Erzbischof Hans-Josef Becker beim Besuch des Altenheims St. Aldric in Le Mans. V.l.n.r.: Domvikar Ulrich Liehr, Erzbischof Hans-Josef Becker, Bischof Yves Le Saux (Le Mans)Paderborn / Le Mans, 30. Januar 2012. Unter der Leitung von Erzbischof Hans-Josef Becker und Generalvikar Alfons Hardt nahm am vergangenen Wochenende eine Delegation aus dem Erzbistum Paderborn am Juliansfest, dem Patronatsfest der Paderborner Partnerdiözese Le Mans, teil. Auf dem Besuchsprogramm stand neben den Feierlichkeiten zu Ehren des Hl. Julian der Besuch von kirchlichen Einrichtungen im Bistum Le Mans.
Die Kirche in Europa befinde sich derzeit in einem epochalen Wandel, sagte Erzbischof Becker bei seiner Predigt am Samstag-Abend in der Vigilmesse zum Juliansfest in der Pfarrkirche Notre Dame du Pré in Le Mans. Die Zeit der so genannten „Versorgungskirche“ gehe endgültig zu Ende. „Mit der ‚Versorgungskirche’ meine ich eine Kirche, die sehr viele Priester hatte, die fast alles selber tun konnten im Dienst an der Gemeinde. Die Gläubigen waren dabei wie Konsumenten, die betreut und versorgt wurden, aber nicht selbst aktiv zu werden brauchten“, so Erzbischof Becker. In einer solchen Kirche habe es sich „bequem leben“ lassen, doch gebe in ihr auch eine große Gefahr: „Der Glaube droht, ‚gewöhnlich’ zu werden. ‚Gewöhnlich’ im Sinne von Routine, Banalität, Oberflächlichkeit.“
Es komme darauf an, „Gott ins Zentrum unserer Verkündigung zu rücken“, sagte Erzbischof Becker weiter. Beim missionarischen Handeln der Kirche seien alle Glieder der Kirche gefragt. Es sei die Sache aller Christen, nicht nur die der Priester, die Person und Botschaft Jesu Christi den Suchenden so klar und deutlich vor Augen zu stellen, dass die Beziehung zu ihm neu aufleuchten könne. „Es ist die große Chance dieser Zeit des Umbruchs, mit einer Konzentration auf das Proprium des christlichen Glaubens die suchenden Menschen anzusprechen und ihnen damit einen Weg zu weisen, der wirklich glücklich macht.“ Zur Lebenserhaltung des Glaubens sei ein solches Handeln unbedingt notwendig, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt.
In seinem Grußwort am Sonntagmorgen in der Kathedrale von Le Mans erinnerte Erzbischof Hans-Josef Becker an das fünfzigste Jubiläum der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Kirche in diesem Jahr begehe. Allen Gegenbewegungen zum Trotz dürfe nicht darin nachgelassen werden, die epochale Bedeutung dieses Ereignisses zu unterstreichen. „Es geht um nichts weniger als den Fortbestand des christlichen Erbes in unseren Breiten. Auch fünfzig Jahre nach seiner Eröffnung ist das Konzil für uns Erbe und Auftrag. Gerade für eine sich verändernde Gestalt der Kirche in unseren Tagen geben die Texte wichtige Impulse für einen Weg in die Zukunft, der gleichermaßen gottbezogen und weltoffen ist.“
Begleitet wurde der Paderborner Erzbischof bei seinem Besuch in Le Mans von Generalvikar Alfons Hardt und Domvikar Ulrich Liehr, Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär des Erzbischofs. Traditionell nehmen auch Vertreter der „Deutsch-französischen St.-Liborius-Fraternität“ am Besuch des Julianfestes in Le Mans teil, Ständige Diakone komplettierten die Besuchergruppe aus dem Erzbistum Paderborn.