06/09 - Kommunikation der Barmherzigkeit

Seit 1967 begeht die katholische Kirche den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Dieser wird in der Kirche Deutschlands immer am zweiten Sonntag im September begangen. Zum 50. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am 11. September 2016 erklärt der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst:    

„In seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel verknüpft Papst Franziskus zwei einander zunächst fremd erscheinende Themenkomplexe. Er lädt uns dazu ein, anlässlich des Heiligen Jahres über die Beziehung von Kommunikation und Barmherzigkeit nachzudenken.  

Das Verständnis des Heiligen Vaters von Kommunikation ist eines, das den Begriff nah am Wortsinn aufnimmt und dabei seine besondere Bedeutung für den Auftrag der Kirche offenlegt: Kommunikation ist Mit-Teilung, sie ist Miteinander-Teilen der Dinge, die uns beschäftigen. ‚Denn wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.‘ (Mt 12,34), sagt Jesus im Evangelium. Nicht zu Unrecht mahnt der Papst, dass solches Sprechen zugleich sorgfältig um Verständigung bemüht sein muss und dass für eine gelungene Kommunikation ebenso auch das Hinhören notwendig ist. Zuhören, so sagt der Papst, kann schmerzvoll sein. Denn sich auf jemanden ganz einzulassen, einen Perspektivwechsel zu wagen, funktioniert nur unter Preisgabe der eigenen Souveränität.  

Das aber ist zugleich nicht weit entfernt von der theologischen Entfaltung dessen, was Barmherzigkeit meint: Sich selbst der Situation des anderen auszuliefern, um dessen Schwächen, Fehler und Leiden nachvollziehen zu können und daran Anteil zu nehmen. Auch das ist Miteinander-Teilen, ist Mit-Teilung, Kommunikation.    

Das Ringen um Verstehen und Verstanden-Werden tut im alltäglichen Miteinander ebenso not, wie in der Politik und Diplomatie: Nur barmherzige Rücksichtnahme auf die Situation des Gegenübers kann Frieden und Aussöhnung stiften. Doch unverzichtbar ist diese Haltung insbesondere auch in Bezug auf den Verkündigungsauftrag der Kirche. Wenn diese ihre Botschaft fruchtbar verkünden will, ist sie darauf angewiesen, mit offenem Ohr in die Welt hineinzuhorchen, in die sie spricht. Fraglos: Die Kirche darf sich der ihr anvertrauten Wahrheit bewusst sein, auch das betont der Heilige Vater. Preisgabe von Souveränität bedeutet nicht, diese Wahrheit über Bord werfen zu müssen; sie ist nicht zu verwechseln mit Selbstverleugnung oder dem Anbiedern an bestehende Erwartungshaltungen. Und allein wer sicher weiß, wo er selbst steht, verfügt über die nötige Orientierung, um auch andere Perspektiven einzunehmen. Sehr wohl bedeutet allerdings das ‚Martyrium des Zuhörens‘, das der Heilige Vater beschreibt, sich in das Zweifeln und das Unverstehen hineinzuversetzen, das die Botschaft Jesu nicht selten hervorruft. Nur wenn wir als Kirche mit der Welt in einen ehrlichen Dialog treten, kann das Evangelium, das Botschaft und Offenbarung und somit selbst per se kommunikatives Geschehen ist, auch angenommen werden.  

Wir sollten dabei nicht zögern, besonders die Potenziale der sozialen Medien zu nutzen, denn mediale Errungenschaften wie Interaktivität und Synchronizität schaffen eine für das Bemühen um Vermittlung chancenreiche Nähe zwischen Mensch und Mitmensch, zwischen Kirche und Welt. Der niedrigschwellige Zugang zu den Strukturen des Web 2.0 bringt große Vorteile für die pastorale und seelsorgliche Arbeit mit sich. Die globale Vernetzung bietet Perspektiven, die Einheit der Weltkirche sichtbar zu machen und sie zu fördern. Und die multimedialen Gestaltungsmöglichkeiten erlauben zahlreiche neue Verkündigungsformen nahe am Menschen. Gerade deshalb warnt der Papst jedoch auch davor, dass Kommunikation bisweilen scheitern oder missbraucht werden kann. Wo Nähe erzeugt wird, kann auch leicht verletzt werden; ein Blick in die sozialen Netzwerke kann uns das täglich vor Augen führen. Daher braucht es heute – vielleicht mehr denn je – eine Kommunikation der Barmherzigkeit.“