14/01 - Kirche mal ganz anders

Nadine Hoch und Martin Schwentker lernen in Schweden und Lettland das Leben von katholischen Christen in der Minderheit kennen

Ein Studium kann trocken und sehr theoretisch sein, viele Studenten entscheiden sich daher dafür eine Zeit des Studiums im Ausland zu verbringen. So auch Nadine Hoch und Martin Schwentker aus dem Erzbistum Paderborn, die mit dem Bonifatiuswerk für einige Monate nach Schweden und Lettland gehen, um dort eine gänzlich andere Seite der katholischen Kirche kennenzulernen.

Nadine Hoch aus Dortmund befindet sich bereits seit Mitte Dezember 2015 im schwedischen Vadstena im Kloster der Birgitten, in dem sie noch bis März dieses Jahres bleiben wird. Sie unterstützt dort die Schwestern, an deren Kloster ein Gästehaus mit 30 Betten angegliedert ist. Zu den Aufgaben der Abiturientin werden die Betreuung der Gäste aus aller Welt und die Unterstützung der Schwestern bei ihrer täglichen Arbeit gehören. „Ich mag es nicht, als Tourist zu reisen. Wenn ich ein neues Land bereise, möchte ich die Kultur und die Gesellschaft kennenlernen, mich in das Leben dort richtig einleben“, begründet Hoch ihre Entscheidung für das Bonifatius Praktikanten-Programm. Auch, dass ihr Aufenthalt in den skandinavischen Winter fällt, wo es tagsüber nur für wenige Stunden hell wird, macht ihr nichts aus: „Ich finde es unglaublich faszinierend mir vorzustellen, dass ich die Wintermonate fast in ständiger Dunkelheit verbringe. Das wird eine gänzlich neue Erfahrung für mich.“

Erste Kenntnisse in Schwedisch hat sich Nadine Hoch, die nach ihrer Rückkehr gerne Medizin studieren würde, auf ungewöhnlich Weise beigebracht – mit Donald Duck Büchern. „Ich habe mir die Comics auf Schwedisch laut vorgelesen und dabei schon einige Zusammenhänge verstanden, da das Schwedische der deutschen Sprache vom Klang her sehr ähnlich ist.“ So hofft sie, sich in Vadstena möglichst schnell einleben zu können.

Anders als in Deutschland ist in Schweden gerade einmal etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung katholisch. Das kirchliche Leben und der Glaubensalltag unterscheiden sich daher grundlegend, denn katholische Einrichtungen oder Kirchen gibt es nur sehr wenige. Die Gläubigen, die dort leben, müssen oft weite Distanzen hinter sich bringen, um einen Gottesdienst oder eine katholische Schule besuchen zu können.

Am kommenden Wochenende begibt sich Martin Schwentker aus Paderborn ins lettische Riga ins Kloster zu den Dominikanerinnen von Bethanien. Diese betreiben eine Sonntagsschule und eine Kleiderkammer für Bedürftige, wobei Martin Schwentker die Schwestern unterstützen wird. Zudem wird sich der Religionspädagogik-Student in der Obdachlosenhilfe und-seelsorge engagieren, wodurch er sich neue Impulse für sein späteres Berufsleben erhofft. "Ich möchte in Riga neue kirchliche Strukturen kennenlernen und mein eigenes Bild der katholischen Kirche neu und quer überdenken. Als angehender Gemeindereferent möchte ich mir bis dato unbekannte Wege des Glaubens beschreiten", erklärt Schwentker. „Auch möchte ich erfahren, was es heißt, wenn es nicht an der Tagesordnung ist, katholisch zu sein. Ich bin in einer sehr katholischen Region aufgewachsen und bin gespannt, das Gegenteil kennenzulernen.“

In Lettland leben etwa 15 Prozent katholische Christen, doch herrscht in dem Land, nach dem Zerfall der Sowjetunion, eine hohe finanzielle Armut. Viele Kirchen befinden sich in Bau oder Renovierung, manche Gottesdienste müssen auch in Kinosälen oder Wohnhäusern gefeiert werden. Das Bonifatiuswerk unterstützt in der Minderheit lebende Katholiken auf vielfältige Weise und fördert auch die Praktika von Nadine Hoch und Martin Schwentker finanziell.

Das Bonifatius-Praktikanten-Programm

Das „Bonifatius Praktikanten-Programm“ ist ein Kooperationsprogramm zwischen dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. in Paderborn / Deutschland, dem Newman Institut in Uppsala / Schweden, einer Hochschule für Theologie, Philosophie und Kulturwissenschaften und den zusammenwirkenden Bistümern und Institutionen.

Das Programm richtet sich an engagierte junge Menschen, die Interesse haben, Land und Leute sowie die Situation der Katholiken in der Diaspora in Nordeuropa, Estland und Lettland kennen zu lernen. Zudem können sie ihre interkulturellen Kompetenzen weiter ausbauen, auch dient es ihrer Persönlichkeitsbildung.

Pfarrgemeinden und kirchliche Einrichtungen erhalten durch den Einsatz der Praktikanten Unterstützung in ihrer Arbeit. So bietet sich die Möglichkeit, jungen Menschen direkt und unmittelbar kirchliches Leben in der Diaspora zu vermitteln. Des Weiteren ist dieses Projekt keine „Einbahnstraße“, denn die gemachten Erfahrungen werden in die Arbeit des Bonifatiuswerkes eingebracht.

weitere Informationen www.bonifatiuswerk.de