Studentinnen und Studenten des Pauluskolleg beim gemeinsamen Morgengebet Paderborn, 22.Oktober 2010. In Deutschland gibt es drei Ausbildungsstätten für den Beruf des Gemeindereferenten. Im vom Erzbistum Paderborn getragenen Pauluskolleg wohnen Frauen und Männer aus zehn verschiedenen Bistümern. Sie haben ihr Studium der Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule (KatHo) NRW begonnen und gehen mit ihrer Ausbildung im Pauluskolleg die ersten Schritte auf ihrem Weg zum Beruf des Gemeindereferenten.
Das Pauluskolleg erscheint als ein unscheinbares weißes Gebäude zwischen den Häuserketten der Husener Straße in Paderborn. Nach einer Sommerpause ist nun wieder Leben in das Gebäude eingekehrt: 30 neue Studentinnen und Studenten sind eingezogen. In diesem Jahr sind es 11 Männer und 19 Frauen. „Nach wie vor sind es eher Frauen, die das Studium der Religionspädagogik antreten. Wir sind aber sehr froh, in diesem Jahr etwa ein Drittel männliche Bewohner begrüßen zu können“ sagt Domvikar Hans Jürgen Rade, Rektor des Pauluskollegs Paderborn.
Die neuen Bewohner kommen aus den Diözesen Paderborn, Osnabrück, Münster, Köln, Aachen, Fulda, Magdeburg und Essen. Aus dem Bistum Hamburg wurde in diesem Jahr keiner gesandt. Sie sind zwischen 19 und 42 Jahre alt. Manche haben zunächst ein freiwilliges soziales Jahr absolviert, andere waren „Missionar auf Zeit“ und wieder andere haben schon ein Studium abgeschlossen. Sie alle verbindet ein tiefer Bezug zum christlichen Glauben sowie die Freude an der Arbeit mit und für Menschen. Vor ihnen liegt ein sechs Semester umfassendes Studium der Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule Paderborn.
Dazu kommt die studienbegleitende Ausbildung im Pauluskolleg. Sie sei notwendig, um die Studentinnen und Studenten neben dem Studium bei der Entfaltung ihrer sozialen Kompetenz, ihrer Spiritualität und Persönlichkeit zu begleiten und zu unterstützen, so Rektor Rade. Im Haus leben die Studierenden mit ihren Kommilitonen in Flurgemeinschaften zusammen. Der Alltag im Pauluskolleg beginnt je nach Vorlesungszeit der KatHo für die Studenten zu verschiedenen Zeiten: In den Flurküchen können sich die einzelnen unabhängig ihr Frühstück zubereiten. Das Mittagessen wird gemeinsam eingenommen. Es dient als Treffpunkt und zum Austausch von Informationen. Am vorlesungsfreien Dienstagvormittag steht der vom Spiritual Pastor Reinhard Isenberg geleitete Spiritualitätskurs auf dem Programm. Darin werden Fragen und Inhalte des Glaubens und der persönlichen Spiritualität besprochen. Beim wöchentlich stattfindenden Paulusabend werden nach dem gemeinsamen Abendessen und der Feier der Eucharistie aktuelle Themen besprochen und Veranstaltungen organisiert, die im Laufe des Kirchenjahres anstehen. Dazu gehört die Gestaltung der Nikolaus- oder St. Martinfeier im Haus sowie die Organisation einer gemeinsamen Studienfahrt nach Rom. Dabei zeigen sich die individuellen Qualitäten und Fähigkeiten jedes Studierenden. Abgerundet wird der Paulusabend durch ein geselliges Beisammensein im „Paulus Pub“. Dieser Raum wird von den Studentinnen und Studenten verwaltet und der „Thekendienst“ gehört genau wie der Spüldienst nach dem Mittagessen zu den Pflichten der Hausbewohner.
Die Studierenden leben das erste Studienjahr im Pauluskolleg und ziehen danach in eigene Wohnungen oder Wohngemeinschaften. Die Übergabe des Hauses an die neuen Bewohner wird dabei jährlich mit besonderen Aktionen zelebriert. „Letztes Jahr haben die Studenten aufgrund der Hysterie um die Schweinegrippe das Gebäude mit sehr authentisch wirkenden Warnhinweisen beklebt und eine Desinfektionsanlage eingerichtet, um uns „Neue“ zu schützen. Der Briefträger schaute noch am nächsten Tag sehr verwundert, als er eines der falschen Warnschilder gelesen hat“, erzählt eine Studentin aus dem dritten Semester.
In der Feier von Gottesdiensten, im Entdecken und Einüben eigener Spiritualitätsformen, in der Gestaltung des Zusammenlebens im Haus sowie in der Feier von Festen lernen die Studenten sich selbst und ihre Mitbewohner besser kennen. Sie setzen sich zudem mit ihrem Glauben auseinander und schaffen so ein festes Fundament für die Arbeit als Gemeindereferent. Die Studierenden werden später als Gemeindereferent grundlegende Aufgaben in einem Pastoralverbund übernehmen. Dazu gehören unter anderem Haus- und Krankenbesuche, Religionsunterricht an Grund- und Hauptschulen sowie die Kinder- und Jugendarbeit. Die Arbeit mit Menschen steht im Vordergrund. „Von der Krabbelgruppe bis zu Trauernden, Kommunionkindern und deren Eltern, Senioren und Menschen mit Behinderungen – die gesamte Gesellschaft ist vertreten“ sagt Rektor Rade. Deswegen setzt die Arbeit als Gemeindereferent eine offene Art gegenüber allen Menschen voraus. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion gehört auch zu den Anforderungen, die man erfüllen muss.
Informationen zum Beruf des Gemeindereferenten oder zum Pauluskolleg:
http://www.erzbistum-paderborn.de/pauluskolleg/index.html
Das komplette Interview mit Rektor Hans-Jürgen Rade finden Sie hier als pdf