10/11 - Kardinal Marx würdigt ökumenische Beziehungen in Deutschland

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat zu verstärkten Anstrengungen in der Ökumene aufgerufen, um die eine Kirche Jesu Christi in Kirche und Welt deutlich werden zu lassen. Während der siebten Tagung der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sprach Kardinal Marx gestern Abend (9. November 2014) vor den Synodalen in Dresden. Dabei dankte er dem scheidenden EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und persönliche Verbundenheit: „Als Theologe und als Inhaber leitender Ämter in der Evangelischen Kirche Deutschlands wirbst Du dafür, die jeweiligen Besonderheiten der christlichen Kirchen als wechselseitige Ergänzung und Bereicherung zu werten. Mit diesem positiven Zugang einer ‚Ökumene der Gaben‘ hast Du in den letzten Jahren viel zu einer weiteren Vertiefung unserer Beziehungen beigetragen. Dafür möchte ich Dir als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz meinen ausdrücklichen Dank aussprechen.“

Ausführlich ging Kardinal Marx auf das Reformationsgedenken 2017 ein. Der 500. Jahrestag der Reformation erinnere an eine Trennungsgeschichte, die durch die Spaltung der abendländischen Kirche ausgelöst worden sei: „Es stimmt hoffnungsvoll, dass mit dem 500. Jahrestag der Reformation erstmals ein Reformationsgedenken im Zeitalter der Ökumene stattfindet. Die Ökumenische Bewegung, die vor 100 Jahren entstanden ist, hat uns näher zueinander geführt und erkennen lassen, wie tief wir in unserem Glauben miteinander verbunden sind. 2017 berührt auch Katholiken, gerade weil wir uns in der Ökumene so nahe gekommen sind und weil wir, durch das sakramentale Band der Taufe geeint, zu dem einen Leib Christi gehören. Wir sind eins in Christus, und das ist Gabe und Aufgabe zugleich. Es fordert uns heraus, unsere Einheit immer deutlicher sichtbar werden zu lassen“, so Kardinal Marx. In diesem Sinn könne das Reformationsgedenken Ansporn und Chance sein, weiter auf dieses Ziel hin zu arbeiten. Dazu habe auch das Zweite Vatikanische Konzil wichtige Impulse gegeben: „Mit dem Konzil hat die katholische Kirche sich unumkehrbar das ökumenische Anliegen zu eigen gemacht. Vieles wurde in den zurückliegenden Jahren erreicht. Auch hier gilt: Wir dürfen dafür dankbar sein, auch wenn noch nicht alle Differenzen beseitigt und alle offenen Fragen beantwortet sind. Wir sind gemeinsam auf dem Weg.“

Als gemeinsamen Auftrag bezeichnete Kardinal Marx die Herausforderung, wie die Kirche in Deutschland unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen die Frohe Botschaft verkünden und von der frohmachenden, befreienden und orientierenden Kraft des Evangeliums glaubwürdig Zeugnis geben könne: „In unserer Gesellschaft ist der Glaube an Gott alles andere als selbstverständlich. Umso wichtiger ist es, dass wir als Christen gemeinsam Zeugnis davon geben, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, um uns das Leben in Fülle zu schenken. Jesu Leben und Sterben für uns verpflichtet zur Solidarität mit dem Nächsten, insbesondere mit den Schwachen und Notleidenden“, so Kardinal Marx. Dazu gehörten ganz aktuell auch die vielen Flüchtlinge, die ihre von Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen geschüttelten Heimatländer verlassen müssten und in Deutschland Zuflucht suchten.

Vor der EKD-Synode in Dresden würdigte Kardinal Marx den Beitrag der christlichen Kirchen zum Fall der Mauer vor 25 Jahren als ein Geschenk, für das man immer neu dankbar sein müsse: „Seither ist nicht alles geradlinig und positiv verlaufen, und manchmal brauchen Mauern in den Köpfen länger bis sie einstürzen als Mauern aus Steinen. So kann bisweilen in Vergessenheit geraten, dass das Ende der DDR vielen Menschen bis dahin verwehrte Freiheiten gebracht und neue Chancen eröffnet hat.“ Ein wirkliches Gemeinwesen zu bauen, bleibe eine ständige Aufgabe. Mit der Erinnerung an den Fall der Mauer werde deutlich, „dass der christliche Glaube eine treibende Kraft für die Einheit Europas, für Freiheit und Würde des Menschen war und ist“, so Kardinal Marx.

Text: Deutsche Bischofskonferenz