Erzbischof informiert Priesterrat zu Missbrauchsvergehen

Paderborn, 29. Juni 2010. Erzbischof Hans-Josef Becker und Generalvikar Alfons Hardt informierten jetzt bei der Priesterratssitzung im Bildungshaus Liborianum über den aktuellen Stand zum Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch. In den vergangenen fünf Monaten seien Hinweise und Missbrauchsvorwürfe gegen 30 Priester bekannt geworden. Insgesamt seien 40 Opfer benannt worden oder hätten sich gemeldet. Darüber hinaus lägen 22 Hinweise hinsichtlich anderer Formen der Gewaltausübung im kirchlichen Bereich vor.

Generalvikar Hardt legte eine zeitliche Einordnung der Missbrauchshinweise vor. Demnach bezögen sich über 60% der Hinweise auf die Jahre 1960 bis 1980. „Von den beschuldigten Priestern sind 12 verstorben, 3 gehören einem Orden an, 3 waren nicht zu ermitteln“, führte der Generalvikar aus. Sieben Priester hätten sich bereits im Ruhestand befunden, aktuell sei ein Geistlicher suspendiert. In fünf Fällen sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Zwei Ermittlungsverfahren sind noch anhängig.

In jedem Fall sei versucht worden, Kontakt mit den Opfern herzustellen. In zwölf Fällen wurde eine Hilfe abgelehnt beziehungsweise die Verdachtsfälle von den Betroffenen als erledigt angesehen. In 11 Fällen konnten Beratungsstellen oder therapeutische Hilfen vermittelt werden. Erzbischof Becker und Generalvikar Hardt führten auch selbst Einzelgespräche mit Opfern.

Über die Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs hinaus seien 22 Meldungen und allgemeine Hinweise zur Gewaltausübung im kirchlichen Bereich erfolgt, zumeist aus den 50er Jahren. In vier Fällen wurden Priester benannt, von denen zwischenzeitlich drei verstorben seien, in drei Fällen Ordensmänner und in drei weiteren Fällen Ordensschwestern. 7 Fälle beträfen sonstige Mitarbeitende im kirchlichen Bereich.

Erzbischof Hans-Josef Becker versprach den Mitgliedern des Priesterrates, sich weiter für einen offenen und transparenten Umgang mit den Vorfällen einzusetzen. Das Fehlverhalten von Geistlichen und anderen im kirchlichen Dienst Beschäftigten habe zu einer tiefen Vertrauenskrise geführt und beschädige die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Botschaft.

Der Erzbischof bedankte sich herzlich für das bisherige Engagement des Leiters der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Manfred Frigger, der Beauftragter, Ansprechpartner und Kontaktperson für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn ist. Ihm sei es gelungen, die Schwelle für die Opfer niedrig zu halten. Mit großer Betroffenheit und tiefer Scham nehme er die bislang mitgeteilten Hinweise zur Kenntnis. Der Erzbischof dankte auch dem Priesterrat, der die Vorfälle in Sondersitzungen beraten und in einer kommenden Klausurtagung zum Thema eines Besinnungsprozesses gemacht habe.