen. Superintendent Peter-Thomas Stuberg, Dechant Karl-Hans Köhle vom Dekanat Siegen und Pfarrer Panagiotis Tiriakidis feierten gemeinsam mit Gläubigen aller Konfessionen den Gottesdienst in der Martini-Kirche. Gekommen war auch Dr. Holger Petri, Gemeindeältester der Ev. Freikirchlichen Gemeinde Siegen.

Ausgerichtet war der Gottesdienst an der Liturgie, die am 31.10.2016 im schwedischen Lund Papst Franziskus und Präsident Bischof Younan vom Lutherischen Weltbund feierten.

In der Predigt gingen Superintendent Stuberg und Dechant Köhle auf die Textstelle Johannes 15,1-8 ein: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht." Selbst wenn die Konfessionen auf manche Fragen unterschiedliche Antworten gefunden hätten, so lebten doch am Ende alle Christen aus derselben Wurzel und Quelle.

Neben der Freude über die gemeinsame Feier blieb im Gottesdienst Platz für Bedauern über vergangene Fehler. „Evangelische und katholische Christen haben ihre Gegner oft nicht nur missverstanden, sondern deren Meinung verzerrt und karikiert, um sie lächerlich zu machen." Beide Seiten hätten zudem nicht verhindert, dass Religion und Glaube zur Kriegstreiberei missbraucht worden seien. „Wir bedauern diese schrecklichen Dinge zutiefst."

Um ein Zeichen zu setzen, trugen Vertreter der verschiedenen Gemeinden abwechselnd fünf Imperative vor, mit denen sich evangelische, katholische, orthodoxe und freikirchliche Christen zu größeren ökumenischen Anstrengungen verpflichten: 1. Immer von der Perspektive der Einheit ausgehen, 2. Sich durch Begegnung verändern lassen, 3. Sichtbare Einheit suchen und konkrete Schritte dorthin erarbeiten, 4. Gemeinsam die Kraft des Evangeliums für unsere Zeit wiederentdecken, 5. In der Verkündigung und im Dienst zusammen Zeugnis ablegen. Beim Verlesen jedes Imperativs wurde eine Kerze am Osterlicht entzündet und zum Abendmahlstisch getragen. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Bach-Chor Siegen unter der Leitung von Ulrich Stötzel.

Ein weiterer ökumenischer Akzent wird im Herbst gesetzt: dann werden sich evangelische und katholische Christen gemeinsam von der evangelischen Nikolaikirche zur katholischen Eremitage auf einen ökumenischen Pilgerweg begeben.