Priester erneuern Weiheversprechen in Chrisammesse

Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Weihe der Heiligen Öle in der Chrisammesse im Hochchor des Hohen Dom zu Paderborn. Die Weihbischöfe, Generalvikar Hardt und Vertreter des Priesterrates assistierten.Paderborn, 30. März 2010. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am Montag der Karwoche die Chrisammesse im Hohen Dom zu Paderborn. Der feierliche Gottesdienst war Teil des Frühjahrspriestertreffens, bei dem die anwesenden 330 Priester aus dem Erzbistum Paderborn ihr Weiheversprechen erneuerten. Im priesterlichen Alltag seien die richtigen Prioritäten zu finden und zu setzen, wobei dem Gebet, dem geistlichen Leben, Priorität einzuräumen sei, so Erzbischof Becker in seiner Predigt. Vor Beginn des Gottesdienst sagte Erzbischof Becker im Blick auf die in der Kirche aufgedeckten Missbrauchsfälle und damit verbundenen Verdächtigungen gegenüber Priestern: „Bei aller Erschütterung über jedes einzelne Vergehen habe ich keinen Grund, am aufrichtigen und ehrlichen Dienst unserer Priester zu zweifeln. Ich weiß um gravierendes Fehlverhalten einzelner Mitbrüder, kann es aber nicht zulassen, dass Priester und Seelsorger verallgemeinert als Risikogruppe behandelt werden“.

Erzbischof Hans-Josef Becker äußerte sich vor Beginn der Chrisammesse zu den aktuellen Mißbrauchsfällen in der Kirche und wandte sich gegen Pauschalverdächtigungen gegen Priester. Im Hintergrund Generalvikar Alfons Hardt.Die gegenwärtige Kritik an der Kirche mache sich an Vergehen vor allem durch Priester fest, die das Zeugnis des Evangeliums Christi grausam entstellt hätten, führte Erzbischof Becker vor der liturgischen Eröffnung der Chrisammesse aus. „Ja, es ist ohne Einschränkung zu verurteilen, was einzelne Täter aus dem kirchlichen Raum durch Verführung und Missbrauch angerichtet haben. Es ist auch unentschuldbar, wenn durch Wegschauen und Vertuschen Mitwisser sich vergangen und so die Leiden der Opfer ignoriert haben.“ Zugleich nehme er wahr, dass Priester angefeindet und mit schlimmen Worten attackiert würden, weil sie zum Teil „suggerierten Pauschalverdächtigungen“ ausgeliefert seien, so Erzbischof Becker weiter. „Das setzt mir zu und das tut weh.“ Er setze auf eine Zeit der sachlichen und fairen Aufarbeitung des Missbrauchsphänomens und besonders auch in der Kirche. „Die offene und konstruktive Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden bedarf keiner besonderen Erwähnung“, betonte er.

Zu Beginn seiner Predigt sagte Erzbischof Becker, dass im Priesterjahr 2010 mit der Verbindung der Chrisammesse und dem Frühjahrspriestertreffen ein bewusster Akzent zu Beginn der Karwoche gesetzt werde. „Wir haben zum ersten Mal, seit wir zurückdenken können, die Chrisammesse vom Gründonnerstagvormittag verlegt auf den Montag der Karwoche, um es möglichst vielen Priestern unserer Erzdiözese zu ermöglichen, mit dem Bischof zusammen die Eucharistie zu feiern und gerade in der Heiligen Woche das Weiheversprechen bewusst zu reflektieren und gemeinsam zu erneuern.“

Priesterliches Beten sei immer auch fürbittendes Gebet, ein Hereinholden der Menschen mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihren Freuden und Anliegen in den Strom der göttlichen Liebe, so Erzbischof Becker weiter. „Beten Sie für die Menschen, die Ihnen anvertraut sind, und vor allem für jene, denen Sie auf andere Weise kaum noch helfen können“, so der Paderborner Erzbischof zu den anwesenden Priestern. Aufgrund der Überzeugung des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ sei, müsse alles pastorale Tun darauf hingeordnet werden. Bei diesem Dienst spüre ein Priester wohl am deutlichsten, dass nicht er der „Herr des Geschehens“ sei, dass er vielmehr im Namen und in der Vollmacht Jesu Christi handle. „Ich bin davon überzeugt, dass sich Gebet und pastorale Arbeit in einer größeren Einheit zusammenführen lassen, so dass sie einander durchdringen“, sagte Erzbischof Becker weiter. Bei der Vielfalt der Tätigkeiten komme es darauf an, Christus, den Guten Hirten, und damit die Mitte zu finden. Er sei jene Mitte, „von der alles Tun des Priesters in seinem Dienst an den Menschen vor Gott ausgeht“.

Die Öle wurden von Messdienern und Seminaristen in den Altarraum des Domes getragen, wo sie von Erzbischof Becker geweiht wurden.In der Chrisammesse weihte Erzbischof Hans-Josef Becker für das ganze Erzbistum die heiligen Öle, die das Jahr über zu Weihen und zur Spendung von Sakramenten gebraucht werden: das Katechumenenöl für die Salbung der Taufbewerber, das Chrisam für die Salbung bei der Taufe, der Firmung und der Weihe, sowie das Heilige Öl für die Krankensalbung. Erzbischof Becker feierte den Gottesdienst in Konzelebration mit Weihbischof Manfred Grothe, Weihbischof Matthias König, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Generalvikar Alfons Hardt, den Vorstandsmitgliedern des Priesterrates des Erzbistums Paderborn Dechant Dr. Gerhard Best (Möhnesee), Pfarrer Georg Birwer (Unna), Thomas Wulf (Warstein) und weiteren anwesende Priestern.

An der Chrisammesse nahmen auch Jugendliche teil, die in diesem Jahr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von der Mädchenkantorei des Hohen Domes unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle und von Domorganist Gereon Krahforst.

Die Chrisammesse im Hohen Dom war umrahmt vom Frühjahrspriestertreffen, an dem 330 Priester des Erzbistums teilnahmen.Im Rahmen des Priestertages fand vor der Chrisammesse eine Betstunde mit geistlichem Impuls in der Marktkirche statt, die Weihbischof Hubert Berenbrinker, Bischofsvikar für Priesterfortbildung im Erzbistum Paderborn, leitete. Pater Dr. Hans Schaller SJ aus Basel, Spiritual am Priesterseminar Chur, griff in seinem geistlichen Impuls mit dem Thema „Iss, sonst ist der Weg zu weit für dich“ die im ersten Buch der Könige im Alten Testament geschilderte Geschichte des Propheten Elias auf (1Kön 19,). Der Glaube verdunste und höre auf, das öffentliche Leben zu prägen, so Pater Dr. Schaller SJ. Auch die Kirche verliere an Strahlkraft und leide an einer „geistig-geistlichen Unterernährung“. „Doch kommt es jetzt darauf an, mit immer weniger auszukommen?“, fragte der Jesuitenpater. Das, was Kirche und Priester zum Leben brauchten, liege schon bereit. „Mangelt es an Nahrung oder an der Fähigkeit, sie zu sehen? Leiden wir nicht am mangelnden Blick auf das, was schon da ist?“ Der Glaube an Gott mache das Auge klar und helfe, das bereits vorhandene Brot zu finden. „Als Seelsorger sind wir gut beraten, wenn wir trotz aller Arbeit, für geistig-geistliche Nahrung sorgen, in Zeiten des Gebetes, der Stille, der geistlichen Einkehr“, empfahl Pater Dr. Schaller SJ.