„Sich vom Evangelium leiten lassen“

Erzbischof Reinhard Kardinal Marx feierte als Sondergesandter des Heiligen Vaters zum Fest „Maria Heimsuchung“ ein Pontifikalamt im Marienwallfahrtsort Werl.Kolossa Werl / Paderborn, 4. Juli 2011. „Wir müssen neue Zeiten gestalten und nicht die alten Zeiten beschwören“, sagte Erzbischof Reinhard Kardinal Marx im Blick auf die Neuevangelisierung Europas. Als päpstlicher Sondergesandter zum 350-jährigen Wallfahrtsjubiläum in Werl stand der ehemalige Weihbischof in Paderborn dem Pontifikalamt auf der Gänsevöhde in Werl vor. „Es muss uns neu bewusst werden, was Christ-sein bedeutet“, lud er ein, die Bedeutung des Begriffs Christ neu zu analysieren. Vielen sei nicht bewusst: „Christ-sein ist großartig, überwältigend, es gibt nichts Schöneres, als sich von Christus leiten zu lassen.“

Es passte ins Bild, dass sich über 2.000 Wallfahrer aus allen Teilen des Erzbistums Paderborn auf den Weg gemacht hatten, um an der Stadtprozession zum Fest „Mariä Heimsuchung“ teilzunehmen. An der Gänsevöhde, dem traditionsreichen Ort in Werl, fand das Pontifikalamt als Höhepunkt statt. Wallfahrtsleiter und Guardian Pater Ralf Preker OFM begrüßte neben zahlreichen geistlichen Begleitern der Pilgergruppen als besonderen Gast Erzbischof Hans-Josef Becker, der den Gottesdienst in Konzelebration mit dem Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, mitfeierte.

Der Erzbischof von München und Freising und ehemalige Weihbischof in Paderborn, Reinhard Kardinal Marx, feierte das Pontifikalamt in Konzelebration mit Erzbischof Hans-Josef Becker und Dompropst Dr. Wilhelm Hentze.Kolossa Kardinal Marx lud als Gesandter des Papstes dazu ein, die Selige Jungfrau Maria fromm zu verehren und zusammen mit ihr die Größe des Herrn zu preisen. Kardinal Marx zitierte das Schreiben von Papst Benedikt XVI.: „Das ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil am Anfang des dritten christlichen Jahrtausends die Neuevangelisierung Europas begonnen werden muss und zugleich das kostbare Erbe sowie die menschlichen, christlichen und geistlichen Werte dieses Kontinents neu entdeckt werden müssen.“

„Pilgern bedeutet, Ausschau zu halten nach größerem Leben, zu entdecken, was dem Leben entspricht“, so Kardinal Marx in seiner Predigt. Das Ziel sei erreicht, wenn Jesus gefunden werde. Dabei suche Jesus Christus stets den Einzelnen: „Gott hat uns gefunden, er gibt sich hinein in die menschliche Wirklichkeit, er kennt alle Bereiche des Lebens.“ Hier setze das Evangelium an: „Es neu zu buchstabieren und zu erklären ist keine rückwärtsgewandte Botschaft, vielmehr ein Auftrag, der nach vorne gerichtet ist.“ Deshalb sei es eine Herausforderung und Aufgabe, das Christ-sein in der Feier der Eucharistie zu erlernen und zu erfahren.

Über 2.000 Pilger feierten das Pontifikalamt zum Fest „Maria Heimsuchung“ in Werl.KolossaDer Mensch entdecke, wer er sei, und stelle dabei fest, dass Gott sich mit Jedem verbunden habe, sagte Kardinal Marx weiter. „Alle sind Bilder des lebendigen Gottes. Das Evangelium entspricht dem Menschen, es deckt die Möglichkeiten des Lebens und Glaubens auf.“ Es müsse angenommen werden als eine Botschaft, die nicht verneine, vielmehr ermögliche. Der Wallfahrtsort Werl sei ein Ort der Innovation und des Aufbruchs, so Kardinal Marx weiter. Das 350-jährige Jubiläum sei ein Impuls, nicht nachzulassen, „denn die christliche Botschaft ist die Botschaft der Zukunft.“ Hierbei helfe Werl mit seiner traditionsreichen Wallfahrt als Kraftquelle: „Diese Stadt kann ein Trostort und zugleich ein Ausgangspunkt für die Neuevangelisierung sein.“

Erzbischof Hans-Josef Becker bedankte sich für die große Verbundenheit, die der Heilige Vater mit dem Wallfahrtsort Werl und dem Erzbistum Paderborn durch seinen Sondergesandten zum Ausdruck bringe. Zum Abschluss des Festgottesdienstes wrude der Apostolische Segen gespendet. Die Stadtprozession endete in der Basilika mit dem „Te Deum“.

Text: Julius Kolossa / pdp