20/04 - Zur Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer

Berlin, 20. April 2015. „Die erneute Katastrophe vieler hundert ertrunkener Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer muss endlich dazu führen, dass die EU ihre Flüchtlingspolitik überdenkt und neue Wege geht", fordert Caritas-Präsident Peter Neher. „Das Bedauern über den Tod so vieler Menschen wird jetzt von vielen formuliert. Bei jedem neuen Unglück ist die Betroffenheit groß. Das hilft den Menschen aber nicht. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, alles zu tun, um Leben zu retten. Dieses Gebot sollten die Verantwortlichen in der EU ernst nehmen und in verantwortungsvolles Handeln umsetzen."

So ist es dringend erforderlich, die Seenotrettung umfassend zu gewährleisten. „Wir müssen Mare Nostrum wieder ins Leben rufen und zwar in gemeinsamer europäischer Verantwortung aller Staaten der EU", so Neher. Nur so können noch mehr Tote im Mittelmeer verhindert werden. Das derzeitige Programm Triton kann dieser Aufgabe nicht entsprechen, da dabei der Schutz der Grenzen im Zentrum steht.

„Weniger Seenotrettung wird die Menschen nicht davon abhalten, lebensgefährliche Wege über das Mittelmeer anzutreten. Die vielen toten Frauen, Männer und Kinder zeigen vielmehr, dass weder Mauern noch Grenzzäune verhindern, dass Menschen marode Boote besteigen oder sich Schleppern anvertrauen", so Neher. Auch wenn es wichtig sei, die Menschen in den Herkunftsländern über die kriminellen Praktiken von Schleppern aufzuklären und diese intensiv strafrechtlich zu verfolgen, wird dies nicht verhindern, dass die Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben oder aus Furcht vor Verfolgung ihre Heimat verlassen.

„Was wir dringend brauchen, ist eine intensive Debatte in der EU über legale und sichere Einreisemöglichkeiten. Wenn wir wirklich wirksam dagegen vorgehen wollen, dass immer wieder Menschen im Mittelmeer ihr Grab finden, müssen wir die Abschottungspolitik der EU beenden", macht Neher deutlich. Ein Weg könnte beispielsweise sein, die Familienzusammenführung zu erleichtern, insbesondere bei Menschen aus Syrien. Zudem seien alle europäischen Länder gefordert, Flüchtlinge aufzunehmen. „Es kann nicht sein, dass sich Länder der EU ihrer Verantwortung entziehen. Auch hier muss sich die EU als Gemeinschaft verstehen."

Text: Deutscher Caritasverband e. V.